Schon jetzt ist klar: Die anstehende Umwälzung ist vergleichbar nur mit der Erfindung des Verbrennungsmotors. Dies macht ein Blick in das Analysepapier der Kommission deutlich, das bizz energy vorliegt. Auf Basis der jetzigen Politik – einschließlich der neuen CO2-Vorgaben für den Verkehr – würde die EU bis 2050 nur 60 Prozent der Treibhausgase vermeiden. Noch immer würden fast 40 Prozent der Autos auf den Straßen von Verbrennungsmotoren angetrieben, wobei der Dieselanteil höher läge als der Anteil an Benzinern. Nur 35 Prozent der Flotte wäre elektrifiziert, den Rest stellten Hybrid- und Brennstoffzellenfahrzeuge.

Um in Reichweite der Klimaneutralität zu kommen, müssten die Europäer in 30 Jahren jedoch mindestens 80 Prozent der Treibhausgase vermeiden. Die restlichen Prozentpunkte sollen dem Kommissionspapier zufolge mit Ökostrom hergestellte Treibstoffe (E-Benzin) sowie natürliche und künstliche CO2-Senken beitragen.

150 Prozent mehr Strom nötig

Da die Kommission ihre Empfehlungen auf ein Minderungsziel von mindestens 80 Prozent abstellen wird, dürfte die fernere Zukunft des Straßenverkehrs anders aussehen. Danach würden 2050 rund Zweidrittel der Flotte ihre Antriebsenergie aus Elektrobatterien beziehen. 25 Prozent der Fahrzeuge hätten einen Hybridantrieb, gut 5 Prozent eine Brennstoffzelle und der Rest wäre überwiegend mit E-Benzin unterwegs. Sollte auch dies nicht ausreichen, um die EU klimaneutral zu machen, schließen Kommissionsbeamte auch ein Nullemissionsziel im Straßenverkehr nicht aus. Dann allerdings müssten Elektro- und Brennstoffzellenautos in gut 30 Jahren einen Marktanteil von 96 Prozent erreichen. Nur für rund vier Prozent der Flotte, wohl überwiegend Spezialfahrzeuge, wäre dann noch ein Verbrennungsmotor zugelassen. Diese müssten entweder mit E-Benzin oder Biodiesel betankt werden.

Einen Makel allerdings hat diese schöne neue Welt. Bei einem Komplettverzicht auf fossile Energieträger müssten erneuerbare Energien die Lücke schließen – und die stehen hauptsächlich als Elektrizität zur Verfügung. Steigen Industrie und Privathaushalte fast vollständig auf Ökostrom um, müsste die EU nach Berechnungen der Kommission fast 150 Prozent mehr Strom produzieren, ein Ding der Unmöglichkeit. Deshalb müsse, so die Autoren der Studie, der Energieverbrauch überall radikal gesenkt werden. Ein Bruch mit vielen Lebensgewohnheiten und Annehmlichkeiten wäre unausweichlich. Für den Verkehrsbereich etwa bedeutet dies, mehr Wege müssten künftig zu Fuß oder auf dem Rad bewältigt werden. Aber selbst dann würde 2050 immer noch mindestens 35 Prozent mehr Strom gebraucht, um den Bedarf zu decken.

Lesen Sie auch: Gas im Verkehr ist keine Lösung