Bundesnetzagentur
21.06.2020

Freie Wahl an der E-Ladesäule

Foto: Lichtblick
Der Traum jedes E-Autofahrer: an die Ladesäule, Stecker rein, laden - und fertig.

Der Wirrwar an öffentlichen E-Ladesäulen könnte bald ein Ende haben: Künftig soll dort Strom des jeweiligen Wunschanbieters zapfbar sein, verlangt die Bundesnetzagentur.

 

Wer ein E-Auto - gerade bei Überland-Touren - aufladen will, hat am besten mehrere Ladekarten bei der Hand. In manchen Regionen haben wenige Anbieter eine Art Monopol und europaweite Ladestromanbieter haben genügend "weiße" Flecken auf der Landkarte der Landepunkte. Dazu kommt ein Vielzahl von Abrechungsverfahren, die meisten intransparent und mit später Rechnungslegung, die keine echte Kostenkontrolle zulassen.

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Das könnte bald anders werden. Die Bundesnetzagentur will künftig regionale Stromversorger verpflichten, an ihren Stationen auch Ladetarife ihrer Wettbewerber anzubieten - wie dies bei Haushaltsstrom schon lange der Fall ist.

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Über das Vorhaben, dass Fahrer von E-Autos künftig an jeder öffentlichen Ladesäule frei zwischen Tarifen verschiedener Anbieter wählen können, hatte zuerst der "Spiegel" berichtet. Inzwischen bestätigte der Ökostromer Lichtblick, dass die Bundesnetzagentur in einer am 10. Juni eingeleiteten Konsultation mit der Energiebranche das Ziel verfolgt, eine Art direkten Wettbewerb an der Ladesäule zu schaffen.

Mit dem Konsultationsverfahren sollen technische Grundlagen geschaffen werden, damit künftig E-Mobilisten ihren Tarif beim Wunschanbieter buchen und zu diesem Tarif an jeder öffentlichen Ladesäule zwischen Flensburg und München laden können. Nach den Angaben könnte das bereits ab April 2021 möglich sein.

Lichtblick setzt sich seit Jahren für mehr Vielfalt und Preistransparenz an öffentlichen Ladesäulen ein. Der zuletzt 2019 veröffentlichte Ladesäulencheck des Unternehmens hatte die Zustände zum wiederholten Mal kritisiert: Ein Tarifdschungel mit unterschiedlichen Abrechnungsmethoden und häufig überhöhten Preise schreckten E-Auto-Fahrer ab.

Öffentliche Ladesäulen massiv gefördert

Nicht verwunderlich, dass Lichtblick die Pläne der Netzagentur begrüßt. Diese seien ein "Meilenstein für die Elektromobilität. Endlich wird der Weg frei für echten Wettbewerb, faire Preise und Transparenz an der Ladesäule“, erklärt Gero Lücking, Geschäftsführer Energiewirtschaft beim Ökostromer.

Einen Grund für die angestrebte Öffnung des Marktes sieht Lücking auch darin, dass öffentliche Ladesäulen massiv gefördert werden. Auch darum sei es überfällig, die Belange der E-Auto-Nutzer zu berücksichtigen. Der Ökostromer erwartet aber Gegenwind. Stadtwerke und Konzerne fürchteten um regionale Monopole. "Aber wir sind optimistisch, dass die Behörde bei ihrem Kurs pro Wettbewerb und Verbraucher bleibt", erklärt Lücking.

Steigende Nachfrage nach E-Autos erwartet

Der Bedarf nach einfachem Laden von E-Autos wird auch durch das Corona-Konjunkturpaket der Koalition steigen. Laut der Unternehmensberatung Deloitte dürfte die Nachfrage allein Deutschland in diesem Jahr um 40.000 auf bis zu 200.000 E- und Hybridautos steigen.

Mit den erhöhten Kaufzuschüssen und der gesenkten Mehrwertsteuer wird ein Elektroauto, für das in Deutschland heute im Schnitt 38.000 Euro bezahlt werde, nach den Angaben der Unternehmensberatung um gut 4000 Euro oder 11 Prozent günstiger. Dazu kommen Steuervorteile für E-Dienstwagen bis zu einem Kaufpreis von 60.000 sowie die Milliardenspritze für den Bau von Ladesäulen. Derzeit gibt es in Deutschland rund 28.000 öffenliche Ladepunkte, bis 2030 sollen es eine Million werden.

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Jörg Staude
Keywords:
E-Mobilität | Ladesäulen | Wettbewerb
Ressorts:

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