Energiemarkt
24.11.2016

EU macht Druck auf Versorger

Foto: EC Audiovisual Service / Eduardo Munoz
Energiekommissar Miguel Arias Cañete versucht, niedrigere Strompreise durchzusetzen.

Energiekommissar Miguel Arias Cañete will Lieferanten zwingen, gesunkene Großhandelspreise an die Verbraucher weiterzugeben. Helfen sollen dabei variable Tarife.

Grundlage soll die novellierte Richtlinie zum Elektrizitätsbinnenmarkt sein, wie bizz energy erfuhr. EU-Energiekommissar Miguel Arias Cañete will sie mit dem Winterpaket aus erneuerten Vorschriften für den Energiebereich vorlegen, das er am 30. November in Brüssel mit Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker präsentiert.

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Bislang gibt es für Privatkunden in den EU-Ländern meist nur feste Stromtarife. Von variablen Tarifen erhofft sich die Kommission „letztlich niedrigere Rechnungen für Verbraucher“. „Europas Privatkunden sollen wie Großkunden von Minute-zu-Minute-Preisen beim Strom profitieren“, verrät ein Kabinettsmitglied von Cañete bizz energy. „Verbraucher verstehen nicht, wie Großhandelspreise für Strom und Gas auf dem niedrigsten Stand seit einer Dekade sein können, Endkundenpreise jedoch seit 2008 um zwei bis drei Prozent pro Jahr steigen“, kritisierte Cañete in einer Rede vor Vertretern von Eurelectric, dem Verband der europäischen Elektrizitätswirtschaft.

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Die Kommission hofft mit ihrer Initiative nicht nur, Druck auf die Endkundenpreise auszuüben, sondern auch die Privatverbraucher zu einem stabilisierenden Element intelligenter Stromnetze zu machen. Durch ihr Verhalten könnten sie dazu beitragen, in Niedrigpreisphasen überschüssigen Strom abzunehmen und in Hochpreisphasen dem Strommangel durch gedrosselten Verbrauch entgegenzuwirken. Deshalb hatte sich Konstantin Staschus, Generalsekretär des Netzbetreiberverbandes Entso-E, im September in einem Interview mit bizz energy für variable Tarife stark gemacht. 

 

Lastmanagement soll Kosten sparen

Ein Berater von Energiekommissar Cañete sagte nun zu bizz energy: „Die partizipative Nachfrage der Endverbraucher ist neben einem besseren System der Preisbildung, einer besseren Integration der europäischen Märkte und einem neuen Rahmen für Marktinterventionen das zentrale Element des neuen Designs der Strommärkte in Europa.“

Deswegen will Cañete Beschränkungen in den Mitgliedsländern bei Preisbildung und Zugang zu Marktpreisen in der neuen Elektrizitätsmarkt-Richtlinie weitgehend verbieten. „Um das neue Marktdesign zu verwirklichen, brauchen wir stärkeren Wettbewerb bei den Endkundenpreisen und eine bessere Teilhabe der Verbraucher“, betont der Berater Cañetes.

Vermag die Nachfrage auf die wechselnde Stromerzeugung zu reagieren, helfe dies, enorme Kosten beim Backup zu sparen – etwa für Speicheranlagen. Die Reaktion der Nachfrage auf die Preisentwicklung kann verschiedene Formen annehmen. So könnten private Kunden bei niedrigen Preisen von sich aus den Verbrauch erhöhen, indem sie Geräte einschalten und Akkus von E-Autos laden. Versorger könnten ihnen sogar Geld für einen höheren Stromverbrauch bieten – beispielsweise über den Markt für Regelleistung.

Damit Endverbraucher von schwankenden Strompreisen profitieren können, verlangt die Kommission, dass die nationalen Stromnetze intelligenter werden. Die Netze der Zukunft sollen Erzeugung, Speicherung und Verbrauch so steuern, dass es zu keiner Über- oder Unterlastung kommt. Auf Seiten des Verbrauchers ist dafür ein Smart Meter notwendig, das günstige oder teure Strompreis anzeigen und verbuchen kann. Dieses kann etwa Signale an die Steuerung elektrischer Geräte senden, um diese an- oder auszuschalten.

Norbert Mühlberger
Keywords:
Miguel Arias Canete | EU | Strompreis | Variable Tarife | Smart Meter
Ressorts:

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