Zukunftsstudie
21.03.2016

Experten: Afrikas Energie-Zukunft auf Messers Schneide

foto: flickr/UK Department for International Development
Eine Frau in Tansania hat erstmal Solarstrom in ihrem Haus.

In 25 Jahren versorgt sich der afrikanische Kontinent dezentral mit Strom. Das glauben zumindest rund 40 Prozent der Befragten des soeben erschienen Zukunftsreports Delphi Energy Future 2040. Ein Drittel prognostiziert dem Land hingegen eine fossile Zukunft.

 

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Energieexperten sind uneins über die Entwicklungen der erneuerbaren Energien in Afrika. Das ist eines der Ergebnisse des soeben erschienenen Zukunftsreports Delphi Energy Future. Demnach glauben knapp 40 Prozent der befragten 350 Experten aus mehr als 40 Ländern, dass die Erneuerbaren in Afrika den Durchbruch erleben. Ihre Vision: In 25 Jahren werden sich die Länder Afrikas mit dem Aufbau dezentraler erneuerbarer Energien von den internationalen Rohstoffmärkten unabhängig gemacht– und selbst neue Energiesysteme entwickelt haben. Fast genauso viele befürchten hingegen: Fehlende Investoren und Qualifikationen haben bis dahin die Fortschritte in Afrika verhindert. Der Energiemix wird durch fossile Energieträger dominiert. Das glaubt ein Drittel der Befragten aus Politik, Wissenschaft, Umweltorganisationen und Wirtschaft.

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600 Millionen Menschen haben nach Angaben des Africa Progress Panel' des ehemaligen UN-Generalsekretärs Kofi Annan allein der Region Subsahara keinen Zugang zu Strom. Die Internationale Energieagentur IRENA rechnet jedoch mit einem Kurswechsel: Mit einem entsprechenden Ausbau könne der Anteil der Erneuerbaren im Stromsektor bis 2030 auf 50 Prozent wachsen und mehr als 310 Megatonnen CO2-Emissionen vermeiden, prognostiziert eine IRENA-Studie. Die Entwicklung solcher Projekte ist aktuell kostengünstiger denn je, die Preise für Solar- und Windstrom sind in Afrika auf ein Rekordtief gesunken.

Bundesumweltministern Barbara Hendricks hat die Entwicklung in Afrika in Richtung erneuerbare Energien nach oben auf ihrer persönlichen Agenda gesetzt. Die SPD-Politikerin will deutsche Investoren ermutigen, Erneuerbaren-Anlagen auf dem Kontinent zu bauen. Im Rahmen der Pariser Klimakonferenz verkündete Hendricks deshalb gemeinsam mit der Frankfurter Förderbank KfW ein Instrument zur Kursabsicherung in Afrika. Mit einer Anschubfinanzierung von 30 Millionen Euro erhofft sich Berlin eine Hebelwirkung von 40 Prozent.

Neben Afrika rückten in den insgesamt 56 Thesen im Delphi Energy Future Report auch die Schwellenländer China und Indien in den Fokus. Hier fällt das Votum eindeutiger aus: Zwei Drittel der Befragten halten es für „sehr wahrscheinlich“, dass 2040 in Schwellenländern wie China und Indien die wachsende Mittelschicht den Umstieg auf eine nachhaltige Energiepolitik erzwungen hat. 17 Prozent sind sich sogar „ganz sicher“. Demnach habe in 25 Jahren die Bekämpfung der Umweltverschmutzung oberste politische Priorität, der wachsende Energiebedarf werde verstärkt durch erneuerbare Energien gedeckt. Mit Blick auf die neusten politischen Entwicklungen im Reich der Mitte scheinen diese Einschätzungen realistisch. Dort hat die chinesischen Regierung soeben Kürzungen im Kohle- und Stahlsektor beschlossen.

Viele der Befragten sehen China im Jahr 2040 als den weltgrößten Entwickler von Erneuerbaren Technologien. Das zwingt Deutschland schon heute zum Handeln. Nur dann kann die Bundesrepublik ihre Vorreiterrolle bei der Energiewende beibehalten.

Der Zukunftsreport ist ein Gemeinschaftsprojekt der GIZ, dem Branchenverband BDEW und dem Beratungshaus PwC. Aus Deutschland nahmen unter anderem der ehemalige Bundesumweltminister Klaus Töpfer, Marc Oliver Bettzüge vom EWI Köln sowie Hildegard Müller, damals noch in ihrer Funktion als BDEW-Vorsitzende, teil. Den vollständigen Report finden Sie hier.

Jana Kugoth
Keywords:
Delphi Energy Future 2040 | BDEW | GIZ | PWC | Afrika | Bundesumweltministerin
Ressorts:
Finance | Markets

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