Energieriesen
09.03.2016

Für Eon und RWE wird es immer enger

foto: wikipdeia
Mit Kraftwerken lässt sich kein Geld mehr verdienen.

Die Kraftwerke der Energieriesen werfen kaum noch Geld ab - wird die Abspaltung von Uniper für Eon zum Desaster?

 

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Schlechte Nachrichten ist man von Eon und RWE inzwischen gewohnt. Wenn es nach der Einschätzung der Investoren geht, hat sich die Misere nun noch einmal ein wenig verschärft. Fast zehn Prozent Börsenwert haben die beiden Energieriesen in der vergangenen Woche eingebüßt. Die Geschäftsberichte für 2015, die diese Woche vorgelegt wurden, zeigen in einer Detailaufnahme, wo das Problem liegt. Nicht etwa bei den Bilanzverlusten. Dabei handelt es sich um Wertberichtigungen, die keinen Einfluss auf die Kassenlage habe. Aber beiden Konzernen brechen in atemberaubender Geschwindigkeit die Cash-Einnahmen aus dem konventionellen Kraftwerksgeschäft weg. Bei Eon sank das operative Ergebnis in dieser Sparte um rund ein Drittel im Vergleich zum Vorjahr. Bei Eon fehlten nun rund 750 Millionen Euro, bei RWE 330 Millionen Euro am Jahresende im Vergleich zum Vorjahr.
 
Das war erst der Anfang
 
Es wird noch schlimmer kommen. Der Börsenpreis für Strom fällt in Zentraleuropa immer weiter. An der Strombörse EEX wird Elektrizität zur Lieferung im Jahr 2017 derzeit für gut 2,2 Cent pro Kilowattstunde verkauft. Das trifft die Energieriesen mit Verzögerung. Im Geschäftsbericht gibt RWE an, welcher Preis für Strom aus Braunkohle- und Kernkraftwerken, der besonders weit im Voraus verkauft wird, 2015 noch bezahlt wurde: Satte 4,1 Cent. Mit jedem Terminkontrakt, der ausläuft, geraten die Anlagen also zusätzlich in Schwierigkeiten. Mit einem Börsenpreis von 2 Cent "kann die Braunkohle wirtschaftlich nicht überleben“, sagt Konzernchef Peter Terium. Steinkohle- und Gaskraftwerke sind ohnehin am Markt quasi nicht mehr profitabel.
 
Mit den sich immer weiter verschlechternden Aussichten wächst der Druck auf die Konzernspitzen. "Uniper strebt ein Investment-Grade-Rating" an, heißt es im Eon-Geschäftsbericht vorsichtig über die Kraftwerkstochter, die im Sommer dieses Jahres abgespalten werden soll. Ein Start als Ramschpapier wäre unternehmerisch und auch für das Ansehen des Gesamtkonzerns ein Desaster. Braucht Uniper womöglich doch zusätzlich Cash aus dem Mutterkonzern, um überhaupt erfolgreich starten zu können? "Wir müssen die Ausrichtung und die erreichbaren Ambitionen von Uniper und Eon überprüfen", sagt Konzernchef Johannes Teyssen bereits vieldeutig.
 
 
RWE hat die Dividende gestrichen
 
RWE ist so schwer in der Krise, dass es die Dividende gestrichen hat. Mit einem erwarteten Netto-Ergebnis von 500 bis 700 Millionen Euro für das Jahr 2016 zeigt sich, wie knapp der Konzern nur noch über der Nulllinie liegt. Bleibt der Strompreis weiter so niedrig, wird es richtig eng. Nun wird das Tafelsilber verkauft. Das gut laufende Geschäft mit erneuerbaren Energien und die sicheren Stromnetze sollen zum 1. April unter dem Namen „RWE International SE“ ausgegliedert werden, für das Jahresende ist der Start an der Börse geplant. Notfalls will RWE die Hälfte des Geschäfts verkaufen.
 
