Sektorkopplung
15.06.2020

EU soll Wasserstoff-Fahrplan aufstellen

Foto: Istock
Mecklenburg-Vorpommern hofft, mit Windkraft und Wasserstoff-Elektrolyse von der Energiewende zu profitieren

Anschub für Wasserstoff: Mehrere Länder verlangen von EU-Kommission einen Wasserstoff-Fahrplan 2030, in Deutschland treibt Mecklenburg-Vorpommern den Ausbau voran.

Deutschland und weitere Staaten haben die EU-Kommission aufgefordert, eine Strategie für den Ausbau von Wasserstoff vorzulegen. In einer gemeinsamen Erklärung betonen die Länder, Wasserstoff - vor allem der aus erneuerbaren Quellen - könne zum geringeren Verbrauch von Kohlenstoff etwa in Industrie sowie im Verkehr beitragen.

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Das Papier, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, wurde kurz vor der heutigen Videoschalte der EU-Energieminister an die Brüsseler Behörde geschickt. Unterschrieben ist es von den sogenannten Penta-Staaten: Deutschland, Österreich, den Niederlanden, Luxemburg, Belgien, Frankreich sowie der Schweiz. Unterstützung kommt zudem von Portugal und Bulgarien. Die Länder betonen, die Zusammenarbeit in Sachen Wasserstoff ausbauen zu wollen. Der Schwerpunkt solle dabei auf "erneuerbarem Wasserstoff" liegen.

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Altmaier will ambitionierte Energie- und Klimapolitik

Konkret rufen die Länder die EU-Kommission dazu auf, einen Fahrplan für den Ausbau von Wasserstoff mit Zielen bis 2030 und darüber hinaus vorzulegen. Der Energieträger müsse so produziert werden, dass der Ausstoß von Kohlenstoffdioxid reduziert werde. Dazu solle die EU-Behörde auch einen Plan mit Gesetzesvorschlägen ausarbeiten. Bereits im März hatte die EU-Kommission eine Allianz für Wasserstofftechnik angekündigt, ähnlich der bereits gestarteten Batterie-Allianz.

Bei dem Treffen gibt Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier auch einen Ausblick auf das kommende deutsche Präsidentschaftsprogramm im Energiebereich. Die Bewältigung der Folgen der Corona-Pandemie und die wirtschaftliche Erholung Europas stünden dabei weiterhin im Vordergrund, sagte Altmaier am Montagvormittag. Er setze aber auch auf eine "ambitionierte Energie- und Klimapolitik". Gemeinsame Offshore-Wind-Projekte und Wasserstoff-Technologien böten dafür zudem große industriepolitische Chancen.

Die Bundesregierung hatte vergangene Woche eine nationale Wasserstoff-Strategie verabschiedet, die Milliarden-Zuschüsse, rechtliche Erleichterungen und konkrete Produktionsziele vorsieht. Zu den Vorhaben in Deutschland gehört auch die Schaffung so genannter Reallabore.

Mecklenburg-Vorpommern treibt Wasserstoff-Erzeugung voran

Unter dem Dach der Projektgemeinschaft Norddeutsches Reallabor plant jetzt die in Schwerin ansässige Wemag die Produktion von grünem Wasserstoff in größerem Stil. Dazu soll am Rande der Landeshauptstadt eine Elektrolyse-Anlage errichtet werden. Er glaube fest daran, dass Wasserstoff eine Zukunftstechnologie ist für Strom, Wärme und Mobilität, erklärte Wemag-Technikvorstand Thomas Murche.

Mecklenburg-Vorpommern habe beste Bedingungen für Ökostrom aus Sonne und Wind. Wenn Kommunen und Bürger etwa durch Beteiligung oder mehr Steuereinnahmen direkt Nutzen daraus spürten, schwinde auch der Widerstand gegen den Bau neuer Windparks, zeigte sich Murche überzeugt.

Der in Schwerin erzeugte Wasserstoff soll unter anderem in Bussen des städtischen Nahverkehrs sowie in Fahrzeugen der Müllabfuhr und eines Spediteurs genutzt werden. Da in der Nähe auch überregionale Rohrleitungen verliefen, sei auch die Einspeisung in das Erdgasnetz möglich. In Kraak, wenige Kilometer südlich von Schwerin, bestehe mit der dortigen Salzkaverne zudem eine riesige Speichermöglichkeit, hieß es weiter.

Mecklenburg-Vorpommern hofft auf Fördermittel

Laut Murche plant die Wemag Investitionen im "einstelligen Millionenbereich", kann aber als Teil des Norddeutschen Reallabors auf staatliche Förderung von 40 Prozent hoffen. Die drei Nord-Länder Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern hatten sich an einem Wettbewerb des Bundes beteiligt und waren im vorigen Sommer mit ihrem Gemeinschaftsprojekt ausgewählt worden.

Nach Angaben des CDU-Abgeordneten Wolfgang Waldmüller kann Mecklenburg-Vorpommern rechnerisch auf insgesamt 180 Millionen Euro vom Bund hoffen. Nach seinen Worten gibt es im Nordosten bereits Forschungseinrichtungen und Unternehmen, die sich mit grünem Wasserstoff befassen. Erst am Freitag hatte das Unternehmen Apex Energy (Teterow) in Laage bei Rostock ein Wasserstoff-Kraftwerk vorgestellt. Vom Herbst an soll es grüne Energie für Industrie und Gewerbe, Wohnungsgesellschaften und für den öffentlichen Nahverkehr liefern. Apex Energy ist laut Wemag-Vorstand Murche Partner seines Unternehmens bei Ökostromprojekten.

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jst/dpa
Keywords:
Wasserstoff | Ökostrom | Energiewende
Ressorts:
Governance | Technology
 

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