Finanzen
06.12.2018

Europäische Zentralbank hält massenhaft Green Bonds

Foto: European Union 2017 - European Central Bank
Die Europäische Zentralbank in Frankfurt am Main kauft auch grüne Anleihen.

Grüne Anleihen sind seit Jahren ununterbrochen auf Wachstumskurs. Das verdanken sie auch Ankäufen der Europäischen Zentralbank. Diese befürchtet inzwischen Preisblasen.

Auch 2018 wird ein Rekordjahr für Green Bonds. Nachdem 2017 bereits grüne Anleihen mit einem Volumen von 162 Milliarden US-Dollar platziert wurden, prognostiziert die Londoner Lobbyorganisation Climate Bonds Initiative (CBI) für 2018 nun sogar einen Gesamtwert von 210 Milliarden Dollar.

Anzeige

Sean Kidney, Vorsitzender der Climate Bonds Initiative, beteuert stets, dass grüne Anleihen mindestens so sicher seien wie konventionelle – wenn nicht sogar sicherer, da zukunftsorientierter. Als Beleg dafür wertet er die niedrigen Renditen von grünen Anleihen, die sich inzwischen auf dem Niveau von Staats- und Unternehmensanleihen höchster Güte bewegen. Wer Kapital für Investitionen in Umwelt- und Klimaschutz braucht, bekommt dies an den Märkten sehr günstig. Dafür spricht auch, dass die Emissionen grüner Anleihen stets vielfach überzeichnet sind.

Anzeige

Nun kommt heraus, dass dies auch der Europäische  Zentralbank (EZB) zu verdanken ist: In ihrem Bemühen, die Wirtschaft mit billigem Geld am Laufen und die Staatsverschuldung finanzierbar zu halten, hat sie nicht nur konventionelle Staats- und Unternehmensanleihen aufgekauft, sondern auch grüne Anleihen.

Risiken womöglich unterbewertet

Durch ihre Anleihenkaufprogramme hat die EZB – ohne dass dies ihre Absicht war – der jungen Anlageklasse der grünen Anleihen den Ritterschlag erteilt. So ganz wohl ist der Zentralbank dabei offenbar nicht. Der Luxemburger EZB-Direktor Yves Mersch warnte vergangene Woche auf einer Veranstaltung in Frankfurt, dass die Unterbewertung der Risiken grüner Finanzprodukte zu Preisblasen führen könnte. Auch machte er deutlich, dass es der EZB nicht möglich ist, Anleger vor Preisblasen zu schützen, denn „die Erfahrung hat uns gezeigt, dass man eine Vermögenspreisblase erst dann sicher erkennen kann, wenn sie geplatzt ist.“

Die EZB ist bei ihrem Programm zum Ankauf von Wertpapieren des Unternehmenssektors (CSPP – Corporate Sector Purchase Programme) dem Gebot der Marktneutralität verpflichtet. Die Zentralbanker kaufen daher grüne Anleihen im gleichen Verhältnis wie alle anderen EZB-tauglichen Papiere. Da die EZB seit Ankündigung des Anleihekaufprogramms CSPP im März 2016 rund 20 Prozent aller Unternehmensanleihen des Euroraums erworben hat, ist sie somit auch in den Besitz von grünen Unternehmenspapieren im Wert von rund sechs Milliarden Euro gekommen.

Folgen für Kurse und Renditen

Allein mit diesen sechs Milliarden Euro wäre die EZB der größte Halter grüner Anleihen. Doch zu dieser Summe kommen noch weitere zwölf Milliarden Euro Green Bonds oben drauf. Denn die EZB hat nicht nur Unternehmensanleihen gekauft, sondern auch Staatsanleihen und Anleihen von staatsnahen Institutionen wie der Förderbank KfW sowie von europäischen Institutionen wie der Europäischen Entwicklungsbank (EIB). Dem zugrunde liegt das Private Sector Purchase Programme (PSPP).

Diese enormen Käufe sind nicht ohne Folgen für die Kurse und Renditen grüner Anleihen geblieben, wie die EZB inzwischen selbst feststellt. Aus ihrem jüngsten Wirtschaftsbericht geht hervor, dass die Renditeunterschiede zwischen grünen und konventionellen Anleihen nach Beginn des Kaufprogramms CSPP im März 2016 verschwunden sind. Auch kommen seitdem immer mehr grüne Unternehmensanleihen auf den Markt. Dafür gibt es jedoch zwei Ursachen: Einerseits bieten die gesunkenen Renditen grüner Anleihen ideale Bedingungen für Unternehmen, die sich günstig und imagepflegend finanzieren wollen. Andererseits boomt das Angebot grüner Anleihen auch außerhalb der Eurozone, so dass man von einem weltweiten Trend spricht.

Preisstabilität geht EZB vor Klimaschutz

Direktoriumsmitglied Mersch muss einräumen, dass die EZB auch überdurchschnittlich viele Anleihen von CO2-intensiven Industrien in ihren Büchern hat. So refinanzieren sich zum Beispiel die europäischen Kraftwerksbetreiber traditionell sehr stark über Anleihen, von denen nun viele bei der EZB liegen. Es sind die gleichen Versorger, die ihren Weg in eine saubere Zukunft zusätzlich mit grünen Anleihen finanzieren. So hat etwa Innogy, eine Tochter des größten deutschen Kohlekraftwerkbetreibers RWE, erst 2017 einen Green Bonds über 850 Millionen Euro mit dem bescheidenen Zinssatz von 1,25 Prozent auf den Markt bringen können.

Hätte die EZB kohlenstoffintensive Sektoren aus ihrem Unternehmensanleihekaufprogramm verbannt, wäre die Hälfte der Unternehmensanleihen der Eurozone ausgeschlossen worden. Ein Ausschluss dieser Sektoren hätte aber, so Mersch, das vorrangige Ziel der Zentralbank beeinträchtigt und das sei die Gewährleistung der Preisstabilität und nicht des Klimas.

Lesen Sie auch: Brüssel bereitet Öko-Label für Finanzprodukte vor

Thomas Bauer
Keywords:
Finanzen | Green Bonds
Ressorts:
Finance

Neuen Kommentar schreiben

 

bizz energy
Winter 2018/2019

Die aktuelle Ausgabe gibt es ab sofort bei unserem Abonnentenservice unter bizzenergy@pressup.de

Das E-Paper ist erhältlich bei iKiosk oder Readly.

 
 

bizz energy Research

Energie, Digitalisierung und Mobilität.
Unsere Factsheets bieten visualisierte Daten, liefern Fakten und stellen Zusammenhänge zu den Top-Themen der Energiewende dar.


Mehr Informationen