Flüssigerdgas
17.01.2019

Gasimport: Chancen für LNG-Terminal steigen

Foto: Fluxys Belgium/E. Manderlier
LNG-Import-Terminal des Gaslogistikers Fluxys im belgischen Zeebrugge. Ähnliche Anlagen wollen Energie- und Logistikunternehmen in Norddeutschland errichten.

Die USA hintertreiben den Bau der Gaspipeline Nord Stream 2 aus Russland. Ob sie die Leitung verhindern können, ist offen. Den Befürwortern eines Import-Terminals für Flüssigerdgas nützen die Nadelstiche jedoch.

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Mit seiner Vermutung, die USA spielten in den deutschen LNG-Plänen eine wichtige Rolle, könnte Hunko richtig liegen. Der Transatlantik-Koordinator der Bundesregierung, Peter Beyer, rechnet tatsächlich damit, dass Deutschland in Zukunft Flüssigerdgas aus den USA importiert. Und für die EU hat Kommissionschef Jean-Claude Juncker US-Präsident Donald Trump eine Steigerung der Importmenge bereits in die Hand versprochen.

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Trump zielt gas- und geostrategisch vor allem auf Deutschland. Er will den Bau der Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 mit aller Macht stoppen. Dem US-Kongress liegen gleich fünf Sanktionsentwürfe gegen europäische Unternehmen vor, die sich an dem Projekt beteiligen. US-Botschafter Grenell hat die deutschen Unternehmen, die Nord Stream 2 mitfinanzieren, in seinem Brief daran erinnert. Der Energieerzeuger Uniper ist eines von ihnen.

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Sollte es den USA mit Unterstützung Polens und der Ukraine gelingen, die Fertigstellung der Pipeline zu verhindern, könnte Deutschland tatsächlich auf LNG-Importkapazitäten angewiesen sein. Denn zumindest mittelfristig wird der deutsche Erdgasbedarf weiter steigen, während der wichtige Lieferant Niederlande ausfällt. Der Nachbar im Westen fährt seine Gasproduktion herunter, weil sie in der Förderregion um Groningen gefährliche Erdbeben auslöst.

Ölpier von Wilhelmshaven. In der Nähe könnte in einigen Jahren ein schwimmendes
LNG-Terminal von Uniper liegen. Foto: Creative Commons/BinImGarten
Als Lieferländer für ein deutsches LNG-Terminal kämen vor allem die USA und das Emirat Katar in Frage. Beide verfügen über riesige Gasvorkommen und bauen ihre Kapazitäten zur Verflüssigung ehrgeizig aus. Erdgas wird zu LNG, indem man es am Verladeort auf minus 162 Grad Celsius kühlt, komprimiert und flüssig in Tankschiffe füllt. In Europa löschen die Tanker diese Fracht  an Import-Terminals beispielsweise in Rotterdam, Zeebrugge und Swinemünde.

Die Bundesregierung agiert in Sachen LNG  auch weit außerhalb der Bundesgrenzen: So unterstützt die staatliche KfW Ipex Bank den Bau eines Export-Terminals in der kanadischen Provinz Nova Scotia. Das dort verschiffte Gas soll, wie in den USA, mit der umstrittenen Fracking-Methode gewonnen werden. Zwischen dem Betreiber Pieridae Energy und Uniper besteht bereits ein Liefervertrag. Zur Absicherung stellte die Bundesregierung einen sogenannten ungebundenen Finanzkredit in Höhe von mehr als drei Milliarden US-Dollar in Aussicht. Zwei weitere LNG-Projekte flankiert der deutsche Staat mit Exportkreditgarantien an beteiligte Unternehmen: bei einem Terminal in Australien durch  eine Garantie über 544,5 Millionen US-Dollar und beim russischen Terminal Yamal LNG durch eine Absicherung über 200 Millionen US-Dollar.

Hoffnungen ruhen auf Small Scale

Noch ist eine Entlade- und Regasifizierungsanlage an Elbe oder Jadebusen Zukunftsmusik, ebenso wie deutsche LNG-Importe im großen Stil. Die Verteilnetze und Speicher sind voll mit deutlich billigerem Pipelinegas. Kalt und flüssig gelangt der Rohstoff erst in kleinen Mengen ins Land, per Tanklaster aus den Niederlanden, Belgien und Polen. Er soll als Kraftstoff einer neuen Generation von Lkw dienen, das klimaschädliche bis tödliche Schweröl im Schiffsverkehr ersetzen und eine Heizöl-Alternative für Industrieunternehmen werden.

Lobbygruppen wie „Zukunft Erdgas“, die Maritime LNG-Plattform und die LNG-Task Force propagieren den Kraftstoff mit dem Argument des Klimaschutzes. Kernargument der Befürworter: Beim Verbrennen von LNG werden 85 Prozent weniger Stickoxide und bis zu 15 Prozent weniger CO2 frei als bei Diesel, außerdem entstehen kaum Feinstaub und Schwefeldioxid. Auch nach dem Willen der Bundesregierung soll LNG helfen, die Emissionen der unbändig wachsenden europäischen Lastwagenflotte zu senken – obwohl Umweltschützer bezweifeln, dass Flüssigerdgas den Lkw-Verkehr wirklich klimafreundlicher macht. 

Novatek baut Terminal in Rostock

Zumindest der Chef des russischen Gasunternehmens Novatek, Leonid Michelson,  glaubt fest daran, dass LNG in Deutschland seinen Markt findet. Novatek wird mit dem belgischen Gaslogistiker Fluxys ein kleines Import-Terminal in Rostock errichten. Und bei der Maritimen LNG Plattform heißt es, „eine beträchtliche Anzahl von Firmen“ habe Absichtserklärungen für die Nutzung des geplanten Brunsbüttel-Terminals unterzeichnet.

Ein Spatenstich an der Elbe würde nicht nur die US-Regierung erfreuen, sondern auch die argwöhnische Regierung Polens. Denn damit ließe Deutschland den Worten von der Diversifizierung seines Erdgasbezugs nach Jahren exklusiver Pipeline-Partnerschaft mit Russland erstmals Taten folgen.

Lesen Sie auch: Steigende LNG-Nachfrage: China mischt den Markt für Flüssigerdgas auf

 

Christian Schaudwet
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Keywords:
LNG | Erdgas | Nord Stream
Ressorts:
Governance | Markets

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