Energiepolitik
12.12.2013

EU-Staaten lehnen neue Biokraftstoffregelung ab

Foto: Verbio

Der Plan, die Ausbauziele für pflanzliche Kraftstoffe zu reformieren, ist gescheitert. Die Mitgliedsstaaten lehnten einen Vorschlag der litauischen Ratspräsidentschaft ab. Dieser hatte unter anderem eine Begrenzung von Biodiesel und Ethanol aus Raps oder Zuckerrüben vorgesehen.

Die Diskussion um die Biokraftstoffe geht damit in eine weitere Runde. In ihrer Erneuerbaren-Richtlinie aus dem Jahr 2009 hatte die EU festgelegt, dass der Anteil von erneuerbaren Energien im Verkehr im Jahr 2020 einen Anteil von zehn Prozent erreichen soll. Im wesentlichen sollten die bereits verfügbaren Biokraftstoffe der ersten Generation, aus ganzen Pflanzen wie Mais, Soja oder Raps, diese Quote erfüllen.

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Allerdings standen diese Kraftstoffe in der Vergangenheit immer stärker in der Kritik. Die wachsende Produktion von Biodiesel und Ethanol wurde für steigende Nahrungsmittelpreise verantwortlich gemacht. Im Fokus standen auch die indirekten Landnutzungswechsel (ILUC). Diese entstehen, wenn der Anbau von Nahrungsmitteln wegen der Biokraftstoffproduktion auf andere, zuvor ungenutzte Flächen ausweichen muss und durch die Bearbeitung des Bodens, einem Speicher von Kohlenstoffdioxid, zusätzliche Treibhausgas-Emissionen entstehen. Eine von der EU-Kommission beauftragte Studie konnte den Effekt nachweisen. Die Ergebnisse sind allerdings wissenschaftlich nicht unumstritten.

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Dennoch einigten sich EU-Kommissar Günther Oettinger und EU-Klimakommissarin Connie Hedegaard in diesem Jahr darauf, den Anteil, den Biokraftstoffe aus ganzen Pflanzen am EU-Ziel für 2020 beitragen können, zu deckeln. Den Rest sollten neue Spritsorten aus Pflanzenabfällen und die Elektromobilität erbringen. Umstritten war der Plan, Biokraftstoffe auf Basis von Abfällen und Reststoffen doppelt auf die Quote von zehn Prozent erneuerbare Energien im Verkehr im Jahr 2020 anrechnen zu können. 

Wie es nun weitergeht ist offen. Vor der Europawahl im kommenden Jahr wird es wohl keinen weiteren Anlauf zu einer Reform der Biokraftstoffpolitik geben. 

Biokraftstoffbranche erleichtert

Aus der Biokraftstoffbranche, die sich gegen die Deckelung von Biodiesel und Ethanol aus ganzen Pflanzen gewehrt hatte, kommt Zustimmung. Der Kompromiss der litauischen Ratspräsidentschaft habe keine geeigneten Regelungen enthalten, um Regenwaldrodungen zu stoppen, sagte Elmar Baumann, Geschäftsführer des Verbandes der deutschen Biokraftstoffindustrie. „Er hätte aber die europäische Biokraftstoffindustrie und Landwirtschaft schwer beschädigt“, so Baumann.

 

 

Karsten Wiedemann
Keywords:
EU | Biokraftstoffe | Iluc
Ressorts:
Governance

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