Klimaschutz
08.08.2019

Experte für Emissionshandel fordert CO2-Steuer

Foto: iStock
CO2-Steuer oder Emissionshandel? Um das bessere System streitet momentan die Politik.

Fachleute der Bundesregierung raten von dem System ab, das sie selbst betreiben: Für Autoverkehr und Gebäude sei eine Kohlendioxid-Steuer viel leichter umzusetzen, als der Emissionshandel.

Wenn Christoph Kühleis die Bundesregierung berät, verhält er sich wie ein Bäcker, der seine Kunden vor Brot warnt und Früchte vom Obsthändler nebenan empfiehlt. Beim Umweltbundesamt in Berlin arbeitet er seit Jahren daran, den Kohlendioxid-Ausstoß der bundesdeutschen Wirtschaft zu verringern. Seine Methode funktioniert mittlerweile ganz gut. Und doch sagt er der Politik, sie solle augenblicklich besser die Finger davon lassen.

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„Ich bin ein großer Freund des Emissionshandels“, so Kühleis. Das ist ein Mechanismus, bei dem Kraftwerke und Fabriken für jede Tonne klimaschädlicher Abgase, die sie in die Luft blasen, teure Genehmigungen kaufen müssen. Kühleis´ Bekenntnis ist einerseits nachvollziehbar: Der Mann in Jeans und blaugrauem Hemd mit offenem Kragen ist Chef-Ökonom der Deutschen Emissionshandelsstelle (Dehst), die die Firmen und Energieproduzenten kontrolliert. Andererseits schränkt er schon im nächsten Satz ein: „Für den Bereich Gebäude und Verkehr wäre“ der Emissionshandel „als rein nationale Maßnahme in unserer Situation nicht das richtige Instrument.“

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Regierung muss etwas tun

Diese Aussage hat erhebliche Bedeutung in der augenblicklichen Diskussion. Es geht darum, den Kohlendioxid (CO2)-Ausstoß des Autoverkehrs und der Gebäude zu reduzieren. Beide Bereiche zusammen verursachen knapp ein Drittel der hiesigen Treibhausgase. Diese Emissionen sinken kaum, was die Einhaltung der deutschen Ziele für den Klimaschutz gefährdet. Die Regierung muss etwas tun.

Als eine Möglichkeit kommt da der Emissionshandel in Betracht. Denn bisher sind Verkehr und Gebäude nicht in das entsprechende europäische System einbezogen – im Gegensatz zu Fabriken und Kraftwerken. Die andere Variante wäre eine CO2-Steuer. Christoph Kühleis spricht sich eindeutig für diese aus. Und nicht nur er. Offiziell schrieb unlängst das Umweltbundesamt: „Für die Bereiche Verkehr und Gebäude ist der Emissionshandel keine sinnvolle Variante einer CO2-Bepreisung. Die notwendigen Fortschritte im Klimaschutz lassen sich besser mit Hilfe der CO2-Komponente in der Energiesteuer erreichen.“

Proteste werden befürchtet

Warum ist Kühleis skeptisch? Das hat damit zu tun, wie der Emissionshandel funktioniert. Würden Autos und Immobilien einbezogen, müssten beispielsweise die Mineralölkonzerne Verschmutzungszertifikate kaufen – entsprechend der Menge Heizöl, Gas, Diesel und Benzin, die sie in Deutschland veräußern. Im Auftrag von Kühleis´ Emissionshandelsstelle würde die Strombörse in Leipzig Auktionen durchführen, bei denen die Firmen die Zertifikate ersteigern. Weil die Belastung des Klimas abnehmen soll, sänke auch die zu versteigernde Menge Jahr für Jahr. 

Was aber bedeutet das für die Verbraucherinnen und Verbraucher? Die Öl-, Gas- und Benzinhändler schlagen die Kosten für die Zertifikate auf den normalen Preis drauf. Jeder Liter und Kubikmeter wird teurer. Das ist auch der Sinn des Systems: Je teurer, desto weniger wird verbraucht – Klimaschutz mittels des Marktes. Wobei nicht klar erscheint, um wieviel die Preise steigen. Und genau das, meint Kühleis, sei ein Problem. Je nach Entwicklung an der Börse müssten die Autofahrer, Wohnungseigentümer, Mieter und Firmen auch mal mit größeren Preisausschlägen rechnen. Das sei nicht planbar und könne zu Protesten führen.

Anfang 2020 könnte es losgehen

Ein weiteres Gegenargument: „Einen nationalen Emissionshandel für Verkehr und Gebäude einzurichten, wäre ein für Deutschland vollkommen neuer Ansatz“, sagt Kühleis. Bisher gibt es das Verfahren nur auf europäischer Ebene. „Die Vorbereitung würde mehr als zwei Jahre in Anspruch nehmen, ein Start des Systems vor 2022 wäre also nicht zu erwarten.“

Diese Schwierigkeiten sieht der Experte bei der Steuer-Lösung dagegen nicht. Die Energiesteuer wird bereits erhoben. Ein Aufschlag von anfangs beispielsweise zehn Cent pro Liter, der mit den Jahren ansteigt, ist leicht ins System einzubauen. „Das Preissignal und der soziale Ausgleich sind gut planbar. Die Unternehmen und Bürger wissen relativ genau, was auf sie zukommt“, sagt Kühleis. Außerdem ist „die CO2-Steuer sehr schnell umsetzbar. Anfang 2020 könnte es losgehen.“

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Hannes Koch
Keywords:
CO2-Preis | Emissionshandel | CO2-Steuer | Klimaschutz
Ressorts:
Governance

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