Förderung
12.03.2019

Erneuerbaren-Vergütung: EEGeht weiter

Foto: Wattner/BEE
Das Solarkraftwerk Wittstock ging im Juni 2018 in Betrieb und schuf im August einen Präzedenzfall.

Die Erneuerbaren-Branche hat sich mit EEG-Marktprämienmodell und Auktionsverfahren arrangiert. Immer öfter ist keine Förderung mehr nötig. Überflüssig ist das Gesetz jedoch noch nicht. Eine Bestandsaufnahme.

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Manch einer hofft derweil, das EEG bald komplett abschaffen zu können. „Ich gehe davon aus, dass die erneuerbaren Energien in absehbarer Zeit, also in den nächsten vier bis fünf Jahren, ihre Wettbewerbsfähigkeit vollständig erreicht haben – und dass wir dann imstande sind, erneuerbare Energien ohne zusätzliche Subventionen zu finanzieren“, sagte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier im April bei der Eröffnung der internationalen Energiekonferenz in Berlin.

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Seine Hoffnung speist sich offenbar auch aus den Auktionsergebnissen für Windenergie auf See. Seit 2017 kommt es bei Offshore-Ausschreibungen zu Null-Cent-Geboten. Einzelne Windpark-Investoren erklären, vollständig ohne staatliche Förderung auskommen zu wollen – ihre Anlagen müssen sich allein am Strommarkt refinanzieren. Anfangs war dies eine Überraschung, galt die Offshore-Technologie doch als teuer und riskant.

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Entwicklung EEG-Umlage
Doch hier habe eine rasante Technologieentwicklung stattgefunden, sagt Podewils. „Offshore war anfangs ein Hochrisikogeschäft. Inzwischen weiß man, wie es funktioniert.“ Wie bei Photovoltaik und Onshore brauche man allerdings weiterhin das EEG als Risiko-Minimierungs-Mechanismus. Ganz ohne regulatorischen Rahmen, der die Risiken absichert, gehe eben es nicht – vor allem nicht in der Photovoltaik: „Tiefer als 4 Cent sollte die Mindestvergütung für die Betreiber dort nicht fallen. Im aktuellen Markt kriegen Sie das immer und auch mehr. Eine solche Mindestvergütung senkt aber das Risiko eine Projektes und ist deshalb gegenüber Banken und Investoren ein starkes Argument. Damit hilft es, die Finanzierungskosten niedrig zu halten“, sagt Podewils. Diese Absicherung bringe die Investoren in eine andere Risikoklasse der Finanzierung. Erst die niedrigen Zinssätze würden sie in die Lage versetzen, niedrige Strom-Gestehungskosten zu haben.

Der Bundesverband der Solarwirtschaft fordert die Bundesregierung unterdessen auf, den Ausbau von Photovoltaik auf lange Sicht zu fördern. Die akute Angst der Branche bezieht sich auf den im Jahr 2012 eingeführten „Förderdeckel“ bei einer installierten Solarkapazität von 52 Gigawatt. „Der Ausbau der preiswerten und sauberen Photovoltaik droht in wenigen Monaten in Deutschland abrupt zu enden“, erklärt der Verband. Die Installationszahlen für Solarstromanlagen würden ohne gesetzliche Änderungen schon bald drastisch einbrechen – der Deckel müsse umgehend gestrichen werden. Solarstromanlagen würden zwar immer preiswerter, ihr Ausbau sei aber für einige Jahre noch auf Marktprämien aus dem EEG angewiesen.

EEG wird weiter Bestand haben

Dieses Ansinnen unterstützt auch Thomas Schlegel: „Der Deckel für Photovoltaik ist nicht mehr nötig, eher für eine freie Entwicklung hinderlich“, sagt der Leiter der EEG-Direktvermarktung beim Energiekonzern Eon. Schlegel kümmert sich um Anlagen im Marktprämienmodell und verkauft den Strom an der Strombörse. Auch er sieht den Weg des EEG noch nicht am Ende: „Das EEG wird weiter seinen Bestand haben, nur die Förderungssystematik wird sich stark verändern müssen.“ So wurde jüngst bekannt, dass der Entwurf des Bundeswirtschaftsministeriums zum Energiesammelgesetz, das auch Änderungen am EEG umfasst, harte Einschnitte bei Photovoltaik-Dachanlagen zwischen 40 und 750 Kilowatt vorsieht. Deren Förderung soll um etwa 20 Prozent sinken – auch aufgrund gefallener Preise für PV-Module und -Anlagen. Die Solarbranche spricht von einem „Anschlag auf die Energiewende“.

Spannend wird es Schlegel zufolge ab dem Jahr 2021, wenn die ersten Altanlagen aus der EEG-Vergütung herausfallen. Für viele Betreiber stellt sich dann die Frage, ob der Betrieb ohne Förderung lohnt. Es seien zwar auch heute schon Projektierer unterwegs, die EEG-Anlagen nicht nach dem Marktprämienmodell vermarkten, sondern über die „sonstige Direktvermarktung“, die sich also ihre Abnehmer selber suchen. In Bezug auf Power Purchase Agreements (PPA) hält Schlegel aber noch vieles für ungeklärt.

Preis- und Kostendruck auf die Branche

Entscheidend sei, wie die Regierung darauf reagiere, wenn nicht alle Altanlagen weiterbetrieben werden. Ein massenhaftes Abschalten würde nicht zu den Ausbauzielen für die Erneuerbaren und zu den Klimazielen passen. Ein generelles Auslaufen der EEG-Förderung sei daher kritisch: „Die Frage ist: Erreichen wir auch wirklich unsere Ziele der Erneuerbaren-Quote für Deutschland ohne enstprechende Anreize?“, fragt Schlegel. Das Marktprämienmodell hält er grundsätzlich für richtig: „Eine gute Anlage wird auch einen guten Vermarktungsweg finden. Eine schlechte Anlage wird sich hingegen schwertun, sich über die Förderlaufzeit hinaus zu vermarkten.“

Auch das Auktionsverfahren ist für den Eon-Direktvermarkter der richtige Weg, um eine Überförderung zu verhindern. Das Sinken der EEG-Umlage sei ein klares Zeichen, dass trotz des Zubaus in Deutschland weniger Geld für erneuerbare Energien benötigt werde. Auch die Betreiber hätten sich inzwischen damit arrangiert, dass sie ab einer bestimmten Anlagengröße in ein Ausschreibungsverfahren müssten, sagt Schlegel. Marktprämienmodell, Direktvermarktung und Ausschreibungen haben Preis- und Kostendruck auf die Erneuerbaren-Branche erhöht – ganz im Sinne des Erfinders: Die Instrumente wurden von den jeweiligen Bundesregierungen in das Erneuerbare-Energien-Gesetz eingeführt, um die Technologien marktreif zu machen. „Erneuerbare müssen auch wirtschaftlich in den Markt eingebunden werden“, sagt Branchenvertreter Röttgen. Die Ausschreibungsanlage ohne Marktprämie in Wittstock sei ein besonderes Ereignis, da es zeigen würde, wie wirtschaftlich die Erneuerbaren Energien heute seien.

Das sieht auch Karl-Heinz Remmers so. Der Energieexperte schreibt in seinem Blog, die Solaranlage in Wittstock habe den fossil-nuklear verzerrten Strommarkt besiegt. Dies sei ein „lautloser, aber gewaltiger Donnerschlag“.

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Carsten Kloth
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Keywords:
EEG | Förderung | Photovoltaik
Ressorts:
Governance | Markets

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