AKW-Sicherheit
06.07.2012

Fukushima war vermeidbar

Gerd Altmann / pixelio.de
In Japan produziert der erste Atomreaktor seit Fukushima wieder Strom

Bei der Katastrophe von Fukushima handelte es sich um ein „schwerwiegendes Desaster von Menschenhand“, wie ein aktueller Untersuchungsbericht des japanischen Parlaments nun herausfand. Demnach sei das Unglück voraussehbar und vermeidbar gewesen.

Zum Ausmaß der Katastrophe im Atomkraftwerk (AKW) Fukushima im März 2011 hätte es nicht kommen müssen, wie ein Untersuchungsausschuss des japanischen Parlaments nun berichtet. Auslöser für das nukleare Desaster seien zwar das Erdbeben und der folgende Tsunami gewesen, die Auswirkungen hätten jedoch begrenzt werden müssen.

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„Der Atomreaktor-Unfall in Fukushima war das Ergebnis von Verwirrung zwischen Regierung, Aufsichtsbehörden und Tepco sowie dem Mangel an Führung der genannten Parteien“, lautet die Zusammenfassung eines von insgesamt drei Expertenberichten. Enge Verpflechtungen zwischen Politik und Atomwirtschaft hätten das Unglück mitverursacht.

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Dennoch halten die Japaner an ihren AKW fest. Seit Donnerstag erzeugt Reaktor 3 des Atommeilers Oi im Westen des Landes wieder Strom. Schrittweise soll die Produktion von zunächst 50.000 Kilowatt bis Montag auf 1,18 Millionen Kilowatt erhöht werden. Reaktor 4 wird voraussichtlich am 18. Juli hochgefahren. (BIZZ energy today berichtete am 5. Juli).

„Das Vertrauen in die Technik insgesamt hat mit Fukushima nicht gelitten“, bestätigt Ortwin Renn gegenüber BIZZ energy today. Renn ist Professsor für Umwelt und Techniksoziologie an der Universität Stuttgart. „Die Mehrheit der Japaner ist immer noch für die Nutzung der Kernenergie. Allerdings ist eine starke Minderheit mehr als vor Fukushima davon überzeugt, dass die Opposition gegen Kernenergie erfolgreich sein könnte.“

Wie die japanische Nachrichtenagentur Kyodo berichtet, soll Oi einen voraussichtlichen Strommangel rund um die Industriestadt Osaka von 14,9 auf 9,2 Prozent senken. Japans Ministerpräsident hatte die Reaktivierung des AKW mit den möglichen Stromengpässen gerechtfertigt.

„In der Tat wird Japan Probleme mit der Stromversorgung haben, wenn alle AKW ausgeschaltet bleiben“, so Renn. „Allerdings zeigt der Unfall in Fukushima auch, dass, ähnlich wie in Deutschland, die installierte Leistung insgesamt überdimensioniert war.“ Aus diesem Grund sollten nur solche Reaktoren wieder ans Netz gehen, die am ehesten modernen Sicherheitsansprüchen standhalten.

Tina Gilic
Keywords:
Atomausstieg | AKW | Atomkraftwerk
Ressorts:
Markets

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