Gaspreisbindung
04.07.2012

Gazprom lässt vom Ölpreis ab

Eon
Bedeuten neuen Langzeitverträge noch mehr Gas aus Russland?

Deal zwischen Eon und Gazprom läutet neue Ära für Gasimporte ein. Die Einigung der beiden Konzernriesen ist ein weiterer Schritt weg von der jahrzehntelangen Ölpreisbindung. Für Eon bringt das Luft im hochumkämpften Gasgeschäft.

Energiekonzern Eon einigt sich mit Gazprom über neue Lieferkonditionen. Mit deutlich günstigeren Langfristverträgen – bis dato waren hier 100 Prozent der Gasmengen an den Ölpreis gebunden – erwartet der Düsseldorfer Konzern einen Zugewinn von rund eine Milliarde Euro für das erste Halbjahr 2012. Mit 4,1 bis 4,5 Milliarden Euro statt bisher 2,3 bis 2,7 Milliarden Gewinn rechnet das Unternehmen für das gesamte Jahr.

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„Die Ölpreisbindung ist jetzt so gut wie Geschichte“, erklärt Energieexpertin Claudia Kemfert vom Berliner Wirtschaftsinstitut DIW in der Frankfurter Rundschau. Drastisch fallende Gaspreise an den Spotmärkten, die den kurzfristigen Bedarf bedienen, hatten den Eon-Konzern in der Vergangenheit in erhebliche Schwierigkeiten gebracht. Die langfristigen und ölpreisgekoppelten Verträge hiesiger Gasimporteure wie Eon und RWE, die ebenfalls in Verhandlungen mit Gazprom stecken, erwiesen sich als Milliardengrab. So vermeldete allein die Tochterfirma Eon Ruhrgas 2011 einen Verlust von rund 700 Millionen Euro.

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Laut Eon gilt der neue Deal rückwirkend bis zum 4. Quartal 2010. Nach Bekanntgabe am Dienstag legte die Eon-Aktie zunächst deutlich zu, konnte diesen Trend im Laufe des Tages jedoch nicht halten. Nach dem beschlossenen Atomausstieg und den Verlusten aus den Gasgeschäften wird damit gerechnet, dass der Konzern mit den zusätzlichen Gewinnen zunächst seinen Haushalt saniert. Mit der Einigung endet auch das Schiedsgericht-Verfahren, in dem sich die beiden Konzerne um den Gaspreis gestritten hatten.

Auf Seiten von Gazprom gibt man sich zufrieden. „Diese Vereinbarung ist ein Kompromiss, der die Trends und Entwicklungen auf dem Gasmarkt berücksichtigt“, sagt Gazprom-Vizechef Alexander Medwedew im Handelsblatt. Derzeit liegt des Marktanteil der Russen hierzulande bei rund einem Drittel. Nach der Einigung dürfte jedoch das Importvolumen von russischem Gas zunehmen, was den Wettbewerb weiter anheizt. Ob und ab wann sich diese Entwicklung auch für den Endverbraucher auszahlt, darüber streiten Experten.

Daniel Seeger
Keywords:
Erdgas | Rohstoffe | Energie | Energiehandel | Eon
Ressorts:
Markets

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