Energiedeal
22.02.2019

Experten: Neue Eon gefährdet den Wettbewerb

Foto: RWE
Dealmaker: die Vorstandschefs Johannes Teyssen (Eon, l.) und Rolf Martin Schmitz (RWE).

Auch wenn die EU-Kommission den RWE-Teil des großen Energiedeals billigen wird, so erwarten Fachleute doch Bedenken der Wettbewerbshüter bei der Übernahme von Innogy durch Eon.

Das geplante Tauschgeschäft zwischen den Energiekonzernen RWE und Eon kommt in die heiße Phase. In der nächsten Woche stehen erste Entscheidungen der EU-Kommission an, ob der Deal von Brüssel vertieft geprüft wird. Zugleich nimmt die Kritik an der marktbeherrschenden Stellung der neuen Eon bei der Strom- und Gasversorgung zu. Der Essener Konzern will die Kerngeschäfte Netz und Vertrieb der RWE-Tochter Innogy übernehmen, während bei RWE die Stromerzeugung gebündelt werden soll. Medienberichten zufolge wird die EU-Wettbewerbskommission ihre Zustimmung zumindest dazu erteilen, dass RWE das Erneuerbare-Energien-Geschäft von Eon und Innogy übernehmen darf.

Anzeige

Anzeige

Auf einer Tagung des Instituts für Energie- und Wettbewerbsrecht in der kommunalen Wirtschaft (EWeRK) in Berlin äußerten Experten nun ihre Erwartung, dass die EU-Kommission aber Bedenken gegen den anderen Teil der Fusion haben werde. Die Marktdominanz der neuen Eon illustrierte Ben Schlemmermeier von der Energieberatungsgesellschaft LDB dabei anhand einer Stromtarifanalyse. LDB hatte dazu beim Vergleichsportal Verivox in mehreren Regionen jeweils ein Angebot für Haushaltskunden mit einem Jahresverbrauch von 2500 Kilowattstunden abgerufen.

30 Prozent in Grundversorgung

Schlemmermeier wies in dem Zusammenhang darauf hin, dass nur vier Stromanbieter bundesweit geltende Tarife anbieten: Greenpeace Energy, Lichtblick, EWS Schönau sowie Naturstrom. Alle anderen Versorger würden in den so genannten Grundversorgungsgebieten sehr selektive Tarife mit „starker Spreizung“ offerieren – je nach Marktsituation vor Ort.

Dem Experten zufolge nutzen derzeit noch knapp 30 Prozent der Stromkunden von Haushalten und kleinem Gewerbe den jeweiligen Grundversorgungstarif. Rund 40 Prozent nutzen einen Sondertarif des Grundversorgers und die weiteren 30 Prozent den Tarif eines anderen Anbieters.

Strommarkt ist ein lokaler

Der Strommarkt für Haushalte und kleines Gewerbe sei damit tatsächlich ein lokaler, stellte Schlemmermeier fest. Wo Eon schon jetzt der Grundversorger sei, würde die fusionierte AG dann mit weiteren Töchterunternehmen wie „E wie Einfach“, Eprimo und Ex-Innogy-Unternehmen im jeweiligen Gebiet Marktanteile jenseits der 70 Prozent erzielen.

Daran können, sagte Schlemmermeier, auch einschlägige Vergleichsportale nicht viel ändern. Von den 6,2 Millionen Kunden, die in Deutschland jährlich den Stromanbieter wechselten, erledigten das 2,5 Millionen über Vergleichsportale. Um daraus als Unternehmen Vorteile zu ziehen, müsse man aber im Ranking unter den Top Fünf sein, sagte der Energieberater. Diese relevanten Plätze würde sich gerade die neue Eon AG dank ihrer Finanzkraft und der Vielzahl der übernommenen Marken sichern können.

Dominanz bei Zukunftstechnologien

Parallel dazu könne mit der Fusion auch RWE auf der Erzeugerseite seine Position ausbauen, erklärte der LDB-Experte weiter: „RWE wird von einen marktmächtigen zu einem marktbeherrschenden Unternehmen“. Daran werde auch der Kohleausstieg nichts ändern. RWE verliere zwar Kraftwerke, aber weil auch die gesamte Stromerzeugung in Deutschland dann schrumpfe, bleibe der Marktanteil von RWE in etwa gleich.

Auch bei Technologien, die den Strommarkt der Zukunft bestimmen, werde die neue Eon eine beherrschende Stellung innehaben, ergänzte LDB-Prokurist Ralf Nellen. So werde Eon beispielsweise über 50 Prozent der Verteilnetze sowohl im Strom- als auch im Gasmarkt bestimmen. Beim Smart Metering werde Eon über mehr als 40 Prozent der intelligenten Messstellen bei den Kunden verfügen. Selbst bei der E-Mobilität werde Eon zum mit Abstand größten Anbieter werden und bundesweiter mehr als 20 Prozent der Ladesäulen innehaben.

Strukturelle Probleme des Energiemarktes

„Wenn sich die zwei Größten der Branche zusammentun, ist eine beherrschende Marktmacht keine Überraschung“, kritisierte Lichtblick-Geschäftsführer Gero Lücking auf der Tagung die Pläne von RWE und Eon. „Künftig gibt es einen integrierten Konzern, der zwei Namen trägt“. Dies lege schon lange bestehende strukturelle Probleme des deutschen Energiemarkts offen: Weil die Netze nicht konsequent von Erzeugung und Vertrieb getrennt sind, würden die Erfolge im Netz genutzt, um andere Geschäftsfelder quer zu subventionieren.

Lücking stellt auch die Rolle der Grundversorger infrage: Mit 30 Prozent der Kunden ließen sich Erlöse erzielen, die weit oberhalb dessen liegen, was sonst möglich ist. Zudem würden den Grundversorgern immer wieder Kunden insolventer Wettbewerber automatisch zufallen. Auch dieses Privileg müsse seiner Ansicht nach geändert werden.

Lesen Sie auch: Kohlebranche scheitert bei Schadstoffen an EU

Jörg Staude
Keywords:
Eon | RWE | Energiekonzerne
Ressorts:
Markets

Neuen Kommentar schreiben

 

Newsletter bestellen – Wunschausgabe erhalten

Jetzt den wöchentlichen
Newsletter bizz energy weekly abonnieren
und eine Ausgabe
Ihrer Wahl kostenlos erhalten.

Hier geht es zur Aktion!

 
 

bizz energy Research

Energie, Digitalisierung und Mobilität.
Unsere Factsheets bieten visualisierte Daten, liefern Fakten und stellen Zusammenhänge zu den Top-Themen der Energiewende dar.


Mehr Informationen