Finanzen
03.04.2019

EU-Bank will globale Standards für Green Bonds setzen

Foto EIB, Teaserfoto: CC
Werner Hoyer ist Präsident der Europäischen Investitionsbank (EIB).

Als globaler Vorreiter für Klimainvestitionen sieht sich die Europäische Investitionsbank in Zukunft. Ihr gesamtes Kreditportfolio soll auf die Finanzierung nachhaltiger Vorhaben umgestellt werden.

Eine weltweite Vorreiterrolle für grüne Finanzierungen strebt die Europäische Investitionsbank (EIB) an: sie will in Zukunft ausschließlich klimafreundliche Projekte unterstützen. „Alle neuen Kreditgeschäfte werden einer Klimarisiko-Prüfung unterworfen und alle Klimarisiken in unserem Portfolio auf den Prüfstand gestellt“, so EIB-Präsident Werner Hoyer auf einer internationalen Konferenz zu nachhaltiger Finanzierung in Brüssel. „Die EIB ist bereits die Klimabank der EU und eine globale Grüne Bank – aber wir müssen noch mehr in dieser Richtung tun“, sagt der FDP-Politiker. Bis 2020 wolle die EU-Bank Kredite nur noch für nachhaltige Vorhaben geben. Eigentümer der EIB sind entsprechend ihrer Wirtschaftsleistung die EU-Staaten.

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Tatsächlich ist die EU-Bank mit Sitz in Luxemburg schon heute weltweit größter Finanzier von Umwelt- und Klimaprojekten. 2018 gab sie insgesamt 25 Milliarden Euro für grüne Projekte aus – rund 30 Prozent des Geschäftsvolumens und damit mehr als die von der EU geforderten 25 Prozent. Die EIB hat sich vor allem auf die Finanzierung der Erzeugung und Verteilung erneuerbarer Energien, auf umweltfreundliche Verkehrssysteme und auf Energieeffizienz in der Industrie spezialisiert. „Bis Ende 2020 haben wir rund 90 Milliarden Euro für Klimaprojekte vorgesehen, was mit den Anteilen privater Investoren gut 220 Milliarden Euro mobilisieren dürfte“, sagt Hoyer.

"Riesige Mengen Kapital umkehren"

Allerdings ist der Markt für nachhaltige Finanzierungen noch immer vergleichsweise klein: Zwar haben Green Bonds inzwischen die Schwelle von 500 Milliarden Dollar überschritten, doch das sind nur 0,5 Prozent des rund 100 Billionen Dollar schweren globalen Anleihenmarkts. Dabei haben sich alle Unterzeichnerstaaten des Pariser Klimaschutzabkommens von Ende 2015 verpflichtet, ihre Kapitalströme in Einklang mit dessen Zielen zu bringen. Doch bislang ist nur wenig passiert.

„Wir müssen die riesigen Mengen Kapital, die nicht in die Finanzierung von Klimaprojekten oder grünen Vorhaben fließen, umkehren“, so Hoyer in Brüssel. Es mache wenig Sinn, mit der einen Hand Großartiges für das Klima zu tun, und mit der anderen Hand Dinge zu finanzieren, die den Erfolg dieser Arbeit untergraben. „Alle unsere Aktivitäten müssen mit den Zielen des Pariser Abkommens und anderer Elemente der Nachhaltigkeits-Agenda im Einklang stehen“, sagt der EIB-Präsident. Bis Ende des Jahrzehnts soll kein Finanzierungsprojekt der EIB mehr klimaschädlich sein.

Einheitliche Kriterien für jeden Wirtschaftszweig

Schon einmal war die EU-Bank Vorreiter für nachhaltige Finanzierungen. 2007 legte sie den ersten Green Bond weltweit auf. Inzwischen hat die EIB grüne Anleihen im Umfang von 24 Milliarden Euro begeben. Kreditinstitute auf der ganzen Welt folgten ihrem Beispiel. Nun will die Bank eine Umwälzung des gesamten globalen Kapitalmarkts anstoßen. Doch es gibt zahlreiche Hindernisse. Der geringe Umfang grüner Bonds gemessen am gesamten Kapitalmarkt spiegelt nicht nur die geringe Priorität des Klimaschutzes im Finanzsystem vieler Länder wider, er ist auch die Folge fehlender Standards und mangelnder Transparenz. Das hat grüne Anleihen wiederholt ins Zwielicht gebracht. Nach Einschätzung der Climate Bonds Initiative (CBI) entsprachen 2018 mehr als ein Viertel der ausgegebenen Anleihen nicht ihren Ansprüchen. Entweder waren sie nicht klimarelevant oder es war nicht klar, wo das Geld hinfließt. Am häufigsten, so Manuel Adamini von der CBI, treffe dies auf Papiere aus China und anderen Entwicklungsländern zu.

Um Investoren mehr Vertrauen in grüne Anleihen zu geben, arbeitet eine Expertengruppe der EU an einer Klassifizierung nachhaltiger Umweltprojekte. An ihr ist die EIB maßgeblich beteiligt. Die Standards sollen künftig für die Ausgabe von Green Bonds in Europa gelten und nach der Erwartung der EU-Banker Vorbild einer weltweiten Regelung werden. „Bis Juni wollen wir die Arbeiten an der Definition von Projekten zur Treibhausgas-Vermeidung abschließen“, sagt der EIB-Vertreter in der Expertengruppe im Gespräch mit bizz energy. Danach gehe es unter anderem um Klimaanpassung und Naturschutz. Letztlich soll es für jeden Wirtschaftszweig einheitliche Kriterien für nachhaltige Investitionen geben.

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Norbert Mühlberger
Keywords:
Finance | Green Bonds | grüne Anleihen
Ressorts:
Finance

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