Russland
23.09.2016

Gabriel mit Gazprom am Verhandlungstisch

Foto: kremlin.ru
Russlands Präsident Wladimir Putin (l.) begrüßt Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel bei seinem Besuch.

Während der aktuellen Reise von Vizekanzler Sigmar Gabriel nach Russland spielten Energiefragen eine wichtige Rolle. Gesprächsbedarf bestand insbesondere über die Zukunft der Gaspipeline Nord Stream 2.

 

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Wenn sich Russlands Präsident Wladimir Putin mit dem deutschen Vizekanzler und Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel trifft, darf natürlich dessen russischer Amtskollege Alexej Uljukaew nicht fehlen. Dieses Mal nahm aber zusätzlich einer am Tisch Platz, der eigentlich kein politisches Amt inne hat: Alexei Miller, der Chef von Gazprom. Zunächst einmal ging es bei den Gesprächen um Syrien und Sanktionen, die der Kreml lieber heute als morgen aufgehoben sehen würde. Gabriel wird dazu ohnehin nicht viel anderes zu sagen gehabt haben, als dass er für deren Abbau ist – vorausgesetzt, es gibt Fortschritte bei der Umsetzung des Minsker-Abkommens.

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Doch allein schon, dass Gazprom in Putins Residenz mit am Tisch saß, zeigt, dass es abseits von Weltpolitik auch wichtige praktische Themen zu besprechen gab. Das mit Abstand wichtigste dürfte der Bau der Pipeline Nord Stream 2 gewesen sein. Erst vor wenigen Wochen hatten sich die westlichen Partner, darunter auch der deutsche Öl- und Gaskonzern Wintershall, die knapp die Hälfte der Anteile an der Nord Stream 2 AG übernehmen wollten, nach einer Blockade der polnischen Kartellbehörden zurückgezogen. Entsprechend groß wird der Gesprächsbedarf darüber gewesen sein, wie es nun denn weiter gehen soll mit der Pipeline. 

Immerhin gaben Gazproms Partner schon vor einigen Wochen in einer gemeinsamen Stellungnahme an, weiterhin großes Interesse an dem Projekt zu haben. Auch der russische Wirtschaftsminister bestätigte am Donnerstag, dass es bei den Treffen zwischen ihm und Sigmar Gabriel um Nord Stream 2 gegangen sei, und auch um die Pipeline OPAL, die das Nord-Stream-Gas auf deutschem Boden weiter Richtung Süden transportiert. „Wir haben gestern und heute eine Reihe großer Projekte hinsichtlich ihrer Finanzierung und Umsetzung besprochen“, sagte Uljukaew. Konkretes ließen aber weder er noch Gabriel durchsickern.

 

Röhrenlieferung gestartet

Dafür, dass die Gespräche durchaus fruchtbar gewesen sind, spricht dennoch der Optimismus, den Gazprom derzeit ausstrahlt. Noch Donnerstagabend, kurz nach dem Treffen von Gabriel und Putin in dessen Residenz im Moskauer Luxusvorort Nowo-Ogrjowo, ließ der Konzern mitteilen, dass die Vereinbarungen mit europäischen Partnern zur Umsetzung von Nord Stream 2 auf einem Branchenforum in Sankt Petersburg Anfang Oktober bekannt gegeben werden sollen. „Alles läuft derzeit nach Zeitplan“, sagte Gazprom Sprecher Sergej Kuprijanow. Man gehe davon aus, dass das Projekt zusammen mit europäischen Partnern umgesetzt werden kann.

Gestern meldete zudem einer von drei Röhrenlieferanten des Projekts, der russische Konzern OMK, die Lieferung der ersten Charge. Diese sei derzeit unterwegs nach Finnland, wo die Röhren weiterverarbeitet und mit einer Betonhülle versehen werden. Der zweite russische Lieferant, die Röhrenwerke von Tscheljabinsk, will am heutigen Freitag mit der Auslieferung beginnen. Die Fertigung beim dritten Zulieferer, der Europipe Gmbh aus Mülheim an der Ruhr, soll bereits im kommenden Monat anlaufen. Insgesamt sollen beim dem acht Milliarden Euro teuren Projekt mehr als 200.000 Röhren mit einer Länge von jeweils 12 Metern verbaut werden. Der Baubeginn der Leitung ist für 2018 angepeilt. 

Maxim Kireev
Keywords:
Nord Stream 2 | Sigmar Gabriel | Wladimir Putin | Alexej Uljukaew | Wintershall | Gazprom
Ressorts:
Governance

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