Neben dem Verkehr ist der Wärmemarkt das Stiefkind der Energiewende. Nicht einmal jede achte Kilowattstunde für Gebäudeheizungen oder Industrieöfen kommt aus Biomasse oder Solarthermie. Im Strommarkt decken Erneuerbare dagegen schon ein Drittel des Bedarfs. Die Gebäudedämmung kommt ebenfalls nicht in Schwung. Die Bundesregierung hat deshalb ein neues Steckenpferd entdeckt, die sogenannte Sektorkopplung. Dahinter steckt eine Offensive für den massenhaften Einsatz moderner Elektro-Heizungen.

Die Begründung liefert das Wirtschaftsministerium in seinem neuen Grünbuch Energieeffizienz: „Allein durch Effizienzmaßnahmen und den direkten Einsatz erneuerbarer Energien lassen sich nach heutigem Kenntnisstand die jeweiligen Sektoren nicht dekarbonisieren.“ Nötig sei deshalb der Einsatz von Ökostrom auch im Wärmemarkt.

 

Power to Gas noch zu ineffizient

Für Wohnhäuser propagieren die Beamten von Minister Sigmar Gabriel (SPD) besonders Wärmepumpen. Die ersetzten mit wenig Strom am meisten fossile Brennstoffe. „Efficiency first“ geben die Ministerialen als Motto aus. Aus dem gleichen Grund seien Elektrokessel und die Power-to-Gas-Technologie nur dort zu empfehlen, wo noch keine effizienteren Technologien zur Verfügung stünden, vor allem für industrielle Prozesse mit hohen Temperaturen.

In Wohnhäusern sind Wärmepumpen allerdings nur in einigen Fällen wirklich sparsam. Wissenschaftliche Feldtests haben gezeigt, dass die Geräte deutlich hinter den erwarteten Leistungen zurückbleiben. Im Prinzip nutzen Wärmepumpen eine Wärmequelle aus der Umwelt – Luft, Erdreich oder Grundwasser – und bringen die darin enthaltene Energie durch den Einsatz von Strom auf eine höhere Temperatur. Das Verhältnis von erzeugter Wärme zu eingesetzter elektrischer Energie wird als Jahresarbeitszahl bezeichnet. Eine Zahl von 3,5 bedeutet, dass die Pumpe aus einer Kilowattstunde (kWh) Strom und 2,5 kWh Umweltenergie 3,5 kWh Wärme erzeugt.

 

Schlechte Leistungen in der Praxis

Für eine staatliche Förderung durch das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) müssen zum Beispiel die häufig verkauften Luft-Wärmepumpen eine Jahresarbeitszahl von mindestens 3,5 haben. Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiewirtschaft (ISE) hat allerdings gezeigt, dass Luft-Wärmepumpen in der Praxis deutlich unter dem Mindestwert bleiben. In der jüngsten Messung von 2012/2013 kamen Geräte der neuesten Generation im Durchschnitt auf eine Jahresarbeitszahl von 3,2 und blieben damit immer noch 8,5 Prozent hinter der Fördervorgabe zurück. Die schlechtesten Anlagen im Test erzeugten sogar 28,5 Prozent weniger Wärmeenergie als vorgesehen.

In den meisten Wohnhäusern wären Wärmepumpen ohnehin Stromfresser. Die Verbraucherzentralen empfehlen die Geräte nur für gut gedämmte Gebäude mit einem jährlichen Wärmebedarf von höchstens 80 kWh pro Quadratmeter Wohnfläche. Die meisten Gebäude aus dem Feldtest der Fraunhofer-Forscher hatten außerdem eine Fußbodenheizung. Die Warmwasser-Kessel im Keller kommen dann schlicht mit geringeren Temperaturen aus.

Wärmepumpen heizen mit Wärme aus Luft oder dem Erdreich und Strom. (Foto: istock.com / Slavomir Valigursky)