Einen Plan für eine klimafreundliche Verkehrswende legte der Vizepräsident der EU-Kommission, Frans Timmermans, am Mittwoch vor. Schon in zehn Jahren sollen 30 Millionen Autos ohne Abgase in Europa fahren, der Verkehr in Hochgeschwindigkeitszügen soll sich verdoppeln. "Um unsere Klimaziele zu erreichen, müssen die Emissionen des Transportsektors klar nach unten gehen", betonte Timmermans bei der Vorstellung seiner Strategie.

In dem Plan setzt sich die Kommission konkrete Ziele für die Jahre 2030, 2035 und 2050: So sollen bis 2030 auch mindestens 100 europäische Städte klimaneutral werden. Bis 2035 sollen dann saubere "große Flugzeuge" marktreif sein. Bis 2050 soll sich der Frachtverkehr auf der Schiene verdoppeln, der Hochgeschwindigkeitsverkehr gar verdreifachen. In zehn Jahren soll auch automatisiertes Fahren im großen Stil möglich sein. Und Bürger sollen mühelos mit einem Ticket und gesicherten Passagierrechten bei einer Reise von einem Verkehrsmittel aufs andere umsteigen können, also etwa vom Leihwagen in den Zug.

Allerdings sollen die Emissionen bis 2050 um nur 90 Prozent sinken. Die restlichen 10 Prozent sollen offensichtlich kompensiert oder anderweitig ausgeglichen werden. Konkrete Gesetzgebungspläne kündigt die Kommission aber erst für die Jahre ab 2021 an. Ein bereits vorliegender Aktionsplan listet bereits rund 80 Maßnahmen auf. Dazu gehören striktere CO2- und Schadstoff-Grenzwerte. "Es ist klar, dass wir die Emissionsregeln anziehen müssen", erläuterte Timmermans. "Ich kann die Tatsache nicht verbergen, dass wir streng sein müssen." Vorerst bleibt die "Strategie für eine nachhaltige und smarte Mobilität" aber eher eine Vision.

Bürgern soll der Umstieg und die Änderung ihrer Verkehrsmuster schmackhaft gemacht werden. Und Geldgeber sollen zu Investitionen ermutigt werden. Denn für den Umbau setzt die Kommission allein in den Jahren 2021 bis 2030 zusätzliche Investitionen aus öffentlicher und privater Hand in Höhe von 130 Milliarden Euro pro Jahr an, im Vergleich zu den vorangegangenen zehn Jahren. Darin enthalten sind die Kosten für neue Fahrzeuge, einschließlich großer Gefährte wie Schiffe oder Flugzeuge. Für Infrastruktur könnten noch einmal 100 Milliarden Euro pro Jahr hinzukommen.

Kritik an dem Plan ließ am Mittwoch nicht lange auf sich warten. So monierte Greenpeace, dass das Ziel von 30 Millionen emissionsfreien Fahrzeugen bis 2030 weit hinter dem Möglichen und Nötigen zurückbleibe. Deutschland alleine plane bereits 7 bis 10 Millionen E-Autos bis dahin. Derzeit gibt es nach Angaben des europäischen Autoverbands Acea zudem mehr als 312 Millionen motorbetriebene Fahrzeuge in Europa.

jst/dpa

Flugzeuge mit Wasserstoffantrieb, die bald mehrere hundert Kilometer weit fliegen können, gehören auch zum sauberen Plan der EU-Kommission (Copyright: Istock)