Preisfrage: Welche Renditen müssen Ökostromprojekte mindestens bieten, damit Investoren einsteigen? Antwort: Kommt drauf an, und zwar gleich in doppelter Hinsicht. Das geforderte Minimum an Eigenkapital-Rendite hängt von der Asset-Klasse innerhalb der Erneuerbaren ebenso ab wie davon, ob man etwa Stadtwerke, Versicherungen oder Private-Equity-Fonds befragt. Das dokumentiert eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung Deloitte und der internationalen Anwaltskanzlei Norton Rose Fulbright; die Studie lag BIZZ energy today vorab exklusiv vor.

Die 36 Seiten starke Studie basiert auf einer Umfrage unter mehr als 100 deutschen Unternehmen, darunter international agierende Versicherungen und Großbanken, institutionelle Fonds, Energiekonzerne und Stadtwerke. „Die Renditeerwartungen der institutionellen Fonds liegen deutlich über denen der Versicherungen und Energieunternehmen“, resümiert David Krüger, Chef des Cleantech-Teams bei Deloitte und einer der beiden Autoren der Studie neben Norton Rose Fulbright-Partner Klaus Bader. Die höchsten Erwartungen gibt es bei Offshore- Windparks. Hier fordern institutionelle Fonds im Schnitt 9,5 Prozent Rendite. Versicherungen wollen 9,0 Prozent, mit nur 7,3 Prozent wären dagegen die Versorger schon zufrieden: „Energiekonzerne und Stadtwerke kennen die Entwicklungs- und Betriebsrisiken der Offshore- Windparks am besten, häufig aus eigener Erfahrung“, erläutert Krüger: „Daher verlangen sie eine niedrigere Risikoprämie als Fonds, für die ein Offshore-Park wie eine Black Box ist.“

Auch bei Onshore-Wind-, Biogas- und Solaranlagen begnügen sich Energieunternehmen mit niedrigeren Renditen. Andererseits können sie dort durch Projektierung und durch energienahe Dienstleistungen wie Direktvermarktung zusätzlich Geld verdienen: Sie verfolgen mit einer Beteiligung also auch strategische Ziele, im Gegensatz zu Versicherungen und Fonds, die in der Regel als reine Finanzinvestoren agieren.

Netze rücken in den Fokus

Fast 80 Prozent der Umfrageteilnehmer sehen bei den Strom- und Gasspeichern „hohen Ausbaubedarf für ein Gelingen der Energiewende“. Damit rangieren Speicher noch vor der Netzinfrastruktur, bei der 76 Prozent „hohen Ausbaubedarf“ konstatieren. Netze rücken aktuell viel stärker in den Fokus. In den vergangenen drei Jahren war dieser Bereich nur für 15 Prozent der Investoren von besonderem Interesse. Für die nächsten drei Jahre wollen dort aber mehr als doppelt so viele Investoren, nämlich 32 Prozent, „mit hoher Priorität“ ihr Geld anlegen.

Offenbar hat die Bonner Bundesnetzagentur also die Investitionsbedingungen verbessert. Sie gewährt bei neuen Leitungen mehr als neun Prozent Vorsteuerrendite, das „ist im aktuellen Kapitalmarktumfeld üppig“, wie ihr Präsident Jochen Homann kürzlich im Interview mit BIZZ energy today befand. Dabei betonte Homann, er sei den Übertragungsnetzbetreibern und ihren Eigentümern „in allen strittigen Detailfragen entgegengekommen“, zum Beispiel bei der Anerkennung vorlaufender Plankosten.

Während Homann Investoren umwarb, wirkte Bundesumweltminister Peter Altmaier eher abschreckend, mit der angekündigten Strompreisbremse und insbesondere mit seinem Vorschlag, die Vergütung für Bestandsanlagen rückwirkend zu kürzen. „Die Diskussionen um die Strompreisbremse haben Investoren erheblich verunsichert“, sagt Norton Rose Fulbright- Partner Bader. Sein Fazit lautet: „Verlässliche Rahmenbedingungen sind der Schlüssel für ein Gelingen der Energiwende. Sonst riskiert die Bundesregierung, dass Investoren künftig ihr Geld lieber im Ausland anlegen.“ 

 

(depositphotos.com © Jan Wąchała)