Der Finanzbranche fällt bei der Erreichung der internationalen Klimaziele eine Schlüsselrolle zu. Die Gruppe der zwanzig führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) hat die Klimafinanzierung deshalb zu einem ihrer Kernziele erklärt. Demnach sollen die Anstrengungen bei der Klimafinanzierung vergrößert werden. So steht es in dem am Sonntag veröffentlichten Abschlusskommuniqué der G20-Finanzminister nach deren Gipfel in der chinesischen Stadt Chengdu.

Auf der letzten derartigen Sitzung vor dem G20-Gipfel der Staats- und Regierungschefs in Hangzhou hatten die Finanzminister viele große Themenfelder zu beackern. Vor allem die Folgen eines möglichen Austritts Großbritanniens aus der EU beschäftigten sie. Doch auch die Klimafolgen und die daraus resultierenden Aufgaben für die Finanzbranche fanden Eingang in die Beratungen. Das zeigt, dass die globale Erwärmung mittlerweile als eines der drängendsten Themen unserer Zeit gilt.   

 

Plädoyer für ein grünes Wachstum

Brigitte Knopf, Generalsekretärin am Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change in Berlin, deutet das Bekenntnis der führenden Industrie- und Entwicklungsländer zur Klimafinanzierung als wichtiges Signal. „Die als wirtschaftsnah und wachstumsorientiert geltende Gruppe der 20 ist ein gutes Forum für die Umsetzung des Paris-Abkommens“, kommentiert die Klimaexpertin. „Die Finanzminister setzen mit den in China gefassten Beschlüssen scheinbar klar auf grünes Wachstum“, ergänzt sie.

Auf dem Weltklimagipfel im Dezember 2015 in Paris hatten die run 190 UN-Mitgliedstaaten eine Begrenzung der globalen Erwärmung auf deutlich unter zwei Grad beschlossen sowie die Senkung klimaschädlicher Treibhausgase auf praktisch Null bis Mitte des Jahrhunderts.

 

Eine Vertrauensfrage

Die Industriestaaten hatten in Paris dafür den ärmeren Ländern zugesagt, rund 100 Milliarden Euro für die Klimafinanzierung auszuschütten. Seitdem das Versprechen erstmals beim Klimagipfel 2009 in Kyoto gegeben wurde, gilt es als Messlatte, wie wichtig den Industriestaaten das Anliegen tatsächlich ist. Um das Vertrauen der Entwicklungs- und Schwellenländer nicht aufs Spiel zu setzen, ist die Einhaltung der Zusage von großer Bedeutung ­– insbesondere mit Blick auf die im November beginnende nächste Klimakonferenz in Marrakesch. In der marokkanischen Hauptstadt sollen die Schritte zur Umsetzung der Pariser Beschlüsse eingeleitet werden, wie der dortige Außenminister und Präsident der nächsten Klimakonferenz, Salaheddine Mezouar, kürzlich auf dem Petersberger Klimadialog in Berlin betonte.

Um die Klimafinanzierung zu stemmen, sind vor allem aus dem privaten Sektor umfangreiche Investitionen nötig. Einer Studie der Global Commission on the Economy and Climate zu Folge werden in den kommenden 15 Jahren mehr als 90 Billionen US-Dollar für neue Straßen, Schienen- und Stromnetze benötigt, überwiegend in Schwellen und Entwicklungsländern. Staaten wie China, Brasilien, Indien und Mexiko verzeichnen ein schnelles Wachstum. Um die globalen Klimaziele nicht zu gefährden, müssen die dort nötigen Investitionen in die Infrastruktur möglichst CO2-neutral und energieeffizient sein und ohne die fossilen Energieträger Kohle-, Öl- und Gas auskommen. Stattdessen sollen die Länder durch den Ausbau erneuerbarer Energien oder durch nachhaltige Stadtentwicklung und Landwirtschaft bei der Umsetzung ihrer Klimaziele unterstützt werden.

 

Grüne Anleihen – ein Wachstumsmarkt

Beispielsweise durch globale Grüne Anleihen, sogenannte Green Bonds, könne die Finanzwirtschaft bei der Klimafinanzierung helfen, sagte Axel Weber, Ex-Bundesbankchef und seit 2013 Verwaltungspräsident der Schweizer USB-Bank, kürzlich bei einer Konferenz an der Berliner Humboldt-Universität. Das mache auch aus finanzwirtschaftlicher Sicht Sinn, glaubt er. Als Vorreiter für die Anleihen von Erneuerbaren- und Umweltprojekten gelten die Weltbank und Entwicklungsbanken wie die europäische EBI und die deutsche KfW. Zunehmend setzten auch Unternehmen wie Unilever, Apple oder Starbucks auf diese neue Form der Kapitalaufnahme.

Auch die G20 betont das Potenzial von Green Bonds. Der globale Markt mit grünen Anleihen solle ausgeweitet werden, wie aus der am Sonntag veröffentlichten Mitteilung hervorgeht. 

Sean Kidney, CEO der Londoner Climate Bonds Initiative, prognostiziert für dieses Jahr „ein Emissionsvolumen von mindestens 100 Milliarden Dollar“,  wie er Anfang des Jahres im Interview mit bizz energy sagte. Zunehmend setzen auch Ländern mit aufstrebenden Märkten auf die grünen Anleihen, beispielsweise hat Mexiko im vergangenen Jahr einen solchen Markt etabliert.

Allerdings fehlt es derzeit noch an einheitlichen Standards auf dem Markt für grüne Geldanlagem. In einer aktuellen Studie bezweifelt das ökumenische Wirtschaftsinstitut Südwind deshalb, ob Green Bonds tatsächlich dazu beitragen, dass es mehr Geld für nachhaltige Projekte gibt. Auch die Transparenz lasse bei der überwiegenden Zahl der Emittenten zu wünschen übrig, heißt es in der kürzlich veröffentlichten Analyse. Demnach könne es durchaus vorkommen, dass Emittenten neben Erneuerbaren-Projekten auch den Kohlebergbau unterstützen oder Atomkraftwerke betreiben.

Zentrum der chinesischen Provinzhauptstadt Chengdu, in der sich die G20 Finanzminister am Wochenende zu mehr Klimafinanzierung bekannten. (Foto: Bernd Gross)