Energiepolitik
17.10.2012

EU kippt Biokraftstoffziele

Die EU-Kommission will den Anteil von Biokraftstoffen auf Basis von Mais oder Roggen begrenzen. Die Emissionsanforderungen für grüne Treibstoffe werden zudem verschärft. Aus der Branche kommt Kritik.

Die EU vollzieht einen Schwenk in ihrer Biokraftstoffpolitik. Künftig soll es nach ihrem Willen weniger Biokraftstoffe aus Nahrungsmittelpflanzen geben. Laut den EU-Klimazielen sollen erneuerbare Energien im Jahr 2020 einen Anteil von zehn Prozent an der im Verkehr verbrauchten Energie erreichen. Maximal die Hälfte dieses Ziels sollen Biokraftstoffe aus Mais, Zuckerrohr oder Roggen erbringen. Bisher gab es keine Beschränkungen. Auch die Emissionsvorgaben für Biokraftstoffe will die Kommission verschärfen. Ab 2014 gilt für alle neuen Biokraftstoffraffinerien: Der dort hergestellte Sprit muss mindestens 60 Prozent CO2-Emissionen gegenüber fossilem Kraftstoff einsparen. Bisher war diese Vorgabe für 2017 vorgesehen. 

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Die Kommission will nach eigenem Bekunden mit ihren Plänen einen Wechsel zu Biokraftstoffen mit einer besseren Umwelt- und Klimabilanz ermöglichen. Dazu gehört, dass sie künftig Spirtsorten auf Basis von Reststoffen und Abfällen, die nicht in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion stehen, stärker fördern will. 

Erstmals sollen in Zukunft die Effekte von indirekten Landnutzungswechseln in die Klimabilanz von Biokraftstoffen miteinfliessen. Solche Effekte liegen vor, wenn der Anbau von Energiepflanzen die Produktion von Nahrungsmittelpflanzen auf andere Flächen verdrängt. 

Kritik aus der Biokraftstoffbranche

Studien der EU-Kommission hatten gezeigt, dass aufgrund dieser Effekte die Klimabilanz einiger Biokraftstoffsorten sogar schlechter ausfällt als bei fossilen. EU-Energiekommissar Günther Oettinger hatte es lange Zeit vermieden, Konsequenzen aus den Ergebnissen zu ziehen – auch aus Rücksicht auf die europäische Biokraftstoffindustrie.

Die läuft Sturm gegen die Pläne aus Brüssel. „Die Folge dieses Vorschlags wäre, dass die deutsche Biokraftstoffindustrie ihre Produktion deutlich drosseln müsste – das führt zu Arbeitsplatzverlusten und mehr CO2-Ausstoß", sagte Elmar Baumann, Geschäftsführer des Verbandes der Deutschen Biokraftstoffindustrie (VDB). Deutschland ist der größte Biokraftstoffproduzent in der EU. Zwar sei es sinnvoll, dass die EU-Kommission ihre Politik im Hinblick auf die Nachhaltigkeit überprüfe, „wir können aber nicht hinnehmen, dass hier eine sachlich verfehlte, willkürliche Regelung eingeführt werden soll, weil Nichtregierungsorganisationen massiven politischen Druck auf die Kommission ausüben“, so Baumann.

BUND will E10-Verbot

Umweltverbänden gehen die Vorschläge der Kommission dagegen nicht weit genug. Der Bund für Umwelt und Naturschutz kritisierte, die Kommission rücke nur teilweise von ihrer Biokraftstoffstrategie ab. Die Organisation forderte, die Kommission solle sich von festen Vorgaben für Biokraftstoffe verabschieden und sprach sich für einen Stopp des Biokraftstoffgemisches E10 aus.

 

 

Karsten Wiedemann
Keywords:
Biokraftstoffe | EU-Kommission | E10
Ressorts:
Governance

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