Russland
02.02.2017

Gazprom stemmt Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 alleine

Foto: Kremlin.ru
Gazprom-Chef Alexej Miller.

Russlands Gasmonopolist muss mehr Geld in die neue Pipeline pumpen. Europäische Unternehmen konnten sich bisher nicht auf eine Kapitalbeteiligung an der Röhre einigen.

Wochenlang verhandelte Gazprom-Chef Alexei Miller mit seinen europäischen Partnern: Großen Unternehmen wie Wintershall, Uniper (ehemals Eon), OMV (Österreich), Shell (Niederlande) und Engie (Frankreich). Es ging um eine mögliche Beteiligung der Europäer an den Baukosten für Nord Stream 2. Die zweite Ostsee-Pipeline soll rund zehn Milliarden Euro kosten. Doch es sieht so aus, als hätte der Gas-Manager die Hoffnung inzwischen aufgegeben.

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Wie nun bekannt wurde, hat Gazprom fürs laufende Jahr bereits Investitionen im Höhe von 1,7 Milliarden Euro in das Bauprojekt vorgesehen. Das ist etwa anderthalb Mal so viel wie ursprünglich geplant. Zwar seien die westlichen Partner noch immer am Bau von Nord Stream 2 interessiert. Ihre Unterstützung werde allerdings nicht, wie einst geplant, in Form einer Kapitalbeteiligung erfolgen, berichtete die Tageszeitung Kommersant mit Verweis auf Gazprom-Insider. Der Russland-Vorstand von Wintershall, Thilo Wieland, sagte der FAZ, die BASF-Tochter sei ebenso wie die anderen Partner überzeugt, dass das Projekt für das europäische Energiekonzept von entscheidender Bedeutung ist, und prüfe alternative Formen für eine Unterstützung.

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Tatsächlich hatten sich die Gazprom-Partner schon im Sommer von einem Joint Venture mit dem Gasmonopolisten zurückgezogen. Der Grund war der Widerstand polnischer Wettbewerbsbehörden. Weil der russische Konzern ohnehin eine dominante Position auf dem polnischen Markt einnehme, könne ein Joint Venture mit anderen Unternehmen den Wettbewerb noch weiter stören, hieß es zur Begründung. Inoffiziell bezeichneten die europäischen Gazprom-Partner Polens Vorgehen als eine Farce. Dennoch gaben sie den Behörden in Warschau nach und zogen ihren Antrag zurück. Eine Suche nach neuen Beteiligungsmöglichkeiten blieb bisher jedoch ohne Ergebnis.

Der Widerstand der Polen, dem sich auch die Ukraine angeschlossen hat, dürfte Branchenkennern zufolge mit den Transitgebühren zu tun haben, die Gazprom derzeit für die Durchleitung von Gas an die beiden Länder überweist. Sollte Gazprom die zweite Leitung durch die Ostsee bauen und somit perspektivisch den Transit über Polen und die Ukraine einstellen, könnten beide Länder jeweils Gebühren im niedrigen einstelligen Milliardenbereich verlieren.

Trotz aller Schwierigkeiten hält Gazprom jedoch an dem Projekt fest. Das hat auch damit zu tun, dass Oligarchen und Putin-Vertraute mit lukrativen Bauaufträgen rechnen, wie Mikhail Kortschemkin von der Beratungsfirma East European Gas Analysis feststellt. Vor wenigen Tagen hatte sich Gazprom-Chef Miller zudem optimistisch über die geplante Pipeline geäußert. „Die gute Auslastung von Nord Stream I beweist, dass die zweite Pipeline gebraucht wird“, sagte er bei einem Treffen mit Russlands Präsident Wladimir Putin, mit dem er auch befreundet ist. Dennoch stellt die Situation den Konzern vor große finanzielle Herausforderungen. Schließlich leidet das Unternehmen unter den weiterhin niedrigen Gaspreisen.

“Die Schuldenlast von Gazprom wird in den nächsten Monaten und Jahren steigen“, sagt Andrej Polischuk, Analyst der Raiffeisenbank in Moskau. Darüber hinaus plane Gazprom einen Ausverkauf von Beteiligungen, wodurch mehr als fünf Milliarden Euro in die Kassen des Unternehmens gespült werden sollen. In einem Fall handele es sich um die knapp zehnprozentige Beteiligung am mehrheitlich privaten Gasförderer Novatek, so der Analyst. Das Unternehmen arbeitet derzeit mit dem französischen Total-Konzern und chinesischen Investoren am größten Flüssiggas-Projekt Russlands. Als zweiten Kandidaten für einen Verkauf haben Branchenkenner das Gastransport-Unternehmen Gascade in Deutschland ausgemacht. Es wurde als Gemeinschaftsunternehmen von Gazprom und Partner Wintershall gegründet.

Maxim Kireev, Moskau
Keywords:
Russland | Nord Stream II | Gazprom | Gas
Ressorts:
Governance | Markets

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