Erneuerbare Energie
03.09.2018

Ganzjährige Sommerzeit positiv für Strom-Eigenverbrauch

Foto: istock/Goran Jakus Photography
Je mehr Haushalte mit PV-Anlage direkt verbrauchen, desto mehr sparen sie.

Die Abschaffung der Zeitumstellung würde sich positiv auf den Eigenverbrauch von Photovoltaik-Anlagenbetreibern auswirken. Für den Stromverbrauch insgesamt wäre der Effekt aber marginal.

Was bringt es der Solarbranche, wenn die Umstellung von Sommer- auf Winterzeit abgeschafft wird? Für die Betreiber von Photovoltaik-Anlagen (PV) könnte sich eine dauerhafte Sommerzeit leicht positiv auswirken, sagt Volker Quaschning, Professor für Regenerative Energiesysteme an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) in Berlin.

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Der positive Effekt gelte aber einzig und allein für den Eigenverbrauch und sei stark abhängig vom persönlichen Lastprofil. „In vielen Fällen ist ein geringfügig größerer Eigenverbrauch zu erwarten, da in den Wintermonaten abends etwas mehr Solarstrom zur Verfügung steht“, sagt Quaschning auf Anfrage von bizz energy. Er erwarte aber keine wirtschaftlich signifikanten Einflüsse, wenn die Sommerzeit künftig nicht mehr nur von Ende März bis Ende Oktober, sondern das ganze Jahr über gelten würde.

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Unterstützung von Angela Merkel

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hatte sich für eine ganzjährige Sommerzeit ausgesprochen, nachdem in einer EU-Umfrage mehr als 80 Prozent der Teilnehmer dafür votierten. Auch von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kommt Unterstützung für das Vorhaben. 

In einem Gutachten wies das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) bereits 2014 auf die positiven Auswirkungen der Sommerzeit hin. Beim Stromverbrauch seien die Unterschiede zwischen Sommer- und Winterzeit zwar marginal und liege je nach Land bei einem Prozent, heißt es dort. Beim Eigenverbrauch von PV-Anlagenbesitzern hingegen seien bei einer ganzjährigen Sommerzeit jedoch deutliche Steigerungen von durchschnittlich sechs Prozent möglich. Dies sei im Vergleich zu Energiespeichern oder Energiemanagement-Systemen vielleicht nicht viel, erfordere aber im Gegensatz zu diesen „weder Investitionen noch Verhaltensänderungen“.

PV-Anlagenbesitzer sparen bei der Stromrechnung

So könne in der Sommerzeit mehr Haushaltsstrom durch PV-Anlagen gedeckt werden, was die Wirtschaftlichkeit von PV-Anlagen erhöhe. Swantje Gährs, die an der IÖW-Studie beteiligt war, errechnete damals mit ihrem Kollegen Mark Bost, dass ein Durchschnittshaushalt mit eigener Solaranlage etwa zehn Euro jährlich an Stromkosten sparen könne. „Das dürfte aufgrund der gestiegenen Strompreise inzwischen tendenziell eher mehr sein“, sagt Gährs auf Anfrage. 

Der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW) hingegen rechnet nicht mit größeren Auswirkungen, sollte es künftig keine Winterzeit mehr geben. „So oder so wird es im Winter erst nach acht Uhr hell und vor 18 Uhr wieder dunkel“, sagt BSW-Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig. Vielmehr ermöglichten es puffernde Solarspeicher oder Energiemanagement-Systeme, Sonnenenergie auch bei Dunkelheit oder schlechter Witterung zu nutzen oder den Verbrauch intelligent zu steuern. 

In Deutschland wurde die Zeitumstellung 1980 Deutschland eingeführt, seit 1996 gilt sie einheitlich in allen EU-Staaten. Die Hoffnung, dass sich dadurch der Energieverbrauch merklich reduzieren würde, erfüllte sich aber nicht. „In der Tat bringt der Dreh am Zeiger keine spürbare Energieeinsparung“, sagt Stefan Kapferer, Vorsitzender des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). „Seit Jahren kann die Energiewirtschaft keine relevanten Effekte auf den Stromverbrauch erkennen.“

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Jutta Maier
Keywords:
Photovoltaik | Solarenergie
Ressorts:
Governance

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