Flüssigerdgas
17.01.2019

Gasimport: Chancen für LNG-Terminal steigen

Foto: Fluxys Belgium/E. Manderlier
LNG-Import-Terminal des Gaslogistikers Fluxys im belgischen Zeebrugge. Ähnliche Anlagen wollen Energie- und Logistikunternehmen in Norddeutschland errichten.

Die USA hintertreiben den Bau der Gaspipeline Nord Stream 2 aus Russland. Ob sie die Leitung verhindern können, ist offen. Den Befürwortern eines Import-Terminals für Flüssigerdgas nützen die Nadelstiche jedoch.

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An der Seite des polnischen Ministerpräsidenten Mateusz Morawiecki bekannte Angela Merkel Farbe: Deutschland werde seine Vorbereitungen für ein eigenes LNG-Terminal beschleunigen, um „auch auf andere Energiequellen zurückgreifen zu können“. Andere als russisches Erdgas, hätte die Kanzlerin bei ihrem Besuch in Warschau im vergangenen Herbst  hinzufügen können. Und auf andere Importwege als die von Moskau kontrollierten und von Warschau verfluchten Nord-Stream-Pipelines. Deutlich wie selten formulierte Merkel unter dem Wappen des polnischen Adlers ihre Absicht, zusätzliche Gaslieferanten zu gewinnen.

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Das dürfte in Washington gut angekommen sein. Die USA bringen sich als LNG-Lieferant für Deutschland in Stellung und versuchen, den Bau der Gaspipeline Nord Stream 2 aus Russland zu verhindern. Die Briefe, in denen US-Botschafter Richard Grenell beteiligten deutschen Energieunternehmen jüngst mit Sanktionen gedroht hat, sollen das Nord-Stream-Lager verunsichern. Den Befürwortern eines ersten deutschen Terminals für Flüssigerdgas dagegen geben sie Auftrieb. Denn ein LNG-Terminal an der Küste würde zumindest einen Teil der Importkapazität bereitstellen, die bei einem Aus für Nord Stream 2 fehlen könnte.

Brunsbüttel und Wilhelmshaven vorn

Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Terminal gebaut wird, steigt. Die Bundesregierung hat schon im Herbst angedeutet, dass sie bereit ist, eine solche 500 Millionen Euro teure Anlage mitzufinanzieren. Drei Investorengruppen schmieden dafür konkurrierende Pläne: Das Joint Venture German LNG Terminal will unter Beteiligung des niederländischen Energieversorgers Gasunie in Brunsbüttel bauen, ein Konsortium unter Führung von Uniper in Wilhelmshaven und der US-amerikanische Chemiekonzern Dow in Stade.

Sanktionsdrohungen gegen an Nord Stream beteiligte Unternehmen: Richard Grenell,
US-Botschafter in Deutschland. Foto: US Embassy Berlin
Am weitesten sind die Planungen für Brunsbüttel und Wilhelmshaven. Falls Fördergeld fließt und die Entscheidung für eine Investition fällt, soll das Terminal in Brunsbüttel im Jahr 2022 den Betrieb aufnehmen und später zehn Prozent des deutschen Gasbedarfs decken können. RWE hat bereits Interesse als Abnehmer angemeldet. Uniper will im selben Jahr in Wilhelmshaven eine schwimmende LNG-Anlage mit einer Kapazität von zehn Milliarden Kubikmetern pro Jahr in Betrieb nehmen.

Das lässt nicht nur Landes- und Lokalpolitiker auf Jobs und Gewerbesteuer hoffen. Auch der weltgrößte LNG-Exporteur Qatar Petroleum wittert Geschäft: Er sei „sehr ernsthaft an einer Beteiligung an einem deutschen LNG-Terminal interessiert“, sagte Konzernchef Saad Al Kaabi dem Handelsblatt.

(Lesen Sie auch: EU importiert deutlich mehr LNG aus den USA)

Auf Ablehnung stoßen die Terminal-Ambitionen bei der Opposition: „Die Bundesregierung sollte lieber klare Perspektiven für Energiewende und Power-to-Gas-Technologien in Deutschland schaffen, statt darüber nachzudenken, ob sie Steuergelder in LNG-Terminals versenken will“, wettert die energiepolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Julia Verlinden.  Der europapolitische Sprecher der Linken, Andrej Hunko, hegt den Verdacht, „dass Steuermittel verschwendet werden, um in den aktuell laufenden Handelsgesprächen der Trump-Regierung bei ihrem Wunsch entgegenzukommen, mehr Fracking-Gas zu exportieren.“

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Keywords:
LNG | Erdgas | Nord Stream
Ressorts:
Governance | Markets

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