Verkehr
11.07.2013

EU-Parlament will Einsatz von Biokraftstoffen begrenzen

Foto: Verbio
Anlage der Biokraftstoffherstellers Verbio.

Der Umweltausschuss des Europaparlaments hat sich dafür ausgesprochen, den Einsatz von Biokraftstoffen aus ganzen Pflanzen, wie Raps oder Palmöl, zu begrenzen. Die Spritsorten stehen im Verdacht, zusätzliche Emissionen beim Anbau zu verursachen. Aus der Branche kommt Kritik.

Seit Jahren tobt die Debatte um die Folgen der indirekten Landnutzungswechsel (indirect land-use change, ILUC) im Zusammenhang mit dem Einsatz von Biokraftstoffen. Im Kern geht es um die Frage, ob der Anbau von Pflanzen für Biokraftstoffe zusätzlich für schädliche Emissionen sorgt. Etwa dann, wenn neue Ackerflächen erschlossen werden, weil die Nahrungsmittelproduktion dem Anbau von Pflanzen für grünen Sprit weichen muß. Denn wenn eine  zuvor ungenutzte Fläche neu in Betrieb geht, löst sich das im Boden gespeicherte Kohlendioxid (CO2).

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Umweltschutzorganisationen, wie Greenpeace oder WWF, fordern seit langem, diese indirekten Emissionen auf die Treibhausgasbilanz von Biokraftstoffen anzurechnen. Das Internationale Forschungsinstitut für Agrar- und Ernährungspolitik (IFPRI) hat dazu im Auftrag der EU-Kommission ein Rechenmodell entwickelt. Demnach erfüllen viele in Europa produzierte Biospritsorten, vor allem Biodiesel, nicht mehr die CO2-Einsparvorgaben der EU. Das Modell ist allerdings nicht unumstritten.

Die Kommission hat sich jedoch lange vor einer Entscheidung gedrückt. Energiekommissar Günther Oettinger scheute davor, gegen die ohnehin gebeutelte Biokraftstoffe vorzugehen.

Mehr Biokraftstoffe aus Resten

Der Umweltausschuss der EU-Parlamentes spricht sich nun dafür aus, den Anteil von Biokraftstoffen aus Raps oder Mais auf 5,5 Prozent am Energieverbrauch im Verkehr zu begrenzen. Die Emissionen aus indirekten Landnutzungsänderungen sollen zudem Eingang in die Kraftstoffqualitätsrichtlinie sowie die Erneuerbaren-Richtline der EU finden. Letztere schreibt einen Anteil von zehn Prozent erneuerbarer Energien am Verkehr bis 2020 vor.

Ab dem Jahr 2020 wollen die EU-Parlamentarier den Einsatz von Biokraftstoffen, die die Artenvielfalt oder die Nahrungsmittelproduktion gefährden, generell verbieten. Außerdem fordern die Abgeordneten mehr Anreize für grüne Spritsorten aus Abfällen oder Algen. Noch sind die Kraftstoffe technisch nicht ausgereift und sehr teuer. Ob überhaupt ausreichende Mengen an Reststoffen verfügbar sind, ist ebenfalls unklar.

„Die Begrenzung der Nutzung von Kraftstoffen aus Ackerpflanzen auf 5,5 Prozent ist ein Schritt in die richtige Richtung. Grundsätzlich sollte die Verwendung von Nahrungsmittelpflanzen für die Biokraftstoffgewinnung jedoch komplett vermieden werden“, forderte die Grüne Europaabgeordnete Rebecca Harms. 

Lob kommt auch von der Umweltschutzorganisation WWF. „Die EU sorgt jetzt hoffentlich dafür, dass besonders problematische Biokraftstoffe zugunsten innovativer Alternativen ausgebremst werden. Nur so schaffen wir die Klimaziele im Verkehr“, sagt Johannes Erhard, vom WWF-Deutschland. 

Industrie warnt vor Arbeitsplatzverlust

Kritik kommt dagegen aus der Biokraftstoffbranche. Würden die Vorschläge des Parlamentes umgesetzt, könnte Biodiesel aus Deutschland bald der Vergangenheit angehören, heißt es vom Verband der ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland (OVID). Mittelfristig drohe ein Verlust von 220.000 Arbeitsplätzen, die Abschreibung von Investitionen in Milliardenhöhe sowie ein branchenübergreifender Vertrauensverlust in das europäische Investitionsklima, warnt OVID-Präsident Wilhelm F. Thywissen.

Auch der Verband der deutschen Biokrafstoffindustrie lehnt den Vorschlag ab. Er beruhe größtenteils auf fraglichen wissenschaftlichen Erkenntnissen, teilte VDB-Chef Robert Figgener mit. „Es ist unverständlich, dass der ENVI-Ausschuss die wissenschaftlichen Erkenntnisse unberücksichtigt lässt und damit die heimischen, nachhaltig erzeugten Biokraftstoffe begrenzt. Als indirekten Effekt werden die Abgeordneten damit den Absatz fossiler Kraftstoffe ankurbeln und die Eigenversorgung der EU mit heimischen Futtermitteln reduzieren.“

Über den Vorschlag des Umweltausschusses muss im September das Plenum des Straßburger Parlamentes entscheiden. Auch die EU-Kommission muss einer Änderung der Biokraftstoffpolitik zustimmen.

 

 

 

Karsten Wiedemann
Keywords:
Verbio | Biokraftstoffe | EU | WWF | Greenpeace | Iluc | EU-Parlament | EU-Komission | Energiepolitik
Ressorts:
Markets

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