Investitionen
10.09.2018

Förderprogramme für Elektromobilität

Illustration: Sasan Saidi
Die Bundesregierung fördert E-Mobilität mit mehreren Programmen.

Um die Elektromobilität endlich in Fahrt zu bringen, legt die Bundesregierung bei den Förderprogrammen noch eine Schippe drauf. Auch die Transportbranche profitiert. Ein Überblick.

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Trotz vieler Förderprogramme kommt die Elektromobilität in Deutschland nur langsam voran. Von ihrem ursprünglichen Ziel, bis 2020 eine Million E-Fahrzeuge auf die Straße zu bringen, ist die Bundesregierung schon im letzten Jahr abgerückt. Um die Anschaffung von E-Autos und Ladeinfrastruktur zu beschleunigen, hat der Bund die Förderung aber deutlich intensiviert. Ein Beispiel ist der Beschluss der Bundesregierung von Mitte Mai, wonach Elektro-Lastwagen ab dem 1. Januar 2019 von der Lkw-Maut befreit sind. Und auch das neue Förderprogramm des Bundesverkehrsministeriums (BMVI) mit dem Titel "Energieeffiziente und/oder CO2-arme schwere Nutzfahrzeuge" (EEN) stößt offenbar auf großes Interesse. Nur vier Wochen nach dem Start meldete das BMVI Ende August bereits 29 Anträge für 148 Lkw. Die Fördersumme beläuft sich auf zusammen 2,1 Millionen Euro.

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Gefördert werden Mehrkosten im Vergleich zu einem herkömmlichen Lkw bis zu einer Höhe von 40 Prozent, abhängig von der Antriebsart. Bei Elektrofahrzeugen bis einschließlich zwölf Tonnen zulässigem Gesamtgewicht sind es 12.000 Euro, bei mehr als zwöf Tonnen 40.000 Euro. In diesem Jahr stehen für „EEN“ insgesamt zehn Millionen Euro zur Verfügung. Die Förderung läuft zunächst bis Ende 2020.

Und nicht nur der Bund, auch die Länder fördern: Das Land Berlin unterstützt nun beispielsweise gezielt kleine und mittlere Unternehmen beim Umstieg auf elektrisch betriebene Fahrzeuge und bei der Errichtung einer geeigneten Ladeinfrastruktur. 4.000 Euro Zuschuss gibt es für ein Elektroauto von der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe im neuen Förderprogramm „Wirtschaftsnahe Elektromobilität“.

Mit einer Richtlinie vom März 2018 trat zudem das Doppelförderungsverbot außer Kraft. Seither dürfen mehrere gleichartige Förderprogramme in Anspruch genommen werden. Hier ein Überblick der wichtigsten staatlichen Fördermöglichkeiten für Unternehmen, die ihren Fuhrpark elektrifizieren wollen:

1. Sofortprogramm Saubere Luft

Der Bund hat mit dem „Sofortprogramm Saubere Luft“ ein Maßnahmenpaket für bessere Luft in Städten aufgelegt, die von Fahrverboten bedroht sind. Es umfasst eine Milliarde Euro. Gefördert wird die Elektrifizierung des urbanen Verkehrs und die Errichtung von Ladesäulen, die Digitalisierung von Verkehrssystemen sowie die Nachrüstung von Diesel-Bussen im ÖPNV mit Abgasnachbehandlungssystemen. Antragsberechtigt sind Gebietskörperschaften, Verkehrsverbünde sowie Verkehrsunternehmen, die ÖPNV-Leistungen in einer Kommune erbringen, in der die Stickoxidbelastung über den gesetzlichen Grenzwerten liegt. Die Fördersätze betragen entsprechend dem EU-Beihilferecht je nach Unternehmensgröße 40 bis 60 Prozent. Das Sofortprogramm baut auf bestehenden Förderprogrammen auf.

2. Umweltprämie

Der Kauf von E-Autos wird mit einer Prämie bezuschusst, dem „Umweltbonus“. Er beträgt 4.000 Euro für reine E-Autos und 3.000 Euro für Plug-In-Hybride. Bund und Industrie tragen jeweils die Hälfte der Gesamtfördersumme von 1,2 Milliarden Euro. Der Fördertopf würde – rechnerisch für mindestens 300.000 Fahrzeuge reichen – ohne Berücksichtigung einer möglichen Prämienerhöhung für E-Lieferwagen. Antragsberechtigt sind private und gewerbliche Käufer, Stiftungen und Vereine beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA). Bisher stellten Unternehmen mehr als die Hälfte aller Anträge. Autos ab einem Listenpreis von 60.000 Euro sind von der Förderung ausgenommen. Bisher wurden laut BAFA gut 60.000 Anträge bewilligt, davon 35.000 für reine E-Autos, 25.342 für Plug-In-Hybride und 17 für Brennstoffzellenfahrzeuge. Das Geld ist damit erst zu rund einem Zehntel ausgeschöpft.

3. Bundesprogramm

Ladeinfrastruktur Als Teil eines 2016 beschlossenen Maßnahmenpakets der Bundesregierung unterstützt das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) mit diesem Programm den Aufbau der Ladeinfrastruktur bis zum Jahr 2020 mit 300 Millionen Euro. Damit soll der Aufbau von mindestens 5.000 Schnell- und 10.000 Normalladestationen gefördert werden, wenn diese öffentlich zugänglich sind und mit Strom aus erneuerbaren Energien betrieben werden. Vom 1. März 2017 an konnten private Investoren, Städte und Gemeinden Förderanträge stellen. Der zweite Förderaufruf endete am 30. Oktober 2017. Das BMVI hatte bis März 2018 erst 704 Förderbescheide für rund 7.669 Normalladestationen und für 1.610 Schnellladesäulen erteilt. Bislang wurden nur 46 von 300 Millionen Euro Fördermittel tatsächlich zugesagt, für Energieversorger, Stadtwerke und Kommunen sowie Infrastruktur-Dienstleister. Die Zurückhaltung rührt dem Vernehmen nach vor allem daher, dass Kommunen den Eigenmittelanteil nicht aufbringen können.

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Keywords:
Finanzen | E-Mobilität
Ressorts:
Finance

Kommentare

Was nützen Förderprogramme wenn es nix zu kaufen gibt ?
Die Wirtschaft will oder kann nicht genug liefern ... Lieferzeiten von 12- 18 Monate sind beim Elektroauto fast "normal" ...

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