US-Energiepolitik
24.04.2019

Ausbau der Erneuerbaren lässt Trump ins Leere laufen

Foto: iStock
Erneuerbare Energien sind nicht nur im Süden Kaliforniens im Aufwind.

Die Energiepolitik des US-Präsidenten droht an der ökonomischen Realität zu scheitern. Wind- und Solarenergie sind in den USA inzwischen billiger als Strom aus Kohle.

Trotz des Ausstiegs aus dem UN-Klimaabkommen und Donald Trumps Reanimationsversuche der Kohleindustrie werden die erneuerbarer Energien in den USA verstärkt ausgebaut: Um 20 Prozent haben 2018 die Kapazitäten für grünen Strom zugenommen – an der Spitze Solarenergie gefolgt von Windenergie. Zwar erzeugen die Staaten bislang erst acht Prozent ihres Stroms aus Erneuerbaren, doch der Trend zur grünen Energieerzeugung wird sich 2019 nach Einschätzung der Unternehmensberatung Deloitte noch verstärken.

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Der massive Ökostrom-Aufschwung in den USA hat vor allem ein Grund: Der Preis für Wind- und Sonnenenergie ist inzwischen unter den für Kohlestrom gefallen. Dies weist die in San Francisco angesiedelte Denkfabrik Energy Innovation in der Studie „The Coal Cost Crossover“ nach, die bizz energy vorliegt. Den Berechnungen zufolge erzeugen neue Windräder eine Megawattstunde Strom inzwischen im Schnitt für 15 Dollar, neue Solaranlagen für 28 Dollar. Die Preise liegen unter den Kosten für Betrieb und Erhaltung der meisten Kohlemeiler.

„Heute könnten Wind und Sonne ungefähr 74 Prozent der nationalen Kapazitäten für Kohlestrom mit einer unmittelbaren Kostenersparnis ersetzen, bis 2025 wird der Anteil auf 86 Prozent steigen“, sagt Hal Harvey, Geschäftsführer von Energy Innovation. Unter Bill Clinton und George W. Bush arbeitete er als Energieberater der Regierung. Versorger und Regulatoren müssten sich, so Harvey, an die veränderten wirtschaftlichen Bedingungen anpassen, um Investitionsruinen zu vermeiden. 

Der Preisdruck hat Folgen

Kohlekraftwerke mit einer Leistung von 211 Gigawatt ließen sich den Daten zufolge schon heute günstiger durch Ökostromanlagen ersetzen. 94 Gigawatt, das entspricht einem Drittel der gesamten Kohlestromkapazität von 285 Gigawatt, sind nach Einschätzung von Energy Innovation sogar, „erheblich gefährdet“. In diesem Fall unterbieten Wind- und Solarenergie die Erzeugungskosten der Kohlemeiler um mehr als 25 Prozent – ein starker Anreiz für Ersatzinvestitionen. Bis 2025 wird dieser Anteil auf rund die Hälfte der gesamten Kohlekraftkapazität steigen. Während die Installationskosten für Wind- und Solaranlagen trotz auslaufender Steuervorteile weiter fallen, werden die Kosten für Betrieb und Erhaltung von Kohlemeilern eher zunehmen.

Der Preisdruck hat unübersehbare Folgen. Ein Kohlekraftwerk nach dem anderen gibt auf. Jüngstes Beispiel: Die Tennessee Valley Authority schloss im Februar den Kohlemeiler Paradise No. 3 trotz wütender Twitter-Proteste von Präsident Trump. Seit 2010 wurden mehr als 40 Prozent der Meiler geschlossen. Binnen zehn Jahren ist der Anteil der Kohle am Strommix der USA von 50 auf 30 Prozent gefallen. Gewinner des Niedergangs der Kohle war bislang Erdgas, das die Amerikaner im großen Stil durch Fracking gewinnen. Mit 32 Prozent Anteil an der Stromerzeugung hat es den jahrzehntelang bevorzugten Brennstoff überholt. Doch nun dürften nach Einschätzung von Harvey die erneuerbaren Energien das Rennen für sich entscheiden.

Trump fördert Niedergang der Kohle

Besonders die Staaten im Süden, wo Solarenergie oft für die Hälfte des Preises von Kohlestrom verfügbar ist, sowie der windreiche Mittelwesten der USA setzen zunehmend auf Erneuerbare. Immer mehr Versorger korrigieren ihre Geschäftspläne. Die in Minnesota und Wisconsin operierende Xcel Energy will bis 2050 komplett auf Ökostrom umstellen, Idaho Power seine Kohlemeiler bis 2045 durch saubere Energie ersetzen und Consumers Energy aus Michigan spätestens 2040 kohlefrei sein. Pacificorp, das den Nordwesten der USA sowie Nordkalifornien beliefert, räumt ein, dass 60 Prozent seiner Kohlekraftwerke unrentabel sind und es deswegen stärker Erneuerbare nutzen will. Und die in Indiana beheimatete Nipsco will binnen zehn Jahren alle Kohlemeiler durch grüne Anlagen ersetzen.

Trumps Einsatz für die Kohle, eines seiner zentralen Wahlkampfversprechen, wird am Siegeszug der Erneuerbaren wenig ändern. 2018 brüstete er sich in seiner Rede zur Lage der Nation „den Krieg gegen die saubere Kohle beendet“ zu haben – womit er vor allem den Clean Power Plan seines Vorgängers Barack Obama meinte. In seinem Kreuzzug für die Kohle mobilisiert der Präsident Subventionen, verwässert Emissionsvorgaben und fordert einen Einspeisevorrang für Kohlestrom aus „Gründen der nationalen Sicherheit“. Ironischerweise befördert Trumps erratische Politik aber den Niedergang der Kohle. Nach einer Analyse der staatlichen Energy Information Agency beschleunigt die Aufgabe des Clean Power Plan den Kohleausstieg. Obama wollte ihn mit Rücksicht auf Jobs sozial abfedern. Jason Bordoff, Obamas Energieberater ist sich sicher: „Trump bringt die Kohle nicht zurück.“

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Norbert Mühlberger
Keywords:
USA | erneuerbare Energien | Energiepolitik
Ressorts:
Governance

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