Green Finance
25.01.2018

EU soll Motor für Green Bonds werden

Foto: iStock
Flaggen vor dem EU-Parlament in Brüssel.

Ein Vorreiter bei der Ausgabe von grünen Anleihen ist Frankreich. Auch die französische Genossenschaftsbank Crédit Agricole setzt weiter auf nachhaltige Finanzierungen. Sie hofft dabei auf einen Schub durch neue EU-Regeln.

Macron macht Druck: Frankreich und Deutschland sollen einen neuen Élysée-Vertrag ausarbeiten und auch bei Klimaschutz und Energiewende stärker kooperieren. Dazu gehört das Thema Finanzierung. Der Sektor Green Finance ist ein Wachstumsmarkt, bei dem sich Deutschland an Frankreich orientieren könnte. „Im internationalen Vergleich haben sich die französischen Investoren bereits früh für grüne Finanzprodukte interessiert. Die französischen Banken haben auf diese Nachfrage reagiert“, sagt Christian Haller, Managing Direktor bei der französischen Bank Crédit Agricole, im Gespräch mit dem Magazin bizz energy. Nun gelte es aber das Thema Regulierung weiter zu entwickeln. Mit einer grundlegenden Green-Finance-Strategie könne die Europäische Union ein wichtiger Motor für den Green-Bond-Markt werden.

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Crédit Agricole hat gemeinsam mit Emittenten wie dem Energieversorger EDF oder dem Industrieunternehmen Air Liquide sehr früh grüne Finanzierungen auf den Markt gebracht. Auch der französische Staat hat das Thema schon vor geraumer Zeit für sich entdeckt. Im Jahr 2017 dominierte die Grande Nation den Markt für Green Bonds zusammen mit China und den USA. Dies lag nicht zuletzt an einer Rekordanleihe im Januar – ausgegeben vom französischen Staat: „Anfang 2017 haben wir Frankreich bei der Platzierung der ersten grünen Staatsanleihe begleitet“, sagt Haller. Der Umfang dieser Anleihe lag bei sieben Milliarden Euro, was international für große Beachtung sorgte. „Auch unter Präsident Macron dürfte Frankreich ein wichtiger Treiber des Green-Bond-Marktes bleiben“.

Gesucht: neue Regulierung

Der deutsche Staat hingegen hält sich bislang zurück. Verwiesen wird immer wieder auf die staatliche Förderbank KfW, die stark im Segment vertreten ist und jüngst einen weiteren Green Bonds emittiert hat. „Green Bonds haben auch in Deutschland in den vergangenen Jahren erheblich an Relevanz gewonnen“, sagt Haller. Beispielhaft sei die Arbeit der Kreditanstalt für Wiederaufbau, aber auch die Rolle des Landes Nordrhein-Westfalen und einiger Immobilienfinanzierer. „Klar ist aber auch, dass das Thema in der Breite bislang noch nicht bei den deutschen Unternehmen und in der Politik angekommen ist“. Bankmanager Haller bleibt aber optimistisch – das wachsende Interesse der Verbraucher werde zu einem Umdenken führen.   

Der relativ junge Markt für Green Bonds hat jedoch ein Problem: valide und transparente Kriterien fehlen bislang. Ein Green Bond beruht auf dem Versprechen, dass die Mittel für einen bestimmten Zweck verwendet werden und dass der Emittent hierüber offen informiert. Aber was ist grün? Und wer bestimmt das? Es gibt inzwischen freiwillige Standards wie die Green Bond Principles (GDP) oder Zertifizierungen gemeinnütziger Organisationen wie die Climate Bonds Initiative (CBI) mit etwas konkreteren Kriterien. Doch dies verhindert bislang nicht, dass angeblich grüne Anleihen von Konzernen herausgegeben werden, deren Geschäft nicht unbedingt nachhaltig ist. So ist beispielsweise die französische Elektrizitätsgesellschaft Électricité de France im Index Solactive Green Bond aufgeführt, obwohl das Unternehmen hauptsächlich auf Atomstrom setzt. „Es ist richtig, dass wir transparente und valide Kriterien für Green Bonds brauchen“, sagt Haller. Die Green Bond Principles seien ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. „Ich halte es aber für unwahrscheinlich, dass wir globale Standards finden werden“.

Erste Vorschläge wurden präsentiert

Die Hoffnung ruht daher auf der Europäischen Union, bei der das Problem inzwischen angekommen ist. Am vergangenen Donnerstag stellte die EU-Parlamentarierin Molly Scott Cato bei einer Veranstaltung in Frankfurt am Main einen ersten Vorschlag für die Umgestaltung der Finanzwirtschaft hin zu mehr Nachhaltigkeit vor. In dem Berichtsentwurf des Europäischen Parlaments zu „Sustainable Finance“ werden unter anderem Regeln für ein grünes Finanzlabel und einheitliche Standards für nachhaltige Anleihen gefordert. Grüne Anleihen von Unternehmen, die in fossile Brennstoffe oder Kernkraft investieren, sollten nicht berücksichtigt werden dürfen.

Verlangt wird darüber hinaus, die Kapitalunterlegung von Unternehmen nach Nachhaltigkeitsrisiken zu bewerten. Das kann bedeuten, dass beispielsweise Windparks bei ihrer Finanzierung weniger Eigenkapital vorweisen müssen, was die Kapitalaufnahme vereinfacht. Denkbar ist aber auch, umweltschädliche Investitionen wie die in Kohle mit höheren Auflagen zu belegen. Der Berichtsentwurf enthält noch nicht die endgültigen Forderungen des Parlaments, wie der Grüne Europaabgeordnete Sven Giegold im Vorfeld klarstellte. Ziel sei es aber, die EU-Kommission zu entsprechenden Gesetzesvorschlägen zu bewegen.

Christian Haller ist Managing Direktor bei der französischen Bank Crédit Agricole. Foto: Promo
„Die Überlegungen des Europäischen Parlaments zu möglichen kapitalrechtlichen Vorteilen grüner Finanzierungen sind ein weiterer Beleg dafür, dass die Europäische Union das Thema ernst nimmt“, sagt Bankmanager Haller. Einiges erhofft er sich zudem vom wachsenden Interesse privater Investoren: „Sie sind es, die mit ihrer Nachfrage den Markt wesentlich treiben. Das ist sicher auch eine Generationenfrage. Für die Jüngeren spielt das Thema Nachhaltigkeit bei der Geldanlage eine zunehmend wichtigere Rolle“.

Die Crédit Agricole will ihre Position bei Green Bonds weiter ausbauen – nicht nur im europäischen Markt. Im Jahr 2017 wurden weltweit Green Bonds im Umfang von rund 130 Milliarden Euro emittiert. „Das ist ein neuer Rekordwert für diesen jungen Markt. Wir erwarten für 2018 ein Wachstum von 30 Prozent auf 165 Milliarden Euro“. Eine große Rolle spielt nach seiner Ansicht in Zukunft der asiatische Markt. Schon jetzt investiert China mehr Geld in erneuerbare Energien und grüne Technologien als andere Länder.

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Carsten Kloth
Keywords:
Green Bonds | Green Finance
Ressorts:
Finance

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