Zwei von drei Deutschen können sich die Nutzung flexibler Stromtarife vorstellen. Das ergab eine am Mittwoch veröffentlichte Umfrage zu Smartmetern. Dazu hatte Statista für den Energieversorger Eon mehr als 2.450 Menschen befragt. Smart-Meter oder "intelligente Stromzähler" böten viele Vorteile, darunter den, für Privatkunden völlig neue, flexible Stromtarife zu ermöglichen, erläutert dazu Filip Thon, Chef von Eon Energie Deutschland.

Flexible Tarife sind eigentlich nichts Neues. Seit 2010 können Versorger hierzulande solche Tarife im Portfolio haben. Weit verbreitet sind diese allerdings noch nicht.  So fand das Preisportal Verivox kürzlich bei einem Vergleich der Angebote der Grundversorger in den 50 größten Städten Deutschlands bei nur acht von diesen zeitvariable Stromtarife für intelligente Messsysteme. Bei den meisten Angeboten handelt es sich laut Verivox dabei nur um einen Tarif, wie dieser auch für Nachtspeicherheizungen üblich sei. Tagsüber werde ein höherer Strompreis verlangt, in der Nacht und am Wochenende sei er dann niedriger.

Von Eon selbst wird derzeit der zeitvariable Tarif "Eon SmartStrom Öko" angeboten. Das sei ein Tarif mit drei Zeitscheiben, erklärte ein Eon-Sprecher auf Nachfrage. Dabei sinke der Strompreis zum Beispiel werktags ab 16 Uhr automatisch und in der Nacht nochmals. "67 Prozent der von Statista Befragten sind offen dafür, einen zeitvariablen Tarif zu nutzen, bei dem der Strompreis etwa abends und nachts niedriger als tagsüber ist", bestätigt Eon-Manager Thon.

Künftig aber werden unter Begriffen wie "lastvariabel", "tageszeitabhängig" oder "dynamisch" Stromtarife auf den Markt kommen, bei denen die Preise viel stärker als bisher schwanken - und zwar im Einklang mit den Preisbewegungen auf den Spotmärkten, einschließlich der Day-Ahead- und Intraday-Märkte.

Erlangt die derzeit im Bundestag schmorende Novelle des Energiewirtschaftsrechts Gesetzeskraft, sind Stromlieferanten nicht allein verpflichtet, Letztverbrauchern einen Tarif anzubieten, der mittels eines dynamischen Tarifs einen Anreiz zu Energieeinsparung oder Steuerung des Energieverbrauchs setzt – soweit technisch machbar und wirtschaftlich zumutbar, wie es im Gesetzestext einschränkend heißt. Stromlieferanten, die mehr als 200.000 Verbraucher beliefern, sind dann sogar verpflichtet, eine Stromliefervertrag mit dynamischen Tarifen für die Verbraucher anzubieten, die über ein intelligentes Messsystem verfügen.

Vereinfacht gesagt: Wer ein Smartmeter zu Hause hat oder haben wird, kann – ist sein Stromlieferant groß genug – von diesem einen sehr flexiblen "dynamischen" Tarif verlangen. Ob den Kunden dann, wenn das Gesetz gilt, danach sein wird, hat Eon offenbar noch nicht fragen lassen. Der Umfrage zufolge können sich aber 59 Prozent der Deutschen vorstellen, auch solche Tarife zu nutzen, bei denen der Strompreis nicht tageszeitabhängig, sondern je nach Angebot und Nachfrage auf den Strommärkten schwankt. Was eine Kilowattstunde Strom aktuell koste, könnten Kunden dann etwa per App einsehen, meint Eon. 

Nun – wer seinen Verbrauch aus preislichen Gründen nur zeitlich verlagert, spart noch keine Energie ein – am Ende ist das eher ein Service für Netzbetreiber und Stromerzeuger, deren Infrastruktur besser ausgelastet wird. Eon weist deswegen darauf hin, dass es von individuellen Verbrauchsverhalten abhänge, wieviel ein Kunde beispielsweise mit dem erwähnten flexiblen SmartStrom-Öko-Tarif konkret spare. Das entsprechende Eon Smart-Meter biete auf Wunsch entsprechende Analyse-Funktionen, die zu mehr Verbrauchs- und Kostentransparenz beitragen. So könnten Einsparpotenziale leichter gefunden werden.

Dass ein Smart-Meter ihnen einen Überblick über ihre Stromkosten und den Stromverbrauch liefere, findet laut Umfrage allerdings nur eine knappe Mehrheit von 53 beziehungsweise 52 Prozent der Befragten gut. Bei 48 Prozent stößt die Möglichkeit auf Zuspruch, durchs Smart-Meter Haushaltsgeräte mit besonders hohem Verbrauch zu identifizieren und so Energie sparen zu können. Dass das Zählerablesen entfällt und der Verbrauch automatisch übermittelt wird, gefällt gar nur 39 Prozent.

Wozu Smart-Meter gut sind, da hat die Branche offensichtlich noch einige Überzeugungsarbeit zu leisten. Vielleicht helfen ja die kommenden flexibleren Tarife dabei.

Kunden von Gasanbietern in Großbritannien können sich über schön blinkende Apps informieren lassen. (Copyright: Thrifty Mrs/Flickr)