Seit dem heutigen Dienstag müssen die Ukrainer mit 385,5 US-Dollar pro Tausend Kubikmeter wieder deutlich mehr für russisches Gas bezahlen. „Der Rabatt kann nicht weiter angerechnet werden“, erklärt Gazprom-Chef Alexei Miller. Die ukrainische Seite habe ihren Teil der Verpflichtungen nicht eingehalten und die ausstehenden Schulden sowie aktuelle Rechnungen nicht beglichen, begründet Miller den Schritt. Die Ausstände hätten sich so inzwischen auf über 1,7 Milliarden Dollar erhöht. 

Die Ukraine ist ein wichtiges Transitland für die russischen Gaslieferungen nach Europa. „Es gibt keine ungewöhnliche Veränderungen bei den Gasflüssen aus Russland über die Ukraine nach Europa“, sagte ein Sprecher der EU-Kommission auf Anfrage von BIZZ energy today. 

Brüssel möchte nun die Ukraine aktiv unterstützen – zum Beispiel mit sogenannten Rücklieferungen aus der Europäischen Union. Hier wolle die Kommission an einer möglichen Einigung zwischen der Ukraine und slowakischen Gasnetzbetreibern aktiv mitwirken, so der Sprecher. „Ein Durchbruch in den langjährigen Verhandlungen würde es der Ukraine ermöglichen, jedes Jahr bis zu acht Milliarden Kubikmeter Gas aus der Slowakei zu erhalten.“ Lieferungen aus Polen und Ungarn sind heute schon möglich.  

Auch unter dem gestürzten ukrainischen Präsidenten Wiktor Janukowitsch senkte die Ukraine bereits ihre Abhängigkeit von russischem Gas, wie Frank Umbach, Associate Director des European Centre for Energy and Resource Security (EUCERS) am King's College London, jüngst darlegte. Zwischen 2011 und 2013 gingen demnach die Lieferungen von 40 Milliarden auf 26 Milliarden Kubikmeter Gas zurück. 

Gazprom hatte bereits Anfang März am Beginn der Krim-Krise das Ende der Rabatte angekündigt. Wie dramatisch die Folgen für die Ukraine wären, erklärte damals Kirsten Westphal, Energieexpertin der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin. „Im Gegenzug zur pro-russischen Politik unter dem geschassten Präsidenten Wiktor Janukowitsch senkte Gazprom seinen Lieferpreis immerhin von über 400 US-Dollar auf unter 270 US-Dollar pro 1.000 Kubikmeter“, sagte Westphal.

 

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