Klimawandel
22.05.2018

Forscher halten negative Emissionen für notwendig

Foto: iStock
Aufforstung gilt als probates Mittel gegen den Klimawandel.

Um das 1,5-Grad-Klimaziel zu erreichen, sind Technologien, die der Atmosphäre Kohlendioxid wieder entziehen, neuen Studien zufolge unverzichtbar.

Um die globale Erwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, reichen CO2-Einsparungen nicht aus – negative Emissionen müssen her. Deshalb sind Technologien, die der Atmosphäre wieder Kohlendioxid entziehen, unverzichtbar. Das geht aus mehreren neuen Studien des Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) hervor.

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Die Forscher weisen auf eine große Lücke im Dialog zwischen Wissenschaft und Politik hin: Die Staatengemeinschaft hat sich zwar im Paris-Abkommen darauf verpflichtet, die globale Erwärmung auf weit unter zwei Grad Celsius und möglichst 1,5 Grad zu begrenzen. Der dafür notwendige Einsatz von „Negativen Emissionstechnologien“ wird aber aktuell in der Politik kaum diskutiert. Deren Entwicklung und Ausbau sowie der Start von Pilotprojekten liege im Vergleich zu dem Bedarf angesichts der Klimaschutzszenarien erheblich zurück.

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„In den Klimaverhandlungen geben die Politiker zwar gerne immer ambitioniertere Ziele aus – doch die konkreten Handlungen bleiben bisher weit zurück“ sagt Jan Minx, Leiter der MCC-Arbeitsgruppe Angewandte Nachhaltigkeitsforschung. Das Ergebnis sei eine wachsende Abhängigkeit von negativen Emissionen. Ohne diese geht es ab einen gewissen Punkt nicht mehr. Bei dem im Herbst erscheinenden Sonderbericht des Weltklimarats zum 1,5-Grad-Ziel würden negative Emissionen sicher eine entscheidende Rolle spielen.

 

Unterirdische CO2-Speicher sind umstritten

 

Durch negative Emissionen wird der Atmosphäre das klimaschädliche Kohlendioxid entzogen. Dies kann mit verschiedenen Technologien oder Praktiken erfolgen. Dazu gehören Aufforstungsprogramme, bei denen Bäume vorhandene Emissionen binden. Es gibt auch Gesteine, die – in kleine Teilchen zermahlen und auf landwirtschaftliche Flächen ausgebreitet – CO2 absorbieren. „Bioenergie mit Kohlenstoffabscheidung und -speicherung“ (BECCS) ist eine umstrittene Technologie. Dabei wird Biomasse in Strom oder Treibstoff umgewandelt und das frei werdende CO2 umgehend abgeschieden und in geologischen Tiefenlagern gespeichert.

  
Alle Technologien haben den Studien mehrheitlich relevante Potenziale. Allerdings unterscheiden sie sich in Kosten, Nebenwirkungen, Entwicklungsstand und Langfristigkeit der Speicherpotenziale: Aufforstung etwa könnte schon heute in großem Maßstab betrieben werden. Durch BECCS wiederum könnten größere Mengen CO2 sicher eingelagert werden, doch steckt die Technologie noch in der Demonstrationsphase. Zudem stoßen riesige unterirdische Klimagasdeponien in der Öffentlichkeit und bei Umweltschützern auf großen Widerstand. Negativen Emissionen bergen teilweise erhebliche Konflikte etwa für Landnutzung, Wasserverbrauch oder Energiebedarf. So stehen aufgeforstete Flächen beispielsweise nicht mehr als Ackerflächen oder Bauland zur Verfügung.

 

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Carsten Kloth
Keywords:
Klimawandel
Ressorts:
Technology

Kommentare

ein anderes Wort dafür ist auch DeGrowth. Ev auch über Eisendüngung der Meere nachdenken, denn Coccolithen sind der einzige billige langfristige biologisch- geologische CO2 Speicher? bzw billiger einfach die Meere viel mehr als heute schützen.

Bessere Energieeffizienz auch beim Einsatz Erneuerbarer Energien hilft CO2 zu sparen!
der Energetische Wirkungsgrad vom Feld über die Vergärung zum Biomethan ist mit etwa 20% bedeutend schlechter als selbst Braunkohle im Kraftwerk zu verbrennen! Biomasse stofflich zu verwerten, z.B. durch Humusbildung im Boden zu lassen, und statt dessen Kohle zu verbrennen führt deshalb zu negativen CO2-Emmisionen. Auch hier gilt das Sprichwort: Wer Rechnen kann ist klar im Vorteil ;-)

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