Elektromobilität
19.01.2018

Erste deutsche Batteriezellen-Fabrik könnte im Ausland entstehen

Foto: Creative Commons/Gereon Meyer. Top-Teaser: Mercedes-Benz
Lithium-Ionen-Zellen für E-Auto-Batterien hier für das Modell Leaf von Nissan sollen auf lange Sicht auch in Europa entstehen.

Das deutsche Batteriezellen-Konsortium TerraE steht kurz vor der Entscheidung über seinen ersten Produktionsstandort. Offenbar sind für das Werk nicht nur deutsche Städte im Rennen.

Die Gesellschafter von TerraE haben bei einem Planungstreffen in der vergangenen Woche über die künftige Aufgabenverteilung in ihrem Konsortium beraten. Sie wollen in Kürze entscheiden, wo TerraE seine erste Batteriezellen-Fabrik baut. Sie soll ab Herbst 2019 Lithium-Ionen-Zellen für die Industrie liefern.

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„Wir sind im Standortfindungsprozess und haben in mehreren europäischen Ländern Gespräche geführt“, sagt TerraE-Geschäftsführer Holger Gritzka auf Anfrage des Magazins bizz energy. Wo die Fabrik entstehe, werde TerraE innerhalb der kommenden 14 Tage bekanntgeben.

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Finnland gilt als möglicher Standort

 

Dass die Wahl auf Deutschland fällt, wie bei Gründung des Unternehmens im Frühjahr vielfach von Medien berichtet, bestätigt Gritzka nicht. Eine finnische Zeitung schrieb kürzlich von TerraE-Gesprächen mit der Stadt Vaasa am Bottnischen Meerbusen. Gritzka bejaht, dass Finnland zu seinen Stationen auf der Standortsuche gehört.

 

Das muss nicht bedeuten, dass Deutschland aus dem Rennen ist. Das Konsortium, an dem mehr als ein Dutzend Unternehmen und Forschungsinstitutionen beteiligt sind, will bis 2028 eine Fertigungskapazität von 34 Gigawattstunden aufbauen. Die könnte es auf mehrere Orte in Europa verteilen.

 

3.000 Arbeitsplätze könnten entstehen

 

Zunächst soll bis 2021 eine Fabrik mit einer Kapazität von 1,5 Gigawattstunden entstehen. Pro Gigawattstunde muss TerraE voraussichtlich zwischen 100 Millionen und 150 Millionen Euro investieren und 90 Mitarbeiter einstellen. Somit bräuchte das Unternehmen für die erste Stufe rund 140 Mitarbeiter und müsste bis zu 225 Millionen Euro investieren. Langfristig rechnet TerraE mit 3.000 Mitarbeitern und rund vier Milliarden Euro Investitionskosten.

 

Geschäftszweck der in Frankfurt angesiedelten Holding ist laut Handelsregister nicht nur die Gründung des Produktionsunternehmens, sondern auch der Kauf und Verkauf von Beteiligungen. Im Erfolgsfall könnte TerraE demnach zu einem internationalen Batteriezellen-Konglomerat werden.

 

Batterieproduzent BMZ spielt tragende Rolle

 

Wer derzeit zum Kreis der Geldgeber gehört, verrät Gritzka noch nicht. Man habe laufend Zuwachs an Investoren, sagt er, und die nächste Kapitalerhöhung sei binnen vier Wochen geplant. Einer der wichtigsten Beteiligten ist der international produzierende Batteriehersteller BMZ aus dem unterfränkischen Karlstein. Er ist Gründungsgesellschafter – neben dem früheren ThyssenKrupp-Manager Gritzka und Ulrich Ehmes. Ehmens kam vom Schweizer Batteriehersteller Leclanché zu der in Frankfurt ansässigen Holding.

 

Finanzkräftige TerraE-Investoren dürften in der Batteriezellen-Forschungsinitiative „Fab4Lib“ anzutreffen sein. Sie wird von TerraE geleitet und vom Bundesforschungsministerium mit 5,5 Millionen Euro gefördert. Bei „Fab4Lib“ machen unter anderem Siemens, die DHL-Tochter Streetscooter, SGL Carbon und ThyssenKrupp System Engineering mit.

 

Zellen für Autobatterien erst im zweiten Schritt

 

Obwohl auf lange Sicht die Autoindustrie als größter Abnehmer von Lithium-Ionen-Akkus gilt, will sich TerraE zunächst auf Zellen für Gabelstapler und andere Verteilfahrzeuge für die Industrie, auf batteriegespeiste Elektrowerkzeuge, stationäre Speichersysteme und E-Bikes konzentrieren. Später sollen dann Zellen für Autobatterien vom Band laufen. Falls der amerikanische E-Auto-Pionier Tesla seine Fahrzeuge künftig auch in Europa baue, könne TerraE auch ihn beliefern, sagt Gritzka.

 

Wenn der deutsche Neuling Ende 2019 mit ersten Serienprodukten auf den Markt geht, trifft er auf mächtige Konkurrenz: Asiatische Hersteller wie Panasonic, BYD und LG Chem dominieren den Zellenmarkt. Im US-Bundesstaat Nevada baut außerdem Tesla eine „Gigafactory“ für Lithium-Ionen-Zellen und Batteriepakete.

 

Wertschöpfung nicht Asien und den USA überlassen

 

Aber der Markt wächst. Gritzka glaubt, dass TerraE gegen die großen, schon viel weiter entwickelten Wettbewerber bestehen kann: „Lithium-Ionen-Zellen werden in Hochtechnologieländern wie Japan, Südkorea und China produziert. Bei ähnlichem Automatisierungsgrad und ähnlichen Skaleneffekten gibt es keine immens großen Kostenunterschiede zu Europa.“ Zudem fielen Logistikkosten für den Import aus Übersee und Zollkosten weg.

 

Der 50-jährige Manager warnt davor, die Wertschöpfung bei Batteriezellen Asien und den USA zu überlassen. Dann gerate Europa bei einer Schlüsseltechnologie ins Hintertreffen. „Außerdem müssen wir sicherstellen, dass wir die nötigen Rohstoffe beziehen können“, sagt Gritzka. „Der Weg, den China mit der Sicherung von Lithium-Vorkommen im Ausland geht, sollte auch für Deutschland eine Option sein.“ TerraE hat im Herbst mit dem australischen Unternehmen Magnis Resources eine Absichtserklärung über den Bezug von Grafit unterzeichnet. (Lesen Sie auch: China geht in die Lithium-Offensive)

 

Lithiumpreis könnte steigen

 

Wenn alle 26 auf der Welt im Bau befindlichen Batteriezellenfabriken ihre Produktion hochfahren, wird der Lithiumpreis in den kommenden Jahren deutlich steigen. Das prognostiziert das auf Batterierohstoffe spezialisierte Marktforschungsunternehmen Benchmark Minerals in London. Demnach hat die wachsende Nachfrage nach Batterien die Preise für Lithium und Kobalt schon im vergangenen Jahr um mindestens ein Drittel steigen lassen.

 

Lesen Sie auch: Megafabriken für Batterien treiben Lithiumpreise

Christian Schaudwet
Keywords:
Stromspeicher | Batterien | Elektromobilität
Ressorts:
Technology | Markets

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Auszug aus wiki: "....Die Gemeinde liegt in der Untermain­senke, zwischen dem Hahnenkammhöhenzug und dem Main, an dessen rechten Ufer. Im Ortsteil Großwelzheim befindet sich der westlichste Punkt des Landkreises Aschaffenburg und des Bundeslandes Bayern."

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