Die beiden Energieriesen versuchen, den Blick auf Positives zu lenken. RWE widmet dem Bereich "Innovation" an prominenter Stelle im Geschäftsbericht ein eigenes Kapital. Auch Eon streicht Investitionen in neue Geschäftsfelder deutlich heraus. Indes verursachen diese Geschäftsfelder erst einmal Verluste. Bleibt die Lage bei den Kraftwerken so düster wie derzeit, haben sie andere Sorgen: Sie kämpfen um die Existenz ihres Kerngeschäfts.
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Schlechte Nachrichten ist man von Eon und RWE inzwischen gewohnt. Wenn es nach der Einschätzung der Investoren geht, hat sich die Misere nun noch einmal ein wenig verschärft. Fast zehn Prozent Börsenwert haben die beiden Energieriesen in der vergangenen Woche eingebüßt. Die Geschäftsberichte für 2015, die diese Woche vorgelegt wurden, zeigen in einer Detailaufnahme, wo das Problem liegt. Nicht etwa bei den Bilanzverlusten. Dabei handelt es sich um Wertberichtigungen, die keinen Einfluss auf die Kassenlage habe. Aber beiden Konzernen brechen in atemberaubender Geschwindigkeit die Cash-Einnahmen aus dem konventionellen Kraftwerksgeschäft weg. Bei Eon sank das operative Ergebnis in dieser Sparte um rund ein Drittel im Vergleich zum Vorjahr. Bei Eon fehlten nun rund 750 Millionen Euro, bei RWE 330 Millionen Euro am Jahresende im Vergleich zum Vorjahr.
 
Das war erst der Anfang
 
Es wird noch schlimmer kommen. Der Börsenpreis für Strom fällt in Zentraleuropa immer weiter. An der Strombörse EEX wird Elektrizität zur Lieferung im Jahr 2017 derzeit für gut 2,2 Cent pro Kilowattstunde verkauft. Das trifft die Energieriesen mit Verzögerung. Im Geschäftsbericht gibt RWE an, welcher Preis für Strom aus Braunkohle- und Kernkraftwerken, der besonders weit im Voraus verkauft wird, 2015 noch bezahlt wurde: Satte 4,1 Cent. Mit jedem Terminkontrakt, der ausläuft, geraten die Anlagen also zusätzlich in Schwierigkeiten. Mit einem Börsenpreis von 2 Cent "kann die Braunkohle wirtschaftlich nicht überleben“, sagt Konzernchef Peter Terium. Steinkohle- und Gaskraftwerke sind ohnehin am Markt quasi nicht mehr profitabel.
 
Mit den sich immer weiter verschlechternden Aussichten wächst der Druck auf die Konzernspitzen. "Uniper strebt ein Investment-Grade-Rating" an, heißt es im Eon-Geschäftsbericht vorsichtig über die Kraftwerkstochter, die im Sommer dieses Jahres abgespalten werden soll. Ein Start als Ramschpapier wäre unternehmerisch und auch für das Ansehen des Gesamtkonzerns ein Desaster. Braucht Uniper womöglich doch zusätzlich Cash aus dem Mutterkonzern, um überhaupt erfolgreich starten zu können? "Wir müssen die Ausrichtung und die erreichbaren Ambitionen von Uniper und Eon überprüfen", sagt Konzernchef Johannes Teyssen bereits vieldeutig.
 
 
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RWE ist so schwer in der Krise, dass es die Dividende gestrichen hat. Mit einem erwarteten Netto-Ergebnis von 500 bis 700 Millionen Euro für das Jahr 2016 zeigt sich, wie knapp der Konzern nur noch über der Nulllinie liegt. Bleibt der Strompreis weiter so niedrig, wird es richtig eng. Nun wird das Tafelsilber verkauft. Das gut laufende Geschäft mit erneuerbaren Energien und die sicheren Stromnetze sollen zum 1. April unter dem Namen „RWE International SE“ ausgegliedert werden, für das Jahresende ist der Start an der Börse geplant. Notfalls will RWE die Hälfte des Geschäfts verkaufen.
 
Die beiden Energieriesen versuchen, den Blick auf Positives zu lenken. RWE widmet dem Bereich "Innovation" an prominenter Stelle im Geschäftsbericht ein eigenes Kapital. Auch Eon streicht Investitionen in neue Geschäftsfelder deutlich heraus. Indes verursachen diese Geschäftsfelder erst einmal Verluste. Bleibt die Lage bei den Kraftwerken so düster wie derzeit, haben sie andere Sorgen: Sie kämpfen um die Existenz ihres Kerngeschäfts.
 
Jakob Schlandt
Keywords:
Eon | RWE | Kraftwerksgeschäft | Bilanz | Dividende | Uniper | Börsenpreis | Strom
Ressorts:
Finance | Markets

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