Klimaschutz
29.03.2018

EU will auch für Lastwagen CO2-Grenzen einführen

Foto: iStock
Lkw-Kolonnen auf den Autobahnen verursachen nicht nur Staus sondern auch klimaschädliche Emissionen.

Was für Autos gilt, soll bald auch für Lkw gelten: Die EU will Grenzwerte für den CO2-Ausstoß von Lastwagen und Bussen einführen. Diese werden bisher nicht einmal gemessen.

Ministerrat und Europäisches Parlament haben Anfang der Woche einen historischen Durchbruch bei der Einbeziehung des Schwerlastverkehrs in die Klimaschutz-Strategie der EU erzielt, wie bizz energy exklusiv erfuhr. Demnach sollen die Mitgliedstaaten der Gemeinschaft ab 2019 den CO2-Ausstoß neuer Lastwagen und Busse erfassen, auf dessen Grundlage Brüssel dann Grenzwerte für das klimaschädliche Gas festlegen will. Während Autohersteller seit 2012 CO2-Limits für Pkw einhalten müssen, gibt es für Lastwagen und Busse nichts dergleichen. Zwar unterliegen Schwerlastfahrzeuge schon seit 1988 Abgasnormen etwa für Stickoxide, doch ihre CO2-Emissionen werden gegenwärtig nicht gemessen.

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Klima- und Energiekommissar Arias Cañete begrüßte in Brüssel die Einigung von Rat und Parlament als Beleg dafür, dass die EU jetzt endlich auch den CO2-Ausstoß von Lastwagen und Bussen reduzieren will. Im Gespräch mit dem Magazin bizz energy kündigt er an, „schon im Mai Standards für CO2-Emissionen für Schwerlastfahrzeuge vorzuschlagen“. Bisher hatte eine Allianz aus Logistik- und Industrielobby eine Einbeziehung des Schwertransportverkehrs auf der Straße in die Klimaschutzstrategie der EU verhindert. Die Verhandlungsergebnisse von Vertretern des Rats und des Parlaments müssen von den EU-Institutionen zwar noch offiziell angenommen werden, doch dies sei „nur eine Formsache“ wie ein hoher EU-Diplomat versichert.

Lastverkehr verursacht ein Viertel der Emissionen auf der Straße

Hintergrund der EU-Initiative ist die starke Zunahme des Kohlendioxid-Ausstoßes durch den Schwerlastverkehr. Er verursacht inzwischen ein Viertel aller klimaschädlichen Emissionen auf der Straße. Derzeit stoßen Lastwagen und Busse EU-weit fast 20 Prozent mehr CO2 aus als 1990. Nach einer Studie der Kommission werden die Abgase bis 2030 nochmals um 10 Prozentpunkte zunehmen. Grund für den beunruhigenden Anstieg ist der stark wachsende Lkw-Verkehr, der bis 2030 nochmals um bis zu 40 Prozent steigen könnte. Das würde die Klimaziele der Gemeinschaft massiv gefährden. Eigentlich sollen die CO2-Emissionen bis 2030 um 40 Prozent und bis 2050 um 80 Prozent sinken. Der Kohlendioxid-Ausstoß des gesamten Transportsektors soll bis dahin immerhin um 60 Prozent zurückgehen.

Um die CO2-Emissionen von Lkw und Bussen einfacher zu messen, ließ die Kommission eine Simulationssoftware entwickeln. Sie soll die Fahrtests im Labor und auf der Straße weitgehend überflüssig machen. Diese müssen bei Lastwagen unterschiedliche Ladezustände (etwa Voll- und Leerfahrten) sowie verschiedene Streckenprofile (Lang- und Kurzstrecken) berücksichtigen. Dies macht reale Tests sehr aufwändig. Allerdings sollen die Simulationstests stichprobenartig durch Straßentests ergänzt werden, um die computergenerierten Ergebnisse in der Praxis zu überprüfen. Die Simulationssoftware namens Vecto (Vehicle Energy Consumption Calculation Tool) könnte längerfristig auch bei Fahrtests von Pkw eingesetzt werden, verrät ein enger Berater von Cañete.

Messdaten als Grundlage für CO2-Limits

Zunächst aber müssen alle Hersteller ab 2019 mit Hilfe der Vecto-Software den durchschnittlichen Spritverbrauch und den CO2-Ausstoß der in der EU zugelassenen Lastwagen und Busse ermitteln und den nationalen Behörden melden. Falsche Angaben wie in der Vergangenheit will Brüssel mit empfindlichen Geldstrafen ahnden. Die Kommission soll die nationalen Daten sammeln und auswerten und sie über die Europäische Umweltagentur in Kopenhagen der Öffentlichkeit zugänglich machen. Nach Auskunft des Cañete-Beraters betrifft die Einigung zunächst nur Lkw und Busse über 7,5 Tonnen, soll aber im nächsten Jahrzehnt auch auf Kleinlastwagen übertragen werden.

Auf Grundlage der Messdaten will die Kommission schon im nächsten Jahr CO2-Limits vorschlagen. Sie dürften deutlich unter den Werten der neuesten Fahrzeuggenerationen liegen. Um die Einführung von Lkw und Bussen mit geringerem Verbrauch und CO2-Ausstoß zu fördern, sollen die EU-Staaten flankierend etwa emissionsabhängige Mautgebühren für Fahrzeuge über 7,5 Tonnen einführen. Lastwagen, die viel CO2 ausstoßen, müssten dann deutlich mehr für die Nutzung von Fernstraßen und Autobahnen zahlen. Eine weitere Folge könnte sein, dass Brüssel den Mitgliedstaaten Vorgaben macht, den Anteil des Frachtverkehrs auf der Schiene zu erhöhen. Auch die Besteuerung von Lastwagen dürften die EU-Staaten künftig stärker auf den Verbrauch und CO2-Ausstoß abstellen.

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Norbert Mühlberger
Keywords:
Mobilität | Klimawandel
Ressorts:
Governance

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