Für Siim Kallas, dem estnischen Vizepräsident der Europäischen Kommission, ist der Ausbau eines Tankstellennetzes für Elektro-, Erdgas- und Wasserstoffautos nicht nur in ökologischer Hinsicht ein notwendiger Schritt. Es geht auch um handfeste wirtschaftliche Interessen. In Ländern wie China und den USA sollen bis 2020 über sechs Millionen Elektrofahrzeuge unterwegs sein. „Dies ist eine enorme Chance für Europa, sich auf einem rasch wachsenden globalen Markt eine starke Position zu sichern“, sagt Kallas.

Mithilfe eines breit aufgestellten, alternativen Tankstellennetzes möchte Brüssel in Europa den Kaufanreiz für emissiosarme Autos erhöhen. Das Kalkühl dabei: Verbessert sich die Infrastruktur für das Nachtanken, könnte auch die Nachfrage nach Erdgasfahrzeugen, E-Mobilen oder Wasserstoffautos steigen. Aus Nischenprodukten würde Massenware, die die Hersteller zu günstigeren Preisen auf den Markt bringen könnten.

Hildegard Müller, Geschäftsführerin des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), begrüßte die EU-Initiative. Schn heute würden Erdgasfahrzeuge eine technisch ausgereifte und sofort verfügbare Alternative zu herkömmlichen Kraftstoffen darstellen betonte Müller. „Jetzt geht es darum, den Ausbau zu verstetigen und wirtschaftlich tragbar für die Unternehmen zu gestalten." Zu starre, verpflichtende Vorgaben aus Brüssel – etwa zu der Anzahl der Ladepunkte – seien daher nicht zielführend.

 
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