Förderung
12.03.2019

Erneuerbaren-Vergütung: EEGeht weiter

Foto: Wattner/BEE
Das Solarkraftwerk Wittstock ging im Juni 2018 in Betrieb und schuf im August einen Präzedenzfall.

Die Erneuerbaren-Branche hat sich mit EEG-Marktprämienmodell und Auktionsverfahren arrangiert. Immer öfter ist keine Förderung mehr nötig. Überflüssig ist das Gesetz jedoch noch nicht. Eine Bestandsaufnahme.

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Das EEG-Konto quillt über. Der Überschuss stiegt im Februar 2019 auf 5,7 Milliarden Euro. Auf den Konten der Übertragungsnetzbetreiber summieren sich die Rücklagen der von den Stromverbrauchern eingezahlten EEG-Umlage damit auf ein neues Rekordniveau. Von Mai bis September sinkt dann voraussichtlich wegen der höheren Solarvergütung der Kontostand. Ab Oktober dürfte das Rücklagenkonto aber wieder steigen. Grund für den Höchststand sind vor allem höhere Vermarktungserlöse für den EEG-Strom an der Strombörse.

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Diese sind auch ein Grund dafür, dass Anlagen wie beispielsweise der Solarpark Wittstock immer öfter ohne EEG-Förderung auskommen. Das Solarkraftwerk mit seinen 6.600 Solarmodulen auf 1,7 Hektar Fläche erzeugt jährlich 1,8 Millionen Kilowattstunden (kWh) Strom –  und ist darüber hinaus etwas Besonderes: Erstmals im Marktprämienmodell wurde dort aus Sonne Strom erzeugt, der nicht aus dem EEG-Konto gefördert wird. Der von Next Kraftwerk direkt vermarktete Strom erreichte im August einen Marktwert von 5,595 Cent pro kWh, das ist mehr als der Ausschreibungswert von 5,42 Cent pro kWh, zu dem der Betreiber den Zuschlag für die Anlage erhielt. Ein Donnerschlag, wie manche meinen: Zum ersten Mal betrug die Differenz zwischen Markt- und Ausschreibungswert einer Solaranlage – die Marktprämie – null Cent.

Historische Trendwende beim EEG

Das hält der Bundesverband Erneuerbare Energien (BEE) für eine historische Trendwende in der Geschichte des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG). Er rechnet damit, dass Marktprämien bei Photovoltaik- und auch Windenergieanlagen immer öfter gegen null gehen werden. Höhere Markt- und CO2-Preise würden die Vermarktung erneuerbarer Energien erleichtern: „Die Integration erneuerbarer Energie in den Markt funktioniert. Das EEG trägt in seiner Funktionsweise dazu bei“, sagt BEE-Geschäftsführer Peter Röttgen.

Noch vor nicht allzu langer Zeit war die Branche wenig erfreut über die Entwicklung des EEG. Mit der Entscheidung, das sogenannte Ökostromprivileg weiter einzuschränken und parallel eine optionale Marktprämie einzuführen, erschwere die schwarz-gelbe Koalition eine kostengünstige Integration von Strom aus Erneuerbare-Energien-Anlagen und benachteilige vor allem kleine und mittlere Ökostrom-Anbieter, klagte der BEE im Jahr 2011, vor dem Start des Marktprämienmodells 2012. Und auch das 2017 eingeführte Auktionsmodell wurde nur widerwillig geschluckt. „Die Technologie wird kostengünstiger, was insbesondere durch Auktionen vorangetrieben wird – und unsere Branche mächtig unter Druck setzt“, sagt Röttgen. Aber man freue sich auch, zeigen zu können, wie wirtschaftlich die Technologie heute sei, betont der Vertreter der Erneuerbaren-Branche. Diese hat sich mit den marktwirtschaftlichen Instrumenten im EEG offenbar arrangiert.

Zukünftig immer weniger Förderung

Nach dem Gesetz erhalten Betreiber größerer Anlagen eine gleitende Marktprämie. Diese wird nur bezahlt, wenn der Marktwert des EEG-Stroms den in einer Ausschreibung ermittelten Wert unterschreitet. Dies könnte seltener werden, denn in den vergangenen Jahren sind einerseits die Gestehungskosten der erneuerbaren Energie deutlich gesunken. Zugleich wird sie  zu höheren Preisen vermarktet.

Wie funktioniert das Fördersystem? Die gleitende Marktprämie gleicht die Differenz zwischen dem an der Strombörse erzielbaren Preis für die Direktvermarktung (Marktwert) und dem Gebotswert in der Ausschreibung aus. Je höher der Vermarktungswert im Stromhandel an der Börse, desto geringer fällt die Marktprämie der Anlage aus. Ist der erzielte Börsenwert hoch genug, muss keine gezahlt werden.

Zukünftig werden immer mehr Anlagen ohne Förderung auskommen, glaubt der BEE. Neben steigenden CO2-Preisen und sinkenden Kosten bei Photovoltaik und Windenergie würden steigende Strompreise, Atomausstieg, Kohleausstieg und höhere Brennstoffpreise diesen Trend beflügeln. „Ein Restrisiko bleibt jedoch bestehen“, sagt Marco Nicolosi vom Beratungsunternehmen Connect Energy Economics. Ein Konjunktureinbruch könne die Stromnachfrage aus der Industrie und somit die Preise senken. Dies sei aber bislang nicht in Sicht.

Null-Cent-Gebote bei Offshore

„Wir ernten jetzt die Früchte des EEG“, sagt Christoph Podewils, Photovoltaik-Experte und Leiter Kommunikation bei der Denkfabrik Agora Energiewende. Das EEG habe dazu geführt, dass die Kosten von Wind- und Solarstrom drastisch gesunken sind. Inzwischen liegen sie im Bereich dessen, was am Markt für Strom erlösbar ist.

Zusammen mit dem Freiburger Öko-Institut hat Agora Energiewende einen EEG-Rechner entwickelt, mit dem sich die Entwicklung der EEG-Umlage in verschiedenen Szenarien abschätzen lässt. In einem aktuellen Szenario bis zum Jahr 2035 prognostiziert Agora für 2020 zum dritten Mal in Folge eine sinkende EEG-Umlage. Danach soll sie leicht steigen, ab 2023 aber wieder abflachen. „Dann sehen wir, dass die EEG-Umlage kräftig sinkt und der Börsenstrompreis stärker zum dominierenden Faktor wird“, sagt Podewils.

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Keywords:
EEG | Förderung | Photovoltaik
Ressorts:
Governance | Markets

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