Mobilität
08.08.2018

Mission Hyperloop: Die fliegenden Holländer

Foto: Christian Schaudwet
Hardt-Hyperloop-Ingenieur Youssef Abou Harfouch: Versuchsaufbau für die Magnetschwebetechnik des Hyperloop made in Holland.
Update

Die Apple-Stadt Cupertino will den superschnellen Zug, Dubai und China  wollen ihn. In Europa schmiedet Hardt Hyperloop aus Delft eine Allianz für das Transportmittel. Das findet auch die Deutsche Bahn interessant.

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Sie sind Missionare, und ihr Evangelium heißt Hyperloop: Die Gründer von Hardt Hyperloop wollen Menschen dafür gewinnen, in geschossartigen Kapseln mit Schallgeschwindigkeit durch ein gigantisches Netz von Röhren zu rasen. Das mag nach einer fantastischen Geschichte von Jules Verne klingen. Aber sollte die Vision von Tim Houter, Mars Geuze und ihren Mitstreitern Wirklichkeit werden, stehen Europa drastische Veränderungen bevor.

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Ein Hyperloop-Streckennetz könnte große Teile des Flug-, Auto- und Bahnverkehrs überflüssig machen. Die Entfernung zwischen Amsterdam und Paris etwa wäre in 38 Minuten überwunden. Der technische Kniff, der all das ermöglichen soll: nahezu luftleere Röhren, in denen sich Transportkapseln mithilfe elektrischer Linearmotoren und berührungsfreier Magnetschwebetechnik bewegen. So würde jeglicher Reibungswiderstand ausbleiben, der die 45 Meter langen Fahrzeuge bremsen könnte.

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Idee aus dem 19. Jahrhundert

Die Idee, so zu reisen, ist eigentlich ziemlich alt – die „London and Edinburgh Vacuum Tunnel Company” schlug bereits im Jahr 1825 vor, Schienenfahrzeuge durch luftleer gesaugte Tunnel zu schicken. Aber erst seit Tesla-Gründer Elon Musk das Konzept „Hyperloop“ getauft hat und weltweit propagiert, findet es ernsthaften Zuspruch.

Der Tech-Visionär rief im vergangenen Jahr Entwickler aus aller Welt zum Kräftemessen nach Los Angeles. Das Team Delft Hyperloop der Technischen Universität, aus dem Hardt hervorgegangen ist, besiegte in der „Hyperloop Pod Competition“ 32 andere Hochschulen. Bei Tests in einer 1,6 Kilometer langen Röhre belegten die Delfter Platz 1 der Gesamtwertung. Damals wie auch bei der Neuauflage des Wettbewerbs in diesem Sommer machte ebenso das Team Warr Hyperloop der TU München von sich Reden: Seine Kapsel schaffte im Juli 2018 den Geschwindigkeitsrekord von 466 Stundenkilometern.

Elon Musk und Richard Branson

Aber Elon Musk inspiriert nicht nur die Studenten. Auch milliardenschwere Geldgeber öffnen sich der Hyperloop-Idee. Der britische Investor Richard Branson etwa hat sich an dem US-amerikanischen Unternehmen Hyperloop One beteiligt und rührt seitdem kräftig die Werbetrommel.

Kühnes Versprechen: So soll das Transportsystem von Hardt Hyperloop einmal aussehen. Foto: Hardt Hyperloop

 

Aufsehen und Prominenz allein werden allerdings nicht reichen, um staatliche Institutionen zur Genehmigung von Strecken zu bewegen. Das ist Mars Geuze völlig klar. Mit Backenbart und buschigem Schopf ähnelt der kaufmännische Direktor von Hardt Hyperloop dem schlagkräftigen Helden „Wolverine“ aus der Verfilmung des gleichnamigen Marvel-Comics. Doch statt durch Superkräfte muss der studierte Physiker durch Argumente überzeugen: „Die eine Hälfte unserer Arbeit besteht darin, das Unternehmen zu entwickeln, die andere darin, zu kommunizieren, eine breite Bewegung, ein Netzwerk zu schaffen“, sagt Geuze.

Verbündete sammeln

Er schart Verbündete um sich, in Unternehmen und unter Politikern von der lokalen bis zur EU-Ebene. „Nicht die Technologie ist die größte Herausforderung“, ergänzt Hardt-Marketing-Chef Jelte Altena, „sondern die Öffentlichkeit davon zu überzeugen, dass die Technologie sicher, beständig und wirtschaftlich ist.“

So häufen sich die Termine mit hochrangigen Politikern und Beamten. Im April traf sich der 25-jährige Geuze mit dem Generaldirektor der EU-Kommission für Mobilität und Transport, Henrik Hololei. Kurz zuvor empfing das Start-up den EU-Forschungskommissar Carlos Moedas am Firmensitz in Delft. Im vergangenen Jahr warb Hardt-Chef Houter auf dem UN-Klimagipfel in Bonn für das futuristische Transportmittel mit „null Emissionen“. Zu Hause in den Niederlanden trägt die Lobbyarbeit bereits Früchte: Dass Parlament empfahl der Regierung, eine fünf Kilometer lange Hyperloop-Teststrecke zu finanzieren.

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Keywords:
Hardt Hyperloop | Elon Musk | Niederlande
Ressorts:
Technology | Markets

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