RWE
14.05.2012

Gaspipeline Nabucco auf der Kippe

nabucco-pipeline.com
Die Zukunft der Nabucco-Pipelime bleibt ungewiss

Nach dem ungarischen Staatsunternehmen MOL droht nun auch der Energiekonzern RWE als kapitalkräftiger Investor mit einem Ausstieg aus dem Nabucco-Projekt. Wie der Konzern vergangenen Sonntag mitteilte, werde das Engagement geprüft.

Die erwartete Kostensteigerung von 8 auf 15 Milliarden Euro sowie weiter ausstehende Lieferverträge mit den Förderstaaten lassen das Essener Unternehmen nun zunehmend an der Wirtschaftlichkeit des Projektes zweifeln. Im ersten Quartal verzeichnete RWE aufgrund des beschleunigten Atomausstiegs und des schwächelnden Gasgeschäftes einen deutlichen Gewinneinbruch um 8,8 Prozent.

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Mit dem Sechs-Länder-Projekt Nabucco soll nach bisherigen Plänen Gas aus kaspischen Gasfeldern über die Türkei und den Balkan nach Österreich transportiert werden. Mit insgesamt 55 Mrd. Kubikmeter/Jahr möchten die EU-Staaten neue Quellen diversifizieren und die Abhängigkeit vom russischen Gas vermindern. Der Verbrauch Deutschlands liegt bei etwa 80 Mrd. Kubikmeter/Jahr.

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Bei anderen Partnern des Nabucco-Konsortiums führten zuletzt Bedenken an der Wirtschaftlichkeit unter anderem zu dem Vorschlag, die Leitung auf den europäischen Teil zu verkürzen. Für RWE stellt dies keine Option dar. In der ursprünglichen Form sei das Vorhaben nach wie vor die beste Lösung, lässt der Konzern laut FAZ vermelden. Das Konsortium hofft auf einen Vertragsabschluss mit den Förderstaaten für Ende diesen Jahres. Indessen nimmt der Preisdruck auf Pipeline-Gas von Jahr zu Jahr zu, da zunehmend preiswertes verflüssigtes Gas auf den Markt drängt.

Mit einem Austritt von MOL und RWE blieben dem Konsortium vier Partner: der führende österreichische Konzern OMV, die türkische Botas, die Bulgarian Energy Holding und die rumänische Transgas. Als fünfter Partner ist seit vorigem Jahr Bayerngas im Gespräch.

Die kaspischen Felder sollen zukünftig gleich von mehreren Pipelines angezapft werden, die zueinander in Konkurrenz stehen. So planten etwa die Schweizer EGL, Norwegens Statoil und Eon eine kleinere Leitung, die Trans Adriatic Pipeline (10 bis 20 Mrd. Kubikmeter/Jahr), die eine Brücke vom kaspischen Raum nach Italien schlagen soll. Wesentlich größer zu veranschlagen ist die „South Stream“ Leitung (63 Mrd Kubikmeter/Jahr) des russischen Staatskonzerns Gasprom, die ähnlich dem Nabucco-Projekt die kaspischen Gasfelder mit Südost- und Mitteleuropa verbinden soll.

Daniel Seeger
Keywords:
Erdgas | Energie | Energiehandel | RWE
Ressorts:
Markets

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