Russland
25.11.2016

Gazprom sucht sein Heil im Export nach Europa

Foo: Flickr/Thawt Hawthje

Die finanzielle Lage des Moskauer Gasriesen bleibt angespannt, auch weil es in der Heimat nicht mehr rund läuft. Doch beim Export ist der Staatskonzern auf Rekordjagd.

 

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Wenn Gazprom-Manager wie Aufsichtsratschef Wiktor Subkow gute Nachrichten brauchen, dann schauen sie derzeit nach Europa. Erst vor wenigen Wochen machte die EU den Weg frei für eine höhere Nutzung der OPAL-Leitung durch Gazprom. Damit können die Russen mehr Gas über die Ostsee-Pipeline an Transitländern vorbei direkt nach Deutschland pumpen. „Das ist ein Triumph des gesunden Menschenverstandes“, sagte Subkow am Mittwoch auf dem deutsch-russischen Rohstoff-Forum in Düsseldorf. Gleichzeitig jagt Gazprom bei seinem Europageschäft von einem Rekord zum nächsten. Erst vor wenigen Tage stellte das Unternehmen einen neuen historischen Tageshöchststand bei seinen Gasexporten in die EU auf. Die Exporte nach Deutschland hätten in den ersten zehn Monaten um 7,5 Prozent zugelegt, nach Europa insgesamt um 10 Prozent, berichtete Subkow. Damit hat der russische Konzern seinen Marktanteil am europäischen Gasmarkt von 30 auf 33 Prozent erhöht.

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Dabei sah es vor zwei Jahren noch aus, als drohe ausgerechnet der europäische Markt für Gazprom zum Sorgenkind zu werden. Im Zuge der Ukraine-Krise wuchs insbesondere im Polen und im Baltikum der Wunsch, sich unabhängiger von russischem Gas zu machen. Auch Brüssel schrieb sich die Diversifizierung von Gasimporten auf die Fahne. Der Internationale Währungsfonds prognostizierte in einer Analyse zudem, dass sich Gazprom auf einen Preiskampf mit konkurrierenden Lieferanten von Flüssigerdgas (LNG) einstellen müsse.

 

Gazprom punktet beim Preiskampf

Ausgerechnet diesen Preiskampf scheint Gazprom derzeit für sich zu entscheiden. Berechnungen des internationalen Branchendienstes ICIS zufolge ist es für Lieferanten wie Katar oder Australien derzeit viel attraktiver, LNG im asiatischen Raum zu vermarkten. Der Preisunterschied zu Europa nimmt demnach wieder zu. So seien Katars Exporte nach Europa um 8,3 Prozent gesunken. Insgesamt habe der Import von Flüssiggas in die Europäische Union vor allem durch Gas aus Algerien lediglich um 2,3 Prozent zugelegt. „Europa bleibt für die Händler als Absatzmarkt zweite Wahl“, erklärt ICIS-Analyst Roman Kasmin.

Mit LNG-Anbietern kann der Gazprom-Konzern, dessen Pipeline-Exportpreise an den Ölpreis gebunden sind, also wohl erfolgreich konkurrieren. Gleichzeitig warnen Analysten, dass der Export sich für den Monopolisten kaum noch lohne. So ist der Exporterlös trotz höherer Menge im dritten Quartal um 32 Prozent auf 6,5 Milliarden Dollar gesunken. Mikhail Krutikhin, Partner der Moskauer Energieberatung RusEnergy,  vermutet zudem, dass Gazprom das Gas auf dem deutschen Markt nur noch knapp oberhalb der Selbstkosten verkaufen kann. Dafür sprechen auch die Zahlen des Gasriesen, der für die ersten neun Monate des Jahres einen Gewinnrückgang von mehr als 50 Prozent gemeldet hat. Gründe dafür sind, neben dem Preisverfall in Europa, Probleme auf dem Heimatmarkt in Russland, wo unabhängige Gasförderer, die vom Export ausgeschlossen sind, immer mehr Gas in die Netze leiten und so dem Staatskonzern Kunden abjagen. So könnte Gazprom trotz seiner Exporterfolge auf die geringste Jahresförderung zusteuern, die nach eigenen Prognosen bei 417 Milliarden Kubikmeter liegen könnte, knapp weniger als 2015. Noch vor fünf Jahren förderte Gazprom mehr als 500 Milliarden Kubikmeter jährlich. „Die höhere Nachfrage nach russischem Gas in Europa wird die Verluste zu hause nicht wettmachen“, meint etwa Andrej Polischuk, Energieanalyst bei der Raiffeisenbank in Moskau.

Maxim Kireev
Keywords:
Gazprom | Russland | Öl | Gas | OPAL-Pipeline
Ressorts:
Markets

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