Elektromobilität
09.03.2018

EWE-Tochter Waydo: Keine akute Blackout-Gefahr durch E-Autos

Foto: EWE
Rainer Raddau leitet die EWE-Tochter Waydo.

Der Chef der neuen EWE-Mobilitätsgesellschaft Waydo, Rainer Raddau, warnt vor Panikmache beim Ausbau der Elektromobilität. Er sieht insbesondere bei Flottenbetreibern großes Wachstumspotenzial fürs Ladegeschäft.

Aus Sicht von Rainer Raddau überlastet das gleichzeitige Laden vieler E-Autos an heimischen Wallboxen nicht zwangsläufig das Netz. „Die Diskussion wird sehr polarisierend und einseitig geführt“, kritisiert der Geschäftsführer von Waydo, Tochterfirma des Oldenburger Stromversorgers EWE, im Gespräch mit bizz energy. Denn zum einen kämen neue E-Autos nicht alle auf einmal, sondern nach und nach unters Volk und damit ans Netz. Zum anderen lege der Durchschnittsfahrer hierzulande 35 Kilometer täglich zurück. „Dafür braucht man etwa 8,5 Kilowattstunden, die sich mit bis zu elf Kilowatt über Nacht netzdienlich und gesteuert laden lassen“, sagt Raddau.

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Ohnehin werde ohnehin nur ein Teil aller Fahrzeuge auf den Straßen elektrisiert. „Die Annahme ist falsch, dass jedes Auto mit Verbrennungsmotor in Zukunft durch ein Elektroauto ersetzt wird.“ Zeitraubende Staus, die schwierige Parkplatzsuche und neue Sharing-Modelle beförderten den Trend weg vom eigenen Fahrzeug und erforderten intelligente Mobilitätskonzepte. Außerdem rechnet Raddau damit, dass sich eine Vielfalt an Antriebsformen etablieren wird: nicht nur batterieelektrische Fahrzeuge, sondern auch solche mit Brennstoffzelle oder Erdgas. All dies trage dazu bei, dass die Belastung für die Netze beherrschbar bleibe.

"Das Henne-Ei-Problem erledigt sich bald"

Andere werten die potenzielle Bedrohung höher. Einer Studie der Unternehmensberatung Oliver Wyman zufolge drohen Blackouts bereits bei einer E-Auto-Quote von 30 Prozent. Wettbewerber wie Eon und Innogy kündigen deshalb Milliarden-Investitionen zur Ertüchtigung der Stromnetze an. Als Alternative gilt flexibles, zeitversetztes Laden. Allerdings sind Netzbetreiber momentan nicht berechtigt, auf Ladesäulen zuzugreifen.

Trotz aller Herausforderungen steht die Elektromobilität aus Sicht von Raddau kurz vor ihrem Durchbruch: „Das Henne-Ei-Problem wird sich in Kürze erledigt haben.“ Zum einen sei die Nachfrage nach dem Ladeinfrastruktur-Fördertopf der Bundesregierung sehr hoch, zum anderen gabe es durchaus ein Kaufinteresse an E-Autos, die Hersteller könnten es jedoch nicht befriedigen. „Momentan sind die Wartezeiten lang“, so Raddau. Wenn die Autobauer ab 2019 ihre angekündigten neuen Elektromodelle auslieferten, werde die E-Mobilität auch angenommen.

Reicht der Netzanschluss?

Einen weiteren Schub für die Elektromobilität erwartet Raddau von der EU: Die arbeitet an einer neuen Richtlinie, wonach ab 2025 Ladestationen bei neuen oder umfangreich sanierten Bürogebäuden mit mehr als zehn Parkplätzen vorgeschrieben sein sollen. Auch bei neuen oder kernsanierten Mehrfamilienhäusern könnten Voraussetzungen zum Laden – wie Lehrrohre oder Vorverkabelung – ab zehn Stellplätzen Pflicht werden. Dann hätten viele Mieter überhaupt erst die Möglichkeit, eine Wallbox zum Laden ihres E-Fahrzeugs anzuschließen, sagt Raddau. „Momentan ist dies noch ein Hindernis für die Verbreitung der E-Mobilität zuhause.“

EWE betreibt im Norden der Republik rund 400 öffentliche Ladesäulen, verspricht sich künftiges Wachstum aber insbesondere auch mit mit Ladelösungen für Unternehmens-Fuhrparks sowie für Zuhause. Mehrere hundert Ladepunkte für Flotten managen die Oldenburger bereits, mit steigender Tendenz.

Neue Flottenlösung mit SAP

Waydo entwickelt bereits Quartierslösungen, Sharing-Konzepte, Ladeinfrastruktur für Wohnungswirtschaften und Flottenlösungen. Ziel soll sein, den Kunden insbesondere beim komplexen Konzipieren von elektrischen Fuhrparks zu helfen. Typische Fragen seien: „Reicht mein Netzanschluss aus, und wie viele Wallboxen brauche ich? Woher wissen meine Mitarbeiter, wo sie laden können, und wer übernimmt die Sicherheitswartung?“, sagt Raddau. Um all dies kümmere sich die neue Gesellschaft mit Rundum-Service-Angeboten.

Noch in diesem Jahr will Waydo zudem eine neue Flottenlösung anbieten, die es gemeinsam mit dem IT-Unternehmen SAP entwickelt. Konkret geht es um ein intelligentes Lade- und Lastmanagement für Geschäftskunden.

Lesen Sie auch: Mangel an E-Ladesäulen ist ein Mythos

Jutta Maier
Keywords:
Elektromobilität | EWE | Waydo | Ladeinfrastruktur | Flottenlösungen | Blackout
Ressorts:
Technology | Markets

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