Erdgas
20.01.2014

Gazprom is back

depositphotos

Die Macht der russischen Gazprom in Europa nahm im vergangenen Jahr laut den eigenen Exportzahlen wieder deutlich zu. Vom norwegischen Konkurrenten Statoil konnte der russische Gasriese Anteile zurückgewinnen. Und Flüssiggastanker aus Katar und Co steuern lieber Häfen in Fernost an.

Im vergangenen Jahr sind die Exporte des russischen Staatskonzerns Gazprom nach Europa und Deutschland kräftig gestiegen. Mit über 40 Milliarden Kubikmeter hing Deutschland am Tropf des russischen Gasriesen, das sind 21 Prozent mehr als noch 2012. Auch im Rest Europas stieg insgesamt der Import von Gazprom-Gas, um 16 Prozent auf 161 Milliarden Kubikmeter. 

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Allein mit dem extrem kalten Winter voriges Jahr lässt sich dieser Anstieg kaum erklären. Die Gründe für das Wiedererstarken liegen weiter zurück. Wegen des Schiefergas-Booms wurden vor vier bis fünf Jahren große Mengen an Flüssiggas (LNG) etwa aus Katar oder Australien für den Weltmarkt frei. Über LNG-Häfen wie in Rotterdam drängten plötzlich neue Anbieter auf den hiesigen Gasmarkt – die Marktmacht bisheriger Platzhalter wie Gazprom oder Statoil aus Norwegen schwand. 

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„Damals hat der norwegische Versorger Statoil angefangen, seine Preise stärker an den Spotmarkt zu koppeln – und konnte so im Vergleich zu Gazprom deutlich Anteile gewinnen“, erklärt Kirsten Westphal, Gas-Expertin der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin. Gazprom zog nach und lockerte in Langfristverträgen etwa mit Eon oder RWE seine Ölpreisbindung. Im Wettstreit mit Statoil konnte der Gasriese deswegen jetzt wieder Anteile zurückgewinnen. 

Flüssiggas nach Asien

Ein Problem hat sich dabei für die Russen quasi wie von selbst erledigt. Denn inzwischen hat die LNG-Konkurrenz ihre Tanker längst nach Asien umgeleitet. „Für LNG ist der hochpreisige asiatische Markt derzeit viel attraktiver als der europäische“, sagt Westphal. 

Nach der Katastrophe in Fukushima 2011 und dem Abschalten aller Atomkraftwerke in Japan stieg dort der Gasbedarf rapide. Auch Länder wie China und Indien lechzen nach Gas, um ihr steiles Wirtschaftswachstum mit genügend Energie zu versorgen. In Europa und Deutschland indessen stagniert die Nachfrage und werden zudem geringere Preise als in Fernost bezahlt. 

Für Gazprom selbst wird die Situation trotz des stagnierenden europäischen Gasmarktes zunehmend komfortabel. „Andere Anbieter aus Norwegen, Algerien oder Katar fahren ihre Lieferungen nach Europa zurück, gleichzeitig sinkt die lokale Produktion insbesondere in Großbritannien“, teilte der Konzern auf Anfrage mit. 

 
Daniel Seeger
Keywords:
Gazprom | Erdgas | Statoil | Russland
Ressorts:
Markets

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