Erdgas
12.09.2018

EU importiert deutlich mehr Flüssigerdgas aus den USA

Foto: iStock
LNG-Carrier sind Tankschiffe, die für den Transport von verflüssigtem Erdgas ausgelegt sind.

US-Präsident Trump drängt die EU, mehr Flüssigerdgas aus den USA zu kaufen. Doch schon jetzt gehen gut zehn Prozent der amerikanischen LNG-Ausfuhren nach Europa.

Die Nachricht könnte für etwas Entspannung sorgen im Handelsstreit zwischen den USA und der EU: Die EU-Importe von Flüssigerdgas (LNG) aus den USA sind von 2016 bis heute von Null auf 2,8 Milliarden Kubikmeter gestiegen – Tendenz steigend. Mehr als 10 Prozent der LNG-Exporte aus den USA finden inzwischen den Weg nach Europa. Dies geht aus einer internen Aufstellung der EU-Kommission hervor, die bizz energy vorliegt.

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Beim NATO-Gipfel in Brüssel und beim Besuch von EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker in Washington klagte US-Präsident Donald Trumps noch lautstark über europäisches Desinteresse an amerikanischem Erdgas. Juncker versprach bei dem Gespräche im Weißen Haus am 25. Juli daraufhin, höhere Importe von Flüssigerdgas aus den USA zu fördern. Anfang der Woche spielten amerikanische LNG-Importe auch bei einem Treffen zwischen Handelskommissarin Cecilia Malmström und Trumps Handelsbeauftragten Robert Lighthizer eine wichtige Rolle. Ende September steht ein zweites Treffen an.

 

Bislang kein deutsches LNG-Projekt

 

Mehrere Gründe treiben LNG-Importe aus den USA an. Wegen erschöpfter Erdgasquellen sinkt die Förderung in der EU, viele Mitgliedsländer forcieren zum Schutz des Klimas den Ausstieg aus der Kohle und die Großmarktpreise für Gas steigen seit dem Tief Mitte 2016 wieder. Schließlich setzen vor allem osteuropäische EU-Länder auf Flüssigerdgas, um ihre Abhängigkeit von russischen Erdgaslieferungen zu verringern. Die Entwicklung wird von Brüssel begrüßt. „Diversifizierung ist ein wichtiger Faktor für eine sichere Gasversorgung in der EU. Steigende Flüssiggasimporte aus den USA sind daher zu begrüßen“, betont Energiekommissar Miguel Arias Cañete. Bislang förderte Brüssel den Ausbau von LNG-Terminals mit 638 Millionen Euro. Um eine flächendeckende LNG-Versorgung zu garantieren, will die EU in der nächsten Finanzperiode ab 2020 noch mehr Geld zur Verfügung stellen.

 

Trotz der Bemühungen gibt es bislang kein einziges deutsches LNG-Projekt. Derzeit bezieht die Bundesrepublik Erdgas fast ausschließlich über Pipelines aus Russland, Norwegen, Niederlande sowie Dänemark und Großbritannien. Größter Lieferant ist mit 35 Prozent die russische Gazprom – die Nordstream-2-Pipeline könnte den Anteil auf 40 Prozent hochschrauben. Ein Grund, weshalb Trump die deutsche Energieversorgung als Sicherheitsrisiko des Westens brandmarken kann. Diplomaten bei EU und NATO argwöhnen jedoch, der US-Präsident spiele die Karte Versorgungssicherheit, um Amerika die Vorherrschaft auf den globalen Energiemärkten zu sichern. Mit höheren Gasexporten könnten die USA außerdem ihr Handelsdefizit eindämmen.

 

Hindernisse auch in den USA

 

Dennoch hat Trumps Wutrede auf dem NATO-Gipfel auch Angela Merkel nicht unbeeindruckt gelassen. Inzwischen setzt sich die Kanzlerin sogar für LNG-Importe ein. „In der Bundesregierung arbeiten wir daran, die Flüssiggasinfrastruktur in Deutschland weiter voranzubringen“, versicherte sie am vergangenen Freitag auf dem Deutsch-Katarischen Wirtschaftsforum in Berlin. Das Golfemirat ist der größte Exporteur von LNG weltweit. Doch obwohl Katar bereit ist, sich an den Kosten eines deutschen Terminals zu beteiligen, steht noch nicht einmal der Standort fest. Bislang sind vor allem Brunsbüttel und Wilhelmshaven im Gespräch.

 

Andere EU-Länder sind da deutlich weiter. Italien, Polen, Frankreich, Großbritannien, Spanien, Belgien, Griechenland, Litauen und Malta besitzen bereits LNG-Häfen, in den nächsten Jahren kommen Terminals in Schweden, Irland, Kroatien und Zypern hinzu. Die Kapazität wird dann EU-weit rund 165 Milliarden Kubikmeter erreichen – das entspräche ein Drittel des jährlichen Erdgasverbrauchs der Gemeinschaft. Die Internationale Energieagentur in Paris rechnet damit, dass die LNG-Importe der EU bis 2040 um mindestens 20 Prozent steigen werden.

 

Die Kapazitätsengpässe in der EU sind nicht das einzige Hindernis für mehr Flüssigerdgaseinfuhren. Auch in den USA gibt es Probleme. So müssen LNG-Ausfuhren vorab von den Behörden genehmigt werden, ein bürokratischer Aufwand, der das ohnehin hochpreisige Flüssiggas weiter verteuert. So konnte Juncker bei seinem Besuch in Washington Trump genüsslich unter die Nase reiben, dass vor einer deutlichen Ausweitung der LNG-Importe in die EU „die rechtlichen Beschränkungen in den USA aufgehoben werden“ müssten. Anders als in den USA gebe es „in der EU keine marktfernen Hindernisse“.

 

Lesen Sie auch: Tanker statt Pipelines - wird auch Deutschland zum LNG-Markt?

Norbert Mühlberger
Keywords:
LNG | Ergas | Flüssiggas
Ressorts:
Governance | Markets

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