Interview
07.01.2020

„Erneuerbare Kraftstoffe werden sich kannibalisieren“

Foto: VDB
Biokraftstoffe lassen sich beispielsweise aus dem Öl von Raps gewinnen.

Brauchen wir mehr Biokraftstoffe im Verkehrssektor? Elmar Baumann, Geschäftsführer des Biokraftstoffverbands, über die Perspektive der Branche und die Treibhausgasquote, durch die der CO2-Gehalt von Kraftstoffen sinken soll.

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Umweltstaatssekretär Flasbarth weist gerne darauf hin, man benötige auch im Verkehr ab 2050 etwas völlig klimaneutrales. Und Biokraftstoffe haben eben immer geringe Restemissionen, sei es aus der landwirtschaftlichen Produktion oder aus der Umwandlung der Rohstoffe heraus.

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Das stimmt, aber es stimmt eben auch, dass Deutschland bis 2050 ein nur noch begrenztes CO2-Budget zur Verfügung steht, bevor Kipppunkte erreicht werden. Deshalb müssen wir bereits bis 2030 alle vorhandenen Möglichkeiten zur Emissionsminderung nutzen. Dem hat Staatssekretär Flasbarth übrigens zugestimmt.

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Biokraftstoffe sind in relevanten Mengen verfügbar, und die Infrastrukturkosten sind herzergreifend gering.

Ein Ladesäulenprogramm und eine Kaufprämie sind im Klimapaket nur für E-Mobilität vorgesehen. Sieht Ihre Branche da auch Nachbesserungsbedarf?

Die Regierung plant, etwa eine Milliarde Euro für Forschung und Entwicklung für fortschrittliche Biokraftstoffe aufzubringen. Das ist an sich sehr sinnvoll, bringt diese Kraftstoffe aber noch nicht in den Markt. Das kann nur ein regulatorischer Rahmen leisten, der dafür sorgt, dass schrittweise Platz geschaffen wird.

Mit einer ab 2020 auf sechs Prozent gedeckelten Treibhausgasquote werden sich die verschiedenen erneuerbaren Kraftstoffe gegenseitig kannibalisieren. Die Elektromobilität sorgt zusätzlich dafür, dass der Beitrag von Biokraftstoffen reduziert wird. Die Bundesregierung sollte stattdessen mit einer stufenweisen Erhöhung der Treibhausgasquote ermöglichen, dass neue Optionen ihren Beitrag zum Klimaschutz im Verkehr leisten.

Die Einführung des nationalen Emissionshandels für den Straßenverkehr ist im Hinblick auf den Einsatz erneuerbarer Energien wirkungslos - eine reine Scheinaktivität. Nur die Treibhausgasquote sorgt dafür, dass der Fahrzeugbestand durch den Einsatz von Biokraftstoffen einen Beitrag zur CO2-Minderung erbringt. Und viel Zeit ist nicht mehr - 2030 ist letztlich übermorgen.

Wird der Verkehrsminister also erst ab 2022, wenn er bei seinen Klimamaßnahmen - wie es jeder erwartet - nachsteuern muss, bei Ihnen auf der Matte stehen?

Das ist ein valider Punkt. Bei vielen Maßnahmen im Verkehr lässt sich ja nicht genau abschätzen, welche Klima-Effekte sie bringen. Bei welchem Kraftstoffpreis die Nachfrage tatsächlich zu sinken beginnt, ist schwer festzumachen. Auch Verhaltensänderungen und Sprunginnovationen sind kaum vorauszusagen.

Wie eine Quote wirkt, ist aber gut einzuordnen. Insofern ist es wahrscheinlich, dass beim Nachsteuern eine Quote zum Zuge kommt. Solche Adhoc-Aktionen halte ich aber nicht für die allerglücklichste Politik.

Mit einem langfristigen Pfad - wie einer jährlich um einen halben oder ganzen Prozentpunkt steigenden Treibhausgasquote - kann man verlässlicher Investitionen anregen, als wenn man das fünf nach zwölf tut.

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Interview: Jörg Staude
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Keywords:
Biokraftstoffe | Biomethan
Ressorts:
Technology | Markets
 

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