Photovoltaik
31.01.2019

First Solar will mit Großkraftwerken Stromnetze stabilisieren

Foto: Creative Commons/Baummapper
Photovoltaik-Kraftwerk im Lahn-Dill-Kreis in Hessen: Solarparks dürfen in Deutschland bis zu einer Kapazität von zehn Megawatt gebaut werden – das halten einige in der Branche für zu wenig.

2018 war ein gutes Jahr für die Solarbranche, 3,2 Gigawatt Leistung wurden installiert. Der US-Konzern First Solar fordert dennoch mehr Raum für Photovoltaik in Deutschland. Im Gegenzug verspricht er, zur Netzstabilität beizutragen.

8,4 Prozent – diesen Rekordanteil an der Stromversorgung Deutschlands hat die Sonne im vergangenen Jahr geliefert. Gemessen an den gesunkenen Kosten der Solartechnik müsste es aber längst mehr sein, meint der Solarmanager Stefan Degener. Der Europa- und Afrika-Geschäftsführer des US-amerikanischen Konzerns First Solar glaubt, dass die Photovoltaik (PV) ihr Potenzial in Deutschland nur dann voll ausschöpfen kann, wenn deutlich größere Solarkraftwerke zugelassen werden als bisher.

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Solarparks mit einer Leistung von 50 bis 100 Megawatt statt wie bisher mit bis zu zehn Megawatt brauche es, und zwar aus zwei Gründen: „Erst dann wird PV wirklich effizient, und wir können den nächsten Schritt bei der Kostendegression gehen“, sagt Degener im Gespräch mit bizz energy. Die derzeitigen Gestehungskosten von durchschnittlich 40 Euro pro Megawattstunde ließen sich so noch um zehn bis 15 Prozent senken.

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Zudem: „Solche Kraftwerke können Netzdienstleistungen zur Frequenzkontrolle und Spannungskontrolle erbringen“, verspricht der Manager, der dem Beirat des europäischen Branchenverbands Solar Europe angehört. PV sei in der Lage, blitzschnell auf Netzschwankungen zu reagieren. Degener schlägt dazu beispielsweise vor, auf 50 Megawatt ausgelegte Solarkraftwerke von vornherein mit einer Kapazität von 55 Megawatt zu bauen.

„Reagieren innerhalb von Millisekunden“

Die so entstehende Reserve könne dann netzstabilisierend eingesetzt werden – im Idealfall unterstützt von Batteriespeichern während dunklerer Phasen. „Solche Kraftwerke reagieren innerhalb von Millisekunden“, sagt Degener. Sie sind viel besser geeignet als fossile Kraftwerke, denn sie haben keine träge Masse.“ Mit entsprechender Regeltechnik ausgerüstet, könnten Solarparks bereits ab einer Leistung von 15 Megawatt zur Netzstabilisierung beitragen.

(Lesen Sie auch: Deutsche Solarindustrie – es gibt Leben in der Nische)

First Solar hat solche Eingriffe ins Netz nach eigenen Angaben mit PV-Großkraftwerken in den USA getestet. Degener stützt sich bei seiner Einschätzung auch auf eine entsprechende Studie von Solar Europe, die mit Unterstützung der Unternehmen First Solar, Baywa, SMA und Tesla erstellt wurde. Nun sucht er nach Möglichkeiten, auch in Deutschland die Netzdienlichkeit von Solaranlagen zu demonstrieren.

Zu kleine Flächen

Bisher ist das offenbar nicht möglich. Aus Sicht von First Solar verhindern die gesetzliche Deckelung von Solarkraftwerken bei zehn Megawatt Kapazität und eine restriktive Zuweisung zu kleiner Flächen, dass stabilisierungsfähige PV-Kraftwerke gebaut werden. Das Argument, es gebe in einem dicht besiedelten Land wie Deutschland zu wenig Platz, überzeugt Europachef Degener nicht: „Es steht genug Fläche zur Verfügung, um die PV-Penetration zu verdoppeln oder gar zu verdreifachen, ohne gleich ganze Landkreise zuzustellen“, sagt er.

Degener möchte große Solarparks beispielsweise auf „niedrigwertigen, unbewirtschafteten Agrarflächen“, auf brachliegendem Industriegelände und in ungenutzten Gewerbegebieten errichten – vorzugsweise nicht im Norden, wo bereits viel Windstrom ins Netz drängt. Bei einer großzügigeren Flächenvergabe hält er einen PV-Anteil an der deutschen Stromerzeugung „im höheren zweistelligen Prozentbereich“ für realistisch.

Keine Renaissance der Solarindustrie

Zu einer Renaissance der PV-Industrie hierzulande dürften aber auch größere Kraftwerke und ein beschleunigter Zubau nicht führen. Wirtschaftlich erfolgreich sind Produzenten von PV-Modulen fast nur noch mit riesigen Werken außerhalb Europas. First Solar schloss seine Werk in Frankfurt an der Oder im Jahr 2012. Der deutsche Konkurrent Solarworld stellte nach Insolvenz im vergangenen Jahr die Produktion ein.

Das 1999 gegründete First Solar mit Hauptsitz in Tempe, Arizona, fertigt heute in Malaysia, Vietnam und in den USA. 2017 erwirtschaftete das Unternehmen einen Umsatz von 2,9 Milliarden US-Dollar. Dennoch rangiert es auf dem Weltmarkt für PV-Module nicht unter den Top Ten. Die ersten zehn Plätze belegen acht chinesische Konzerne, ein kanadischer und ein südkoreanischer.

Lesen Sie auch: Zahl von Solarstrom-Selbstversorgern dürfte steigen

 

Christian Schaudwet
Keywords:
Photovoltaik | Solarenergie | First Solar | Netzstabilität
Ressorts:
Governance | Markets

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