Elektromobilität
18.01.2019

Ford und IBM nutzen Blockchain für Kobalt-Herkunftsnachweis

Foto: IBM
Mit Hilfe der Blockchain soll die Lieferkette von Kobalt und anderen Rohstoffen lückenlos dokumentiert werden.

Der Autobauer Ford startet ein Projekt, um die Herkunft von Kobalt mithilfe einer IBM-Blockchain sicher nachzuverfolgen. Das Mineral spielt eine Schlüsselrolle bei der Herstellung von E-Auto-Batterien und gilt als Konfliktrohstoff.

Es geht um die Einhaltung von ethischen Standards: Der Autobauer Ford, Südkoreas Chemieunternehmen LG Chem, der chinesische Kobalt-Förderer Huayou Cobalt, der Technologiekonzern IBM und der britische Batterie-Spezialist RCS Global beteiligen sich an einem Pilotprojekt, um die Kobalt-Lieferkette kontrollieren zu können. Mit Hilfe der Blockchain-Technologie soll die Herkunft von Mineralien zurückverfolgt sowie Abbau und Verarbeitungsprozess überprüft werden können.

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Kobalt ist wegen seines Einsatzes in Lithium-Ionen-Batterien, die beispielsweise in Elektrofahrzeugen verwendet werden, derzeit sehr begehrt. Einem Bericht der US-Investmentbank Morgan Stanley zufolge soll sich die Nachfrage bis zum Jahr 2026 vervierfachen. Gleichzeitig gilt Kobalt als Konfliktrohstoff: Abgebaut wird es hauptsächlich in der Demokratischen Republik Kongo – oft unter menschenunwürdigen Bedingungen. Berichtet wird von Zwangs- und Kinderarbeit – Erlöse aus dem Rohstoffabbau landen mitunter in den Taschen kongolesischer Kriegsfürsten.

Offenes Netzwerk geplant

Die an dem Pilotprojekt beteiligten Unternehmen aus allen Stufen der Wertschöpfungskette wollen nun mit Hilfe der Blockchain-Technologie ein offenes Netzwerk schaffen, in dem die Rohstoffe verantwortungsvoll produziert, gehandelt und verarbeitet werden. Mithilfe der Blockchain hat jeder Teilnehmer des Pilotprojektes jederzeit einen uneingeschränkten Einblick in die Daten und kann so nachvollziehen, wo genau das Kobalt herkommt. Als dezentrale Datenbank bietet die Technologie gute Voraussetzungen für sichere Herkunftsnachweise.

„Wir setzen uns weiter für Transparenz in unserer globalen Lieferkette ein“, sagt Ford-Managerin Lisa Drake. Durch die Zusammenarbeit in dem Netzwerk und die moderne Technologie solle sichergestellt werden, dass Menschenrechte und Umwelt bei der Förderung geschützt werden. „Angesichts der wachsenden Nachfrage nach Kobalt will die Gruppe aufzeigen, wie die Blockchain für mehr Sicherheit in Bezug auf die soziale Verantwortung in der Bergbauversorgungskette eingesetzt werden kann“, sagt Manish Chawla, Manager bei IBM.

Beschaffungsszenario simuliert

Das Pilotprojekt simuliert ein Beschaffungsszenario, in dem das in der Huayou-Mine im Kongo produzierte Kobalt über die gesamte Lieferkette hinweg verfolgt wird – von der Mine und der Schmelze über die Batterieanlage von LG Chem bis zum Ford-Werk in den USA. In der Blockchain wird ein unveränderlicher Prüfpfad erstellt, der alle Daten enthält, um die Kobaltproduktion von der Quelle bis zum Endhersteller lückenlos nachzuweisen. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) validiert die Teilnehmer des Netzwerks anhand ihrer Standards für verantwortungsbewusste Beschaffung.

Der Preis für Kobalt hatte sich an den Rohstoffbörsen in den vergangenen drei Jahren verdoppelt, ist seit Ende 2018 aber im Sinkflug. Mittlerweile hat er sich fast halbiert: Kostete ein Kilo Kobalt 2018 an der Londoner Metallbörse durchschnittlich 86,54 Euro, sind es derzeit nur noch 46,85 Euro. Dies könnte daran liegen, dass die Industrie mit Hochdruck daran arbeitet, den Kobalt-Anteil in Batterien zu verringern. Insbesondere Nickel gilt als vielversprechender Ersatz-Rohstoff. So gibt es bereits Lithium-Ionen-Batterien (sogenannte NMC-Zellen) mit einem Kathodenmaterial im Verhältnis von 6:2:2: Sie enthalten 60 Prozent Nickel und nur noch 20 Prozent Mangan und Kobalt. Perspektivisch könnte der Kobalt-Anteil auf zehn Prozent sinken, erwarten Experten. 

Gesamte Industrie im Fokus

Tesla scheint übrigens wieder einmal weit voraus zu sein: Der US-Autobauer brüstet sich damit, dass die Batterien seines Partners Panasonic für das Model 3 nur noch 2,8 Prozent Kobalt enthalten. Die nächste Batterie-Generation soll sogar ganz ohne auskommen.

Zurück zur Blockchain-Plattform von IBM: Sie soll auch anderen Industrien offenstehen. Man hofft, dass das Projekt über Kobalt hinaus auf andere Batteriemetalle und -rohstoffe ausgedehnt wird – zum Beispiel auf Mineralien wie Tantal, Zinn, Wolfram und Gold, die ebenfalls mitunter als Konfliktmineralien gelten, sowie Seltene Erden. Zu den Industrien, in denen die Mineralien verwendet werden, zählen neben der Automobilindustrie auch Luft- und Raumfahrt, Verteidigung und Unterhaltungselektronik. Das Pilotprojekt soll voraussichtlich Mitte 2019 abgeschlossen sein.

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Jutta Maier und Carsten Kloth
Keywords:
Blockchain | E-Mobilität | Kobalt
Ressorts:
Technology

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