Klimaschutz
22.02.2018

EU streitet über Energiesparen im Gebäudesektor

Foto: iStock
EU-Flagge vor dem Europäischen Parlament in Brüssel.

Die Steigerung der Energieeffizienz soll zur wichtigsten Säule der Energiewende werden. In der Europäischen Union wird nun erbittert darum gestritten, wie viel Energie eingespart werden muss. Denn es wird teurer – auch für die Bürger.

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Hinter den Brüsseler Kulissen tobt ein Kampf um den Klimaschutz, der den Streit um geringere Abgaswerte bei Autos weit in den Schatten stellt. Es geht um das zentrale Instrument, mit dem Europa die Pariser Klimaschutzziele erreichen will: die Energieeffizienz, vor allem im Gebäudesektor. Soll die Gemeinschaft bis 2030 wie von der EU-Kommission vorgeschlagen 30 Prozent Energie einsparen – oder gar 35 Prozent wie vom Europäischen Parlament gefordert?

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Hintergrund des Konflikts ist die Verpflichtung der EU in Paris, den CO2-Ausstoß in der EU bis 2030 um 40 Prozent zu reduzieren. Dieses Ziel soll nach einem Beschluss der Staats- und Regierungschefs von 2014 erfüllt werden, indem der Energieverbrauch zu mindestens 27 Prozent aus erneuerbaren Quellen gedeckt und um den gleichen Prozentsatz verringert wird. Nach internen Berechnungen der Kommission, die bizz energy vorliegen, reichen die Ziele bei den Erneuerbaren und der Energieeffizienz jedoch nicht aus, um die Verpflichtungen aus dem Pariser Abkommen zu erfüllen. Klar ist: die Mitgliedsstaaten müssen zulegen, vor allem bei der energetischen Sanierung im Gebäudebereich.

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Denn die EU will ihre Klimaziele im nächsten Jahrzehnt vorrangig mit Hilfe von Energieeffizienz erreichen. Kommission, Ministerrat und Europäisches Parlament liefern sich hierzu einen bizarren Überbietungswettbewerb: Zuerst schlug Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker vor, bis 2030 nicht nur 27 Prozent, sondern 30 Prozent an Energie einzusparen, dann kam der wirtschaftsnahe Industrieausschuss des Parlaments mit einem Einsparziel von 35 Prozent und schließlich votierte das Parlamentsplenum sogar für 40 Prozent weniger Energieverbrauch bis zum Ende der nächsten Dekade.

Knackpunkt Gebäudesanierungen

Wie das interne Kommissionspapier ausweist, wird das Pariser Klimaziel von 40 Prozent weniger CO2-Emissionen bis 2030 auch mit einer Einsparung des Energieverbrauchs um 30 Prozent nur äußerst knapp erreicht. Und es hängt von einem großen Unsicherheitsfaktor ab – der Sanierung des Gebäudebestands. Denn der muss wegen seiner enormen Bedeutung den Löwenanteil zum Effizienzziel liefern.

„Klimaschutz beginnt zu Hause“, rechtfertigt sich der für Energie zuständige Vizepräsident der Kommission Maroš Šefčovič den Vorrang für energieeffiziente Neu- und Altbauten gegenüber bizz energy. Mit fast 40 Prozent des Energieverbrauchs sei der Immobiliensektor der energieintensivste Bereich der Gemeinschaft. 75 Prozent der Gebäude in den EU-Staaten seien nicht energieeffizient und die jährliche Quote energetischer Sanierungen liege im europäischen Schnitt weit unter einem Prozent – je nach Land jährlich zwischen 0,4 und 1,2 Prozent. Die Potenziale sind also enorm.

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Keywords:
Energiepolitik
Ressorts:
Governance

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