EU-Gipfel
21.05.2013

Erschwingliche Energie für die Industrie

Die EU will Maßnahmen beschließen, die den steigenden Strompreisen entgegensteuern. Die Staats- und Regierungschefs geben damit dem Druck aus der Industrie nach.

 

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Berichten der „Süddeutsche Zeitung“ (SZ) zufolge wollen die EU Staats- und Regierungschefs ihre Energie- und Klimapolitik neu ausrichten. Hintergrund sind Klagen der Industrie über zu hohe Energiepreise. So kritisierte der Verband der europäischen Industrie zuletzt, dass europäische Unternehmen im Vergleich zur US-Konkurrenz bis zu drei Mal so hohe Energiekosten hätten. Erneuerbare Energien sowie der Handel mit CO2-Emissionsrechten hätte den Strompreis in die Höhe getrieben. 

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Um die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen zu gewährleisten und Wachstum und Arbeitsplätze zu sichern, seien die Preise entscheidend, heißt es in einem gemeinsamen Beschlussentwurf der EU-Regierungschefs für den Gipfel am Mittwoch in Brüssel. Demnach sollen Hilfen für den Ausbau erneuerbarer Energien kostenorientiert angepasst und neue Technologien gefördert werden.

Darüber hinaus gibt es in der EU-Kommission offenbar Pläne, die Stahlindustrie zu unterstützen, schreibt die SZ. So sollen die Mitgliedsstaaten Steuern und Abgaben über zwei Jahre einfrieren und energieintensive Unternehmen Ausnahmen bei Abgaben erwirken können.

Kritiker befürchten, dass private Haushalte für die Pläne aufkommen werden müssen. Die Grünen betonen, dass Unternehmen heute weniger zahlen als in den Jahren 2007 und 2008, auch weil ein großer Teil der Kosten für den Ausbau der erneuerbaren Energien bereits von den Verbrauchern geschultert wird. 

IEA: Strompreis steigen

Aktuelle Zahlen der EU-Kommission zeigen, dass die Strompreise für europäische Firmen in den vergangenen sieben Jahren durchschnittlich um 37 Prozent gestiegen sind. Die Kosten für Verbraucher kletterten immerhin um 22 Prozent. Damit müssen Menschen in einigen EU-Ländern fast ein Viertel ihres Budgets für Energiekosten ausgeben.

Der Chefökonom der internationalen Energieagentur (IEA), Fatih Birol, sagt für die EU und Japan in den kommenden Jahren ebenfalls deutliche höhere Energiepreise voraus. Im Vergleich zu den USA und anderen asiatischen Staaten müssten Europäer gut ein Viertel mehr für den Strom zahlen.

Lob von der Industrie

In der Industrie stößt der Vorstoß der EU-Regierungschef erwartungsgemäß auf positive Resonanz. Die Staatschef hätten endlich die Dringlichkeit einer sicheren Energieversorgung zu wettbewerbsfähigen Preise erkannt, betonte BDI-Hauptgeschäftsführer Markus Kerber am Dienstag. Er forderte eine stärkere Koordination der europäischen Energie- und Klimapolitik, einen grenzüberschreitenden Netzausbau sowie eine Europäisierung des Ausbaus erneuerbarer Energien.

Für ein stärkeres europäisches Vorgehen in der Energie- und Klimapolitik sprach sich zudem BDEW-Hauptgeschäftsführerin Hildegard Müller aus. „Bestrebungen in Richtung nationaler Energieautarkie, staatliche Einflussnahme auf Großhandels- und Endkundenpreise und Alleingänge bei der Bepreisung von CO2 wie beispielsweise in Großbritannien verhindern das Zusammenwachsen der Märkte in der EU“, sagte Müller. Sie forderte zudem ein ambitioniertes Ziel zur Reduktion der Treibhausgase in der EU bis zum Jahr 2030. Nur so erhielten alle beteiligten Akteure die Sicherheit, dass sich Investitionen in entsprechende Anlagen, Technologien und die Infrastruktur rentieren können.

TG
Keywords:
EU-Gipfel | Europäischer Industrieverband | EU-Kommission | Klimaziele | Industrie | Strompreise
Ressorts:
Governance

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