Finanzen
23.01.2020

Experte für grüne Geldanlagen warnt vor Blase

Foto: iStock
Investitionen in Windkraft gelten als nachhaltig. Dennoch stockt der Ausbau.

Harte Kritik an der Finanzbranche: Grüne Kapitalanlagen führen nicht automatisch zu mehr Nachhaltigkeit, meint Wirtschaftsberater Frank Wettlauffer. Er stellt klare Forderungen an Politik und Anbieter von Nachhaltigkeitsfonds.

Grüne Investments statt Investitionen in fossile Brennstoffe – dies ist nicht nur auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos derzeit ein Top-Thema. So will das Bundesfinanzministerium Deutschland zum führenden Standort für nachhaltige Finanzen machen. Und auch die Klimaforscher des Potsdam-Instituts für Klimaforschung forderten jüngst unter anderem Änderungen im Finanzsystem, um ein Umdenken im Energiebereich zu erreichen. Doch sind Investoren die richtigen Adressaten, um den Klimawandel zu stoppen?

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Frank Wettlauffer, Geschäftsführer einer Wirtschaftsberatung und Experte im Bereich nachhaltiger Geldanlagen, bezweifelt dies: Zwar könnten nachhaltige Fonds alle Wertpapiere von Kohleunternehmern verkaufen und die Gelder in Wertpapiere von Herstellern erneuerbarer Energie investieren. „Da es für jeden Verkäufer einen Käufer geben muss, bleibt das Finanzkapital konstant“, sagt Wettlauffer. Ein Eigentümerwechsel beeinflusse nicht die finanzielle Situation und das Management eines Unternehmens.

"Nur politische Vorgaben führen zu mehr Nachhaltigkeit"

Mehr grüne Kapitalanlagen führten nicht zu mehr Nachhaltigkeit, ist sich Wettlauffer sicher. In der Branche ist er kein Unbekannter. Er ist Gründungsmitglied des Branchenverbands Forum Nachhaltige Geldanlagen und seit Jahren in dem Bereich aktiv. Die derzeitigen Pläne der EU kritisiert er allerdings scharf: „Politiker nutzen die Förderung nachhaltiger Kapitalanlagen als Feigenblatt, um harte Regulierung der Realwirtschaft zu vermeiden.“ Es sei ein Irrtum, dass mehr „grüne“ Kapitalanlagen automatisch zu mehr Nachhaltigkeit führten. „Nur durch politische Vorgaben ausgelöste Verhaltensänderungen führen zu mehr Nachhaltigkeit“, ist Wettlauffer überzeugt.

Zudem warnt der Wirtschaftsberater vor einer „grünen Blase“. Denn Investoren könnten Geld in unwirtschaftliche Projekte stecken, wenn die Politik die entsprechenden Vorgaben mache. Nach Angaben des Experten solle die Finanzbranche darauf verzichten, mit der positiven Wirkung nachhaltiger Geldanlagen zu werben. Nur so könnte sie Reputationsrisiken vermeiden und verhindern, dass Verbraucher getäuscht werden. Zudem könne die jetzige Art der Werbung dazu führen, dass Anleger weniger nachhaltig handelten. Denn wenn die Kompensation von Treibhausgasen durch die Investition in Finanzprodukte erreicht werde, verzichteten sie unter Umständen auf eine effektivere Kompensation oder darauf, umweltschädliche Handlungen zu unterlassen.

Wettlauffers Fazit: „Die Politik soll auf die Scheinlösung verzichten und die Rahmenbedingungen so ändern, dass sich nachhaltiges Wirtschaften lohnt.“ Konventionelle in nachhaltige Kapitalanlagen umzubenennen bewirke nicht, dass die Industrie CO2-einsparende Projekte lanciert.

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Jochen Bettzieche
Keywords:
Green Finance | Nachhaltige Geldanlagen
Ressorts:
Finance
 

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