Mobilität
31.05.2018

EU will Weltspitze beim autonomen Fahren werden

Foto: Michael KR/CC
Der Mercedes-Benz "Future Truck 2025" fährt auf der A14 bei Magdeburg selbständig im Kolonnenverkehr.

Brüssel will die EU zum Vorreiter bei der Digitalisierung des Verkehrs machen und so Unfälle, Staus und Treibhausgase bekämpfen.

Brüssel will Europa weltweit führend bei autonomer Mobilität und vernetztem Verkehr machen – und so Staus, Unfälle und CO2-Emissionen bekämpfen. Wie das Magazin bizz energy erfuhr, könnten schon im nächsten Jahrzehnt erste Fahrzeuge auf Autobahnen und in Städten selbständig unterwegs sein. Als erster Schritt sollen ab 2022 alle neuen Pkw internetfähig sein und miteinander kommunizieren können. Ab 2030 sollen dann möglichst alle Fahrzeuge auf den Straßen der EU autonom verkehren. Ziel der digitalen Verkehrssteuerung ist, Unfälle und Staus zu verhindern und die Energiewende auf der Straße durchzusetzen.

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„Mit der Entwicklung wichtiger Technologien und Schlüsselinfrastrukturen wollen wir der dreifachen Null bei Emissionen, Staus und Unfällen näherkommen“, erklärt der für die Energieunion zuständige Vizepräsident der EU-Kommission, Maroš Šefčovič, im Gespräch mit bizz energy. Neue Gesetzesinitiativen sollen die Entwicklung voranbringen.

Amerikaner führen bei der Entwicklung

Für ein Viertel der CO2-Emissionen in der EU zeichnet der Personen- und Güterverkehr verantwortlich. Während in allen anderen Bereichen der Ausstoß von Treibhausgasen sinkt, wächst er im Transportsektor kontinuierlich mit dem steigenden Verkehrsaufkommen. Ein nicht geringer Anteil geht dabei auf das Konto von Staus. Nach Berechnungen der  Bundesregierung sorgen sie in Deutschland für einen zusätzlichen Kraftstoffverbrauch von täglich 33 Millionen Litern und einen volkswirtschaftlichen Schaden von 250 Millionen Euro. Aufs Jahr gerechnet sind dies fast 100 Milliarden Euro.

Einer Studie der Londoner Denkfabrik Centre for Economics and Business Research zufolge, könnten in Deutschland die direkten und indirekten Kosten von Staus bis 2030 auf 520 Milliarden Euro steigen und der CO2-Ausstoß des Verkehrssektors um 16 Prozent zunehmen, falls nichts passiert.

Obwohl 23 Prozent aller weltweit gebauten Kraftfahrzeuge aus der EU stammen, sind die Amerikaner führend bei der Entwicklung des autonomen Fahrens und der Digitalisierung des Verkehrs. „Damit die EU in dieser Zukunftstechnologie Spitze wird, wollen wir noch in diesem Jahr zahlreiche Initiativen auf den Weg bringen, um eine digitale Verkehrsinfrastruktur zu schaffen“, verrät ein enger Berater von Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker.

Vorgaben für den 5G-Mobilfunkstandard

Die Gesetzesvorschläge sollen etwa die Haftung von Herstellern autonomer Fahrzeuge und den sicheren Austausch von Fahrzeugdaten regeln sowie bis Ende 2018 Vorgaben für EU-weite Kommunikationsstandards für Pkw und Lkw machen. Parallel dazu will Brüssel den EU-Staaten Vorgaben für die Nutzung des neuen 5G-Mobilfunkstandards im Straßenverkehr machen. Dessen flächendeckender Ausbau wird für die Übermittlung der enormen Datenmengen benötigt, die autonom fahrende Fahrzeuge miteinander austauschen. Die Anlaufprobleme fahrerloser Fahrzeuge glaubt Brüssel bis Mitte des nächsten Jahrzehnts überwunden zu haben.

Mitte Mai hatte Brüssel bereits erste gesetzgeberische Schritte im Rahmen des mehrjährigen Aktionsplans für die Digitalisierung des europäischen Straßenverkehrs veröffentlicht. Dies waren zum einen Initiativen für mehr Sicherheit von Fußgängern, Radfahrern und Fahrzeuginsassen, zum anderen technische Vorschriften für Pkw und Lkw. So sollen schon in drei Jahren neu zugelassene Pkw obligatorisch über ein Dutzend elektronischer Sicherheitssysteme wie Notbrems-, Spurhalte- und Geschwindigkeitsassistenten verfügen. Bei Lkw muss der Notbremsassistent zudem mit einer Fußgänger- und Radfahrererkennung kombiniert sein.

Auch der Ausbau von Straßen und Verkehrsmanagementsystemen soll den Zielen Unfall- und Stauvermeidung dienen. Damit die Digitalisierungsstrategie Fahrt aufnimmt, sollen Genehmigungsverfahren für Projekte im Bereich autonome Mobilität und vernetztem Verkehr EU-weit beschleunigt werden.

Null Unfälle und Staus

Mit der Digitalisierung des Straßenverkehrs verfolgt Brüssel eine „Vision Zero“, betont Vizepräsident Šefčovič. Bis 2050 sollen Unfälle und Staus weitgehend der Vergangenheit angehören. Bis 2030 soll die Zahl der Verkehrsunfälle um die Hälfte sinken, was nach Kommissionsberechnungen über 7.000 weniger Verkehrstote und fast 40.000 weniger Schwerverletzte pro Jahr bedeuten würde. Zudem soll die Zahl der Staus im gleichen Umfang zurückgehen, was wiederum positive Auswirkungen auf Energieverbrauch und CO2-Ausstoß haben wird. Das soll der EU dabei helfen, bis 2030 die Treibhausgasemissionen um 40 Prozent und bis 2050 um 80 Prozent zu senken.

Die Einschätzung, Vorreiter beim autonomen Fahren werden zu können, erscheint ambitioniert. Neben den Amerikanern machen auch die Chinesen auf diesem Gebiet große Fortschritte – Europa hinkt hinterher. Letztlich geht es der EU wohl darum, die Mitgliedsstaaten zu einer schnellere Entwicklung dieser Schlüsseltechnologie zu bewegen.

Lesen Sie mehr über die Zukunft der Mobilität in der neuen bizz energy.

Norbert Mühlberger
Keywords:
Digitalisierung | Mobilität
Ressorts:
Governance

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