Investitionen
10.05.2016

Erneuerbaren-Märkte: Schwellenländer locken Ökostrom-Investoren

Foto: Wikipedia
Windpark nahe der chilenischen Kleinstadt Canela.

Ernst and Young-Studie: Schwellenländer entwickeln sich zunehmend zum Eldorado für Erneuerbaren-Investoren. Europa indes sinkt in der Gunst der Projektierer.

 

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„Letztes Jahr haben die Investitionen in Erneuerbaren-Märkte in den Schwellen- und Entwicklungsländern erstmals die der Industrienationen übertroffen“, sagt Ben Warren, Energiefinanzanalyst bei Ernst and Young. „Insbesondere Lateinamerika ist zum Lackmustest dafür geworden, wie schnell Märkte wachsen können“, ergänzt er.

Chile ist eines der attraktivsten Länder für Erneuerbaren-Investoren. Das geht aus dem am Dienstag veröffentlichten Index des Londoner Analysehauses Ernst and Young hervor, der jährlich die 40 attraktivsten Länder für Ökostrom-Investoren listet. Demnach ist der Andenstaat im Vergleich zum Vorjahr im Ranking von Platz elf auf Platz vier gestiegen.

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Obwohl Chile in absoluten Zahlen einen verhältnismäßig kleinen Markt darstellt, zieht der Staat Ökostrom-Projekte in Gigawatt-Dimensionen an. Chile ist „einer der ersten Märkte der Welt, in dem Erneuerbaren-Projekte mit anderen Energiequellen tatsächlich konkurrieren können“, heißt es zur Begründung in der Ernst and Young- Studie.

Erst im April hatte bizz energy mit einer Delegation aus Wirtschaftsvertretern den Andenstaat besucht. Im Interview mahnte der deutsche Botschafter in Chile, Rolf Schulz, zur Eile beim Einstieg in Erneuerbare-Projekte. „Die Claims werden jetzt verteilt“, sagte er im Gespräch mit bizz energy. In zehn Jahren werde der Einstieg vergleichsweise viel schwerer sein.

Neben Chile steigen laut Ernst and Young auch Brasilien und Mexiko in der Gunst der Investoren und belegen Platz sechs und sieben des Rankings.

 

Schwindendes Interesse an Europa

Unverändert bleiben indes die ersten drei Plätze des Ernst and Young-Rankings. Amerika, China und Indien führt die Liste weiterhin an.

Das Interesse an den europäischen Märkten haben die Geldgeber laut Analyse im vergangenen Jahr allerdings verloren. Europa habe offenbar seine Ambitionen zurückgeschraubt, kommentiert Warren. Hier würden die sich entwickelnden Erneuerbaren-Märkte mit der Gesetzgebung konventioneller und zentraler Versorgung verschmolzen. Deutschland fällt damit auf Platz 5 zurück. Auch Frankreich rutscht auf Platz acht ab. Insbesondere die Ankündigung Deutschlands, das Ausbauziel von 45 auf 40 Prozent bis zum Jahr 2025 zu senken, führe zu erheblicher Unsicherheit, besonders für Windprojekte an Land.

Mit der Reform des Erneuerbaren-Energien-Gesetztes will Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) die Vergütung für Ökostromanlagen von einer festen Einspeisevergütung auf Ausschreibungen umstellen. Für PV-Freiflächenanlagen sind 2015 bereits erste Politprojekte gestartet, ab Mai 2017 soll das Modell für Onshore-Windkraft gelten. Dann sollen im Rahmen von drei bis vier Auktionen erstmals 2,9 GW Windstrom vergeben werden – inklusive Repowering, also der Modernisierung bereits bestehender Parks. 

 

Jana Kugoth
Keywords:
Ernst and Young | Ranking | Investoren | Erneuerbaren-Projekte | Chile | Brasilien | Europa | Mexiko | Deutschland | Schwellenländer | Industriestaaten
Ressorts:
Markets

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