Deutschlands zweitgrößter Stahlkonzern Salzgitter nutzt nun auch Ökostrom aus Windkraft, um so "grünen" Wasserstoff für eine CO2-arme Produktion zu gewinnen. Zusammen mit Eon/Avacon, Linde und Siemens setzte Salzgitter-Vorstandschef Heinz Jörg Fuhrmann am Donnerstag die sogenannte Sektorkopplung in Betrieb. Nach den Angaben ist es das erste konkrete industrielle Vorhaben dieser Art im Land.

Dabei wird Strom aus sieben Windrädern, die die regionale Eon-Gesellschaft Avacon auf dem Gelände von Salzgitter betreibt, in zwei 1,25-Megawatt-Elektrolyseure eingespeist. Die Gesamt-Windkraftleistung beträgt 30 Megawatt. Der Wasserstoff kommt anschließend - anstelle von klassischer Kokskohle - in einem alternativen Verfahren des Stahlkochens zum Einsatz, das so gut wie CO2-frei ablaufen soll.

Schon heute wird in der Stahlherstellung fossiler Wasserstoff für Glühprozesse und in den Feuerverzinkungsanlagen eingesetzt. Der Industriegasproduzent Linde liefert das Gas zurzeit per Lkw und wird auch künftig die kontinuierliche Versorgung des Wasserstoffbedarfs absichern. Sämtliche Anlagen sind derzeit im Probebetrieb.

Nordwesten soll Wasserstoff-Infrastruktur bekommen

Die Stahlbranche erhofft sich von der Technologie einen entscheidenden Effekt für die Einhaltung schärferer Klimaschutzregeln über die kommenden Jahrzehnte. Sie will so auch einen Beitrag zum Aufbau einer Wasserstoff-Wirtschaft leisten. Geplant ist, dass das Projekt "Windwasserstoff Salzgitter" den Bedarf am Hauptsitz der Salzgitter AG vollständig deckt. 50 Millionen Euro wurden investiert.

Ein verwandtes Projekt "Salcos", bei dem eine mit Wasserstoff und Erdgas betriebene Eisenerz-Direktreduktionsanlage entsteht, war Ende 2020 vorgestellt worden. Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) übergab einen Förderbescheid über fünf Millionen Euro. An den Kosten der Elektrolyse-Anlage beteiligt sich die staatliche Förderbank KfW.

Bis 2050 will sich Salzgitter komplett von konventioneller auf wasserstoffbasierte Stahlerzeugung umgestellt haben. Damit soll der CO2-Ausstoß in der Produktion um bis zu 95 Prozent gesenkt werden. Fuhrmann sagte: "Direktreduktion ist zumindest hier in Europa die ökologisch sinnvollste und effizienteste CO2-Vermeidungs-Route."

Der Konzern ist auch Teil eines Konsortiums, das in den kommenden Jahren eine Wasserstoff-Infrastruktur in Nordwestdeutschland aufbauen will. Eon-Chef Johannes Teyssen erklärte, so könnten Schwierigkeiten bei der Energiewende und Ablösung von Kohle- und Kernkraft abgefedert werden. "Rein elektrisch" funktioniere einiges noch nicht, meinte er - "ohne grüne Gase werden wir nicht auskommen". Wasserstoff gilt als guter Energie-Zwischenspeicher. Jedoch ist seine chemische Gewinnung aus Wasser energieintensiv - diese muss bei einer möglichst günstigen CO2-Bilanz daher mit einem möglichst hohen Ökostrom-Anteil ablaufen.

Die Stahlbranche erhofft sich von der Technologie einen entscheidenden Effekt für die Einhaltung schärferer Klimaschutzregeln über die kommenden Jahrzehnte. Sie will so auch einen Beitrag zum Aufbau einer Wasserstoff-Wirtschaft leisten. Geplant ist, dass das Projekt "Windwasserstoff Salzgitter" den Bedarf am Hauptsitz der Salzgitter AG vollständig deckt. 50 Millionen Euro wurden investiert.

jst/dpa

Im Mai 2020 bot die Windenergie-Baustelle auf dem Geländer der Salzgitter AG noch einen recht unfertigen Anblick. (Copyright: Salzgitter AG